Der Citroen C1 auf der Automesse in Genf 2014
In Genf laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, die Experten geben der europäischen Branche Hoffnung.
 

Europäischer Automarkt kommt langsam in Fahrt

Während in Genf die Vorbereitungen auf den 84. Autosalon auf Hochtouren laufen, geben Experten der europäischen Branche Hoffnung und prognostizieren Zuwächse.

03.03.2014 APA

Kurz vor Beginn des 84. Genfer Autosalons lässt zwar das Wetter zu wünschen übrig, aber einen kleinen Hoffnungsschimmer am europäischen Automarkthimmel. Der Grund für den Optimismus: Erstmals seit Jahren, so der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Matthias Wissmann, werde der westeuropäische Markt wieder anziehen.

USA und China voran

Obwohl die USA und China Europa als Wachstumstreiber der Autobranche längst abgelöst haben, bleibt die Heimatregion mit gut 16 Prozent Weltmarktanteil für die deutschen Hersteller ein wichtiger Absatzmarkt. Nach Jahren der Krise zeigt sich nun ein Silberstreif.

2013 war das schlechteste Jahr seit langem

Die Autobauer hoffen, dass sich der Markt in Europa 2014 erholt, nachdem sie 2013 das schlechteste Jahr seit langem verdauen mussten. „Vor allem Westeuropa scheint die Talsohle hinter sich zu lassen“, erklärte VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler angesichts eines erfolgreichen Jahresauftakts im Jänner. Der VDA rechnet für die westeuropäischen Länder mit einem Plus bei den Autoverkäufen von zwei Prozent auf 11,7 Millionen Fahrzeuge. Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht wenigstens von einer „zögerlichen Markterholung“.

Experte erwartet Zuwachs von 4 Prozent

Nach Einschätzung von Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen hat sich die Lage vieler Schuldenländer stabilisiert, und der Prozess der wirtschaftlichen Erholung habe eingesetzt. Er erwartet sogar einen Zuwachs von 4 Prozent in Europa. Dazu zählt Dudenhöffer allerdings die 28 Mitgliedstaaten der EU sowie Norwegen, Island und die Schweiz. Gut 12,78 Millionen Fahrzeuge sollten laut Dudenhöffer dort verkauft werden können. Das seien zwar immer noch fast drei Millionen weniger als im Jahr 2000 – der Erholungsprozess sei aber eingeleitet.

Hoffnung für Europa-abhängige Autohersteller

„Selbst die Massenhersteller mit hoher Europa-Abhängigkeit wie Fiat, Renault, Peugeot-Citroën, Opel und Ford Europa können durch die schrittweise Verbesserung der Märkte in Südeuropa dem Ende der Verlustjahre entgegensehen“, glaubt Dudenhöffer.

Warnung bleibt nicht aus

Andere Experten warnen hingegen vor zu großer Euphorie. „Die Lage ist sehr labil“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Studiengangs Automotive Management an der Fachhochschule Bergisch Gladbach – obwohl auch er insgesamt mit einer Erholung rechnet. Die Nachfrage in Spanien und Italien bewege sich aber noch auf niedrigem Niveau.

Seat und BMW im Aufwind

Profitieren dürften die deutschen Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW. Der VW-Konzern sei mit seiner breiten Aufstellung „gut unterwegs“, vor allem der Golf werde sich positiv entwickeln. „Seat wird derzeit stark gepusht“, sagt Bratzel zur spanischen Tochter der Wolfsburger, für die es in der Euro-Schuldenkrise lange Zeit schlecht lief. Auch BMW könne mit weiteren Zuwächsen rechnen.

Große Zuversicht für Daimler und Renault/Nissan

Überdurchschnittlich dürfte nach Einschätzung des Branchenkenners der Stuttgarter Daimler-Konzern profitieren. Die im vergangenen Jahr angelaufene E-Klasse und die neue C-Klasse, die auf dem Genfer Autosalon Europapremiere feiert, würden den Schwaben hohe Stückzahlen bescheren. Unter den ausländischen Herstellern dürfte vor allem die Allianz Renault/Nissan „etwas bewegen“, schätzt Bratzel. In Genf wird der neue Renault Twingo auf der Plattform von Daimlers Smart zu sehen sein – das erste Ergebnis der Kooperation der drei Hersteller.

Abhängigkeit von USA und China

Wohl und Wehe der Autoindustrie liege aber auch in Zukunft in den USA und China. „Entweder diese Märkte wachsen weiter, oder es gibt Stagnation oder Rückgang“, sagt Bratzel. Europa werde zum Wachstum des Weltmarktes wohl auch in nächster Zeit nur wenig beitragen. Ihre Bedeutung für die weltweite Autobranche werde die „alte Welt“ aber weiterhin behalten, glaubt der Wissenschafter.

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