1/11
 

Chevrolet Camaro Coupé V8: Der nächste wilde Hengst?

Da bahnt sich ein Duell im Muscle-Car-Segment an. Das neue Chevrolet Camaro Coupé V8 will mit seiner Kraft und Fahrspaß bei potenziellen Kunden punkten.

30.06.2016 Press Inform

GM hat mit Chevrolet Großes vor. Die ehemalige Billig-Marke soll in den nächsten Jahren zum sportlichen Ableger verwandelt werden. Also in Zukunft Corvette und Camaro anstatt Cruze und Aveo. Das Potenzial ist auf alle Fälle vorhanden. Auf diesem Weg befinden sich noch etliche Steine. Ein ganz großer Felsen ist hier Ford, die mit ihrem Mustang die Messlatte im Segment setzen. Der Konkurrent aus Dearborn Michigan spielt auch im Vokabular Al Openheisers eine große Rolle. Besser als der Mustang soll der neue Camaro sein, sagt der Chef-Entwickler, der mit seinem buschigen Vollbart und seiner Lockenpracht aussieht, als ob man ihn bei einem Hard-Rock-Festival treffen könnte.

Chevrolet Camaro Coupé: Hungern für die Nordschleife

Bei den Farb-Bezeichnungen hat Chevrolet das Duell schon gewonnen. Ein Lack-Ton heißt Son of the Gun Grey („Teufelskerl-Grau“) und das Rot Caught Red Handed („Auf frischer Tat ertappt“). Diese Kreativität der amerikanischen Verbal-Akrobaten setzt die Ingenieure gehörig unter Druck, denn bei so einer Namensgebung, muss das Produkt einiges können. „Wir haben den Camaro intensiv auf der Autobahn und der Nordschleife getestet“, erklärt Al Openheiser. Auf die Eifel muss mittlerweile fast jedes sportliche Auto. Beim neuen Camaro gibt es tiefgreifende technische Änderungen, die sich positiv auf die Fahrdynamik auswirken. Die Architektur stammt vom Cadillac ATS / CTS und verringert das Gewicht gegenüber dem Vorgänger um 100 Kilogramm. Dazu kommen eine neue Hinterachse und der 6.2-Liter-V8-Motor mit 333 kW / 453 PS (interner Code LT-1).

Chevrolet Camaro feiert seinen 50. Geburtstag

Handarbeit ist gefragt

Im Vergleich zur Corvette ist das Small-Block-Hubraum-Monster im Camaro nicht so krawallig unterwegs, wirkt beim Herausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller etwas bedächtig, sägt sonor unter der langen Motorhaube vor sich hin und will mit häufigen Gangwechseln bei Laune gehalten werden. Da das knackige manuelle Sechsgang-Getriebe mit kurzen Wegen und einer präzisen Führung überzeugt, bereitet die notwendige Handarbeit aber richtig Freude. Die Chevrolet-Techniker haben sich noch ein Extra einfallen lassen: Mit einem Zug an einem der beiden Wippen hinter dem Lenkrad bekommt das Getriebe bei jedem Runterschalten automatisch einen herzhaften bollernden Zwischengas-Stoß spendiert. Der Rest des Pakets überzeugt ebenfalls: Die elektromechanische Lenkung setzt die Befehle des Fahrers präzise um und gibt unmissverständlich Rückmeldung über den Straßen- und Traktionszustand.

Genug Kraft

Das Camaro V8 Coupé ist ein gelungenes Auto. Nicht ganz so direkt, so spitz und so unmittelbar, wie ein BMW M4, aber mit einem Grundpreis von 45.900 Euro um 27.400 Euro billiger als der Münchner und 2.900 Euro teurer als der Mustang (Preise für Deutschland). Für diese Summe bekommt man einen Sportwagen, der dem Ford das Leben sehr schwer macht. Ein mechanisches Sperrdifferenzial hilft beim Carven und die bequemen Sportsitze fixieren den Piloten auch bei schnellen Kurven. Kraft ist genug vorhanden. In 4,6 Sekunden brüllt sich der Camaro zur 100-km/h-Marke, rennt weiter bis zu 290 km/h und soll im Durchschnitt 12,8 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Wir waren positiv überrascht, als der V8-Motor bei unseren Testfahrten mit zehn Litern pro 100 Kilometer einen gemäßigteren Durst hatte. Das Infotainment ist ebenfalls verbessert, auch wenn es nicht die Perfektion der Konkurrenz erreicht: Apple Car Play und Google Auto helfen beim Einbinden des Smartphones. Das Navigieren durch die verschiedenen Menüs bedarf keiner großen Erklärung und da der Acht-Zoll-Touchscreen leicht nach unten geneigt ist, sind die Anzeigen auch bei der hochstehenden Sonne vernünftig ablesbar.

Chevrolet-Camaro-Coupe-V8 (10)
© Bild: Werk

Technik-Transfer und aufgewerteter Innenraum

Der Technik-Transfer von Cadillac hievt den Camaro auf den neusten Stand: Toter-Winkel-Assistenten oder das Head-Up-Display. Was nicht zu haben ist, sind Parksensoren vorne, aber gerade die wären bei der langen Motorhaube hilfreich. Auf diesen Malus angesprochen, verweis Al Openheiser auf den harten Preiskampf, die großen Parkplätze in den USA sowie auf die Vorlieben der dortigen Camaro-Fahrer. Die bewegen das Auto oft auf der Rennstrecke und wollen nicht zu viel Technik. Den Innenraum haben die Amerikaner deutlich aufgewertet. Lederverkleidungen und eine mit 24 Farben individuell einstellbare Ambiente-Beleuchtung sorgen für eine behagliche Stimmung. Trotzdem ist der Hartplastik-Anteil noch recht hoch und die Verarbeitung nicht immer über jeden Zweifel erhaben. Wie das Cockpit in fünf Jahren ausschaut, bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist der Camaro kürzer geworden, was die Rückbank für Erwachsene ungeeignet macht. Dafür gibt’s Bonuspunkte für den üppigen Kofferraum.

Daten Chevrolet Camaro Coupé V8

  • Motor: V8-Benziner
  • Hubraum: 6.162 cm³
  • Leistung: 453 PS (333 kW) bei 5.700 U/min-1
  • max. Drehmoment: 617 Nm bei 4.600 U/min-1
  • Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h
  • Beschleunigung: 4,6 Sekunden von 0-100 km/h
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung
  • Antrieb: Heckantrieb
  • Treibstoffsorte: Super
  • Tank: 72 Liter
  • Verbrauch EU-Drittelmix: 12,8 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 292 g/km
  • Gewicht: 1.659 kg
  • max. Zuladung: 541 kg
  • Abmessungen: 4.784 / 1.880 / 1.340 (L/B/H)
  • Preis: ab 39.900 Euro (Deutschland)
  • Abgasnorm: EU 6b
  • Effizienzklasse: G
pixel