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Fiat Fullback: Der japanische Italiener

Mit dem Fiat Fullback betritt der italienische Autohersteller Neuland. Erstmals kommt ein Pick-Up aus dem Konzern, die Ähnlichkeiten mit dem Mitsubishi L200 täuschen nicht.

18.06.2016 Press Inform

Das Rezept für den Fiat Fullback ist relativ einfach erklärt: Man nehme einen Mitsubishi L200, tausche den Frontgrill und ein paar Logos aus und fertig ist ein ganz neues Mitglied in der Familie der Pick-Ups: der Fullback aus dem Hause Fiat. Ohne Übertreibung darf der Neuling als eineiiger Zwilling des Japaners bezeichnet werden. Sei es das Design, die Innenausstattung oder die Motorenpalette, Fiat macht keinen Hehl daraus, den L200 unter ihrem Namen zu verkaufen. Wobei der Begriff Motorenpalette vielleicht ein wenig zu großspurig klingt. Denn Fiat lässt erst einmal ausschließlich den 181 PS starken und 2,4 Liter großen Vierzylinder-Dieselmotor mit Allradantrieb von der Kette. Ob manuell oder automatisch geschaltet wird, kann der Kunde ebenfalls vor dem Kauf entscheiden. Pick Up-Fans fragen natürlich völlig zu Recht nach der zwar gleichgroßen, aber 30 PS schwächeren Leistungsvariante, die bei seinem japanischen Bruder erhältlich ist. Denen sei gesagt, dass genau diese im November folgen wird. Einen Heckantrieb soll es zudem bereits im September geben.

Die Unterschiede zwischen dem Fiat Fullback und Mitsubishi L200

Die große Frage ist: „Warum soll der Pick Up-Kunde ab sofort bei Fiat und nicht mehr bei Mitsubishi auf den Hof rollen?“ Gründe aus technischer Sicht kann es nicht geben. Der Fullback fährt sich genauso wie der L200. Die Lenkung ist butterweich und das Lenkrad legt schon bei einer normalen Abbiegeaktion fast zwei komplette Umdrehungen zurück. Die Federung ist bei artgerechter Beladung selbst für die Stadt noch ausreichend komfortabel und das Fünfgang-Automatikgetriebe arbeitet äußerst unaufgeregt und kaum spürbar. Schade, dass die Sitze nicht gerade die Gier nach vielen Kilometern wecken, zu kurz ist die Beinauflage. Vom Vierzylinder-Dieselaggregat ist nahezu nichts zu hören. Vorausgesetzt die Fahrt führt einen Berg hinunter und der rechte Fuß hat Pause. Alle anderen Gaspedalzustände dringen in Form von typischem Dieselnageln nur leicht gefiltert in den Innenraum.

Fiat-Fullback (7)
© Bild: Werk

Lieber selbst Hand oder Finger anlegen

Der Gipfel der akustischen Zumutbarkeit wird selbstverständlich dann erreicht, werden dem 5,28 Meter langen Double Cab die Sporen gegeben.430 Newtonmeter schieben den 1,9 Tonner mithilfe des per Druck-Dreh-Knopf aktivierten Allradantriebs nach vorn. Ab Tempo 100 wird er wieder zum reinen Hecktriebler. Bis zu 179 Kilometer pro Stunde sind an Bord des Fiat Fullback Double Cab LX Launch Edition möglich – aber nicht sehr erstrebenswert. Seine Stärken liegen vielmehr im Arbeitsbereich. Vor allem die Anhängelast von bis zu 3,1 Tonnen spricht für ihn. Wer ihn stets unbeladen und sehr defensiv fährt, könnte mit sieben Litern Diesel auf 100 Kilometern auskommen. Dass die Automatikgetriebe-Variante dank der am Lenkrad verbauten Schaltwippen auch manuell im gewünschten Gang gehalten werden kann, zahlt sich besonders bei längeren und kurvenreichen Bergpassagen aus. Denn nur allzu schnell will die imaginäre Schalthilfe den nächsthöheren Gang einlegen. Auf Dauer kann das nerven. Also: Lieber selbst Hand oder Finger anlegen.

Gründe, die für den Fiat Fullback sprechen

Ob nun ein Fiat Fullback besser als ein Mitsubishi L200 ist und daher vom Pick Up-Kunden zu bevorzugen ist? Nein. Wie auch? Der große Vorteil eines zukünftigen Fullback-Besitzers liegt vielmehr in der Marke selbst verborgen. Flottenkunden, die mit Fiat bislang gut gefahren sind, werden sich aufgrund ihrer Erfahrung und der durchaus überzeugenden Tatsache, dass ein Fullback eben eigentlich ein L200 ist, gern zum Kauf bei ihrem vertrauten Händler verleiten lassen. Die mit dem Kauf einhergehende Vierjahres-Garantie wirkt sich zudem nicht gerade negativ aus.

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