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Oberhalb der oberen 10.000

537 PS, 1.100 Nm und eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h, die Leistungsdaten des Bentley Mulsanne Speed sind kräftig, sein Interieur nicht zu Toppen.

11.07.2016 Press Inform

Nicht, dass die Fahrleistungen des Bentley Mulsanne seinen Beförderten irgendwelche Gründe für Beschwerden geben würde. Doch wer schon alles hat, der will oftmals ja noch mehr. Also rein in den Mulsanne Speed mit seinen 537 PS und 1.100 Nm. Er ist kräftiger als das Standardmodell, hat eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h und bietet in seinem Auftreten etwas mehr Exklusivität als die dünne Konkurrenz, die er derzeit kaum pulverisieren kann. Rolls-Royce hat seinen alles andere als sportlichen Phantom auslaufen lassen und gibt der Produktion bis zum Neustart des Nachfolgers Anfang 2018 eine konkurrenzfreundliche Atempause. Und auch Maybach, mittlerweile von der einstigen Daimler-Nobelmarke zur Ausstattungslinie herabgestuft, kann einem Mulsanne Speed und dessen Fahrleistungen derzeit nichts entgegenstellen.

Bentley-Mulsanne-Speed (6)
© Bild: Werk

Bentley Mulsanne Speed: Cruisen oder brutal Beschleunigen

Wer nun doch einmal selbst ins Steuer der 5,58 Meter langen Bentley Mulsanne Speed greift, ist Herr über ein Gaspedal, das kaum Grenzen kennt. Der Motor ist kaum zu vernehmen und der Drehzahlmesser bis gerade einmal 5.000 U/min gaukelt einem vor, von einem Dieseltriebwerk mit zahllosen Zylindern befeuert zu sein. Dabei ist der limitierte Anzeigebereich nur ein Ergebnis dessen, dass das doppelt aufgeladene Achtzylinder mit seinem gigantischen Drehmoment keine nennenswerten Drehzahlen braucht, um gleichermaßen zu cruisen oder brutalst zu beschleunigen. Die variable Luftfederung lässt einen dabei über bauliche Unwägbarkeiten der Fahrbahn hinwegfliegen, als hätte man die Bodenhaftung nicht nur bei den Einkommensverhältnissen weitgehend verloren.

Wie im Privatjet

Wer den 537 PS starken Briten aus Stand oder jedem nur erdenklichen Fahrbetrieb beschleunigt, wundert sich nicht, dass der stählernen Bentley-Kühlerfigur, auf Wunsch vergoldet, versilbert oder schamlos düster getönt, die Flügel nach hinten gereckt wurden. Die 1.100 Nm maximales Drehmoment pressen einen derart massiv in die handschuhweichen Ledersitze, dass man kurzfristig der Überzeugung ist, in einem Privatjet durchzustarten. Und tatsächlich sind die Ähnlichkeiten von Bentley Mulsanne Speed und einem privaten Fluggefährt auffällig. Beide Vehikel lassen sich nahezu grenzenlos individualisieren, beide sichern den Transport abseits der hektischen Umwelt und bei beiden Beförderungsmethoden ist jede Meile ein wahrhafter Genuss – unabhängig vom Tempo. Dafür sorgen spektakuläre Komfortstühle mit zahllosen Verstellmöglichkeiten, Jalousien rundum, die einen der Welt auch durch das Dämmglas entrückt sein lassen und einen Antrieb, der über jeden Zweifel erhaben ist.

Allein in seiner Klasse

Der 6 ¾ Liter große Achtzylinder seit einem halben Jahrhundert Tradition; doch an sich müsste man in dieser Klasse mit 12 Brennkammern und natürlich auch souveränen Allradantrieb unterwegs sein, der den gigantischen Tatendrang in Verbindung mit der exzellent abgestimmten Achtgang-Automatik noch eindrucksvoller auf den Asphalt zu bannen im Stande wäre. Dabei geht es weniger um die 305 km/h, die in dieser Liga abseits der dynamischeren Luxuslimousinen BMW M 760 Li xDrive, Mercedes AMG S 65 oder des kommenden Audi A8 W12 ebenso konkurrenzlos sind, wie die durstigen 15 Liter Normverbrauch, die sich beim Leistungsaufruf problemlos in die Richtung 20-Liter-Marke oder darüber hinaus schrauben. Es ist die Tatsache, dass in dieser Klasse zwölf Zylinder einfach gesetzt sind. Die Kunden, die sich in dieser Liga entweder in Asien chauffieren lassen oder in den USA oder Europa selbst ins Steuerrad greifen, für die sind Image und Auftritt eben alles. Und so eindrucksvoll der überarbeitete Mulsanne an Front, Flanke und Rückleuchten mit seinem Markeninsignium, dem Flying B spielt, so sehr fehlen vier Brennkammern unter der Motorhaube ohne, dass man dem doppelt aufgeladenen Achtzylinder abseits der Trunkenheit irgendeinen Vorwurf machen könnte.

Innen geht es nicht besser

Der Innenraum ist das Beste, was in Sachen Verarbeitung, Materialauswahl und Individualisierung derzeit zu bekommen ist. Dass das komplette Entertainmentpaket einschließlich der elektrisch ausfahrbaren und entnehmbaren Fondbildschirme gigantische 17.719 Euro (alle Preise für Deutschland) kostet oder die Individuallackierungen bis zu mächtigen 29.000 Euro verschlingen, mag nur Kunden eines ebenso teuren Mittelklassemodells den Schlaf rauben. Schon angesichts von Leistung und 2,7 Tonnen Leergewicht sind die 15.470 Euro teuren Carbon-Keramikbremsen dagegen gut angelegt, weil sie für Sicherheit sorgen, während Füße nebst rahmengenähter Pferdelederschuhe auf den optionalen Lammwollteppichen durchatmen. Dass Details wie eine Rückfahrkamera (1.094 Euro) oder ein Abstandstempomat (3.474 Euro) zusätzliches Aufgeld kosten oder viele Assistenzsysteme gar nicht verfügbar sind, ist klassenbedingt schlicht inakzeptabel.

Bentley-Mulsanne-Speed (5)
© Bild: Werk

Die eigenen Initialen verarbeitet

Stören wird es keinen der potenziellen Kunden; schließlich kostet eine Bedienungsanleitung in deutscher Sprache weitere 529 Euro. Bentley bei seinem eiligen Aushängeschild Mulsanne Speed nahezu alles an, was technisch möglich ist. Eine eigene Teppichfarbe ist dagegen ebenso keine besondere Herausforderung wie Wunschintarsien in Hölzern, Sitzen oder dem Mehrschichtlack. Und in der Liga der Reichsten sorgen auch bei einem 305 km/ h schnellen Privatjet auf Rädern noch Einstiegsleisten mit dem eigenen Namen oder das Familienwappen an der C-Säule für entspannte Genugtuung. Fahren, reisen und gesehen werden in einer ganz eigenen Welt – etwas schneller als die anderen und doch komplett entschleunigt.

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