Für die Europäische Automobilbranche ist in nächster Zeit kein Aufschwung in Sicht.
Für die Europäische Automobilbranche ist in nächster Zeit kein Aufschwung in Sicht.
 

Europäische Autobranche nach wie vor in der Krise

Wenigste Neuzulassungen im Juni seit 1996 – im ersten Halbjahr 2013 aber leichte Verlangsamung der Talfahrt zu verzeichnen

16.07.2013 APA

Nach Angaben des Europäischen Autobauer-Branchenverbandes Acea (Association des Constructeurs Européens d’Automobiles) gingen die Pkw-Neuzulassungen in der EU im Juni um 5,6 Prozent auf 1.134.042 Autos zurück – die niedrigste Zahl für den Monat Juni seit 1996. Einzig der Markt in Großbritannien konnte einen Zuwachs verzeichnen. Im ersten Halbjahr 2013 wurden in der EU mit 6.204.990 Autos um 6,6 Prozent weniger neu zugelassen als noch 2012..

Immerhin: Im ersten Quartal noch lag das Minus bei fast zehn Prozent. „Das scheint anzudeuten, dass der Absatz in Westeuropa womöglich angefangen hat, die Talsohle zu erreichen“, kommentierte der Branchendienst IHS Automotive am Dienstag, schränkte aber zugleich ein: „Das ist, nebenbei bemerkt, nicht dasselbe wie zu sagen, der Absatz sei schon dabei sich zu berappeln.“

Kein Ende der Durststrecke in Sicht – Experten rechnen mit weiterem Jobabbau

2012 hatte die Krise um die staatsschuldengeplagten Euro-Länder vor allem in Südeuropa den Absatz neuer Autos auf dem Kontinent auf den niedrigsten stand seit 17 Jahren einbrechen lassen. Es gab bereits schmerzhafte Einschnitte. Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën – nach Europas Branchenprimus Volkswagen die Nummer zwei – streicht tausende Stellen und macht ein Werk dicht. Auch Renault hat gewaltig zu kämpfen. Die US-Riesen Ford und GM schrieben bis zuletzt Verluste in Europa und wappneten sich beide mit Werksschließungen und Jobverlusten. Fiat aus Italien hat anhaltend nur dank seiner US-Tochter Chrysler Oberwasser.

Branchenexperten sind sich einig, dass die Durststrecke bald auch deutsche Autobauer zum Jobabbau treibt. „Alle Daten deuten darauf hin, dass die Krise in Europa lang anhalten wird. Vor dem Jahr 2020 wird sich Europa nicht mehr auf sein altes Niveau bewegen“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. In Südeuropa sei es so schlimm wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Aussichten auf rasche Besserung fehlten: „Aus der großen Hoffnung für das zweite Halbjahr wird nichts. Die Lage bleibt angespannt und sehr ernst. Produktionskürzungen, Abbau der Arbeitszeit und Kurzarbeit stehen auf der Agenda.“

Die Zahl von heute 750.000 Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie werde bis zum Jahre 2015 um gut 15 000 sinken, so Dudenhöffer.

Besserung erst 2020 erwartet

Zwar sei absehbar, dass der Markt die ganz großen Rückgänge um 10 Prozent und mehr wohl hinter sich habe, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „Aber der Sinkflug wird damit ja nur ein bisschen flacher. Wir müssen doch sehen, wo wir damit stehen und von welchem Niveau wir kommen“. Eine gewisse Erholung mit Nachholbedarf stehe natürlich irgendwann an. „2014 wird der Krisenumschwung aber nicht kommen.“ Die Wende sei eher Thema für das Jahr 2020 als für 2015.

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