1/6
 

Audi RS 3 Sportback: Klassenprimus?

Modularer Querbaukasten und Herzklopfen, in einem Satz. Darf man das? Sobald Audi RS 3 Sportback hinzugefügt wird, ja!

05.02.2016 radical mag

Man kann dieser Tage über die alte Führungsetage des Konzerns sagen und denken was man will. Aber der Modulare Querbaukasten (MQB) läuft! Und wie: Den Seat Leon ST Cupra haben wir bereits in unser Herz geschlossen, den 7er Golf GTI mögen wir schon länger, der Skoda Octavia RS gehört bereits seit drei Generation in die Kategorie «best bang for the buck» und beim Audi S3 fragten wir uns sogar: «Der beste Audi je?» Einzig mit der Emotionalität hapert es immer ein wenig. Ingolstädter Perfektion lässt dafür einfach keinen Platz. Doch der neue Audi RS 3 Sportback schafft Abhilfe und der trägt den extrovertiertesten Motor in sich, der quer unter die Haube passt, einen mehrfach prämierten Fünfzylinder. Doch reicht das, um endlich «Modularer Querbaukasten» und «Herzklopfen» in einem Satz zu schreiben?

Audi-RS3-Sportback (3)
© Bild: Werk

Der erste Audi RS 3 Sportback spaltete die Lager

Er war ein fast 1,7 Tonnen schwerer Brocken, bei dem gefühlt der Großteil des Gewichts auf der Vorderachse lag. Entsprechend bewegte sich die Fuhre untersteuernd zum Kurvenrand, während die Haldexkupplung die Hinterachse auf den Asphalt nagelte und die Bremse an der Vorderachse dabei so sehr an einer Verzögerungsschwäche litt, dass Audi sich sogar entschließen musste, 5.500 Einheiten des RS 3 zum Bremsentausch zurückzurufen. Doch dann war da dieser Motor! Ein 2,5-Liter-Murl, der einem akustisch stets das Gefühl gab, direkt mit Stig Blomqvist oder Walter Röhrl im Ur-quattro auf einer Wertungsprüfung unterwegs zu sein. Druck hatte der Fünfender obendrein: 340 PS. Das war 2011 noch ein Wert, mit der sich Audi die Leistungskrone in der Kompaktklasse aufsetzen konnte.

Heute sieht die Welt anders aus

Die Konzernmutter droht mit dem Golf R400, BMW verpasst dem nicht maßlos auf Sport getrimmten M135i bereits betörende 326 PS – und dann gibt es da noch den Mercedes-Benz. Die Schwaben besaßen 2013 die Frechheit, einfach 360 PS und Allradantrieb in ihre A-Klasse zu stopfen und damit einen Treffer direkt vor den Bug der Ingolstädter zu landen. Darum hat man in der quattro GmbH jetzt aufgerüstet. Mit 367 PS steht der PS-Pokal jetzt erstmal wieder in Ingolstadt bzw. Neckarsulm und das reicht auch, um per Launch Control den Kompaktsportler in glaubwürdigen 4,3 Sekunden auf 100 km/h zu zoomen. Klassenbester! Zusätzlich profitiert die zweite Generation RS3 Sportback von der MQB-Diät, die das Gewicht auf knapp unter 1,6 Tonnen drückt. Immer noch viel, doch zusätzlich sitzt der prächtige Antrieb jetzt nicht mehr ganz so weit vor der der Vorderachse.

Audi-RS3-Sportback (4)
© Bild: Werk

Auf der Rennstrecke mit dem Audi RS 3 Sportback

Audi ist von dem Gesamtpaket daher so überzeugt, dass sie uns bei Rom über die Rennstrecke Autodromo Vallelunga schickten. Doch irgendwie fanden wir diese Idee gar nicht so gut, denn der vier Kilometer lange Rundkurs mit ultragriffigem Belag und brutal hart anzubremsenden Kurven deckt gnadenlos den Charakter des Fünftürers auf. Die gute Nachricht zuerst: die Bremse hält! Besonders, wenn – wie auf unserem RS3 – die optionale Keramikbremse montiert ist. Doch leider nagelt auch die neue elektronisch gesteuerte und hydraulisch betätigte Lamellenkupplung an der Hinterachse das Heck wieder spaßverderbend auf den Asphalt. Obwohl Audi vollmundig behauptet, dass in Abhängigkeit von Fahrstil und Reibwert bis zu 100 Prozent der übertragbaren Antriebskräfte an die Hinterachse geleitet werden können. In der Realität kommt dort nur maximal die Hälfte der Kraft an. Will man wirklich 100 % an den Hinterrädern, muss man schon mit dem Wagenheber die Vorderachse in die Höhe pumpen, bis die Räder hilflos in der Luft baumeln.

Präziser Fahrstil Pflicht

Um mit dem RS3 also wirklich schnell auf einem Rundkurs zu sein, muss man extrem präzise fahren, doch da wir nicht um tausendstel Sekunden oder die Poleposition kämpfen, finden wir das etwas fad, wenn das Heck so gar nicht mitarbeiten darf und im Zweifel nur die Vorderachse rutscht. Man kann sich aber auch die optionalen 255er Reifen an der Vorderachse montieren lassen. Diese zwei Zentimeter mehr Gummi (Serie ist eine 235/35-19 Bereifung rundum) mühen sich redlich, das zu schaffen, was eine mechanische Sperre eigentlich viel besser erledigen könnte: weniger Untersteuern und gierigeres Einlenken. Doch so ganz kann auch dieser Ingenieurs Kniff nicht verbergen, dass die Basis für den schnellen Sportback eine Frontantriebsplattform ist (kennen wir ja schon vom Vorgänger…). «Bei Nässe ist das alles ganz anders» versprach man uns, doch der Regenschauer, um dies überprüfen zu können, blieb in Italien aus.

Audi-RS3-Sportback (2)
© Bild: Werk

Racer für Hobbypiloten?

Der Audi RS 3 Sportback lässt uns daher etwas ratlos zurück. Er hat sich zwar fahrdynamisch spürbar weiterentwickelt, doch ein Racer für Hobbypiloten ist er weiterhin nicht. Im Alltag fühlt sich der Ingolstädter dagegen einfach zu knochentrocken und rumpelig an. Ob das optionale adaptive Dämpfersystem hier Abhilfe schafft, konnten wir nicht prüfen, doch wir gehen davon aus, dass die potenten Kundschaft (der Grundpreis in Österreich liegt bei stolzen 63.500 Euro) das magnetic-ride Fahrwerk sowieso blind dazu bestellen wird. Aufpreis: 1.353,80 Euro.

Doch was ist der RS 3 also?

Ein infernalisch schneller Poser, der es liebt, seine Kraft mit einer fünfzylindrigen Symphonie zum Dahinschmelzen zur Schau zu stellen (wir empfehlen als Soundverstärker unbedingt die optionale Sportabgasanlage). Doch auch dieses MQB-Derivat löst bei uns kein ultimatives Herzrasen aus, denn obwohl der A3 eine hervorragende Basis ist und der Motor in Zeiten des Downsizing-Wahnsinns ein echtes Schmankerl darstellt, erscheint die daraus entstandene Komposition etwas inhomogen.

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com

Mehr zum Thema
  • nur net den audikuebel

    wenn net diese langweilige 1998 0 8 15 Aussenhülle wäre- Audi halt- sonnst find
    der Bauernbua sei Audi net.. :)

    HABTS KA GELD FÜR EINEN DESIGNER?
    EIN BERTONE der würde die Technik echt fesch einkleiden..aber so..na biite net..)
    Und schön schwer des klane Fetterl…

pixel