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Wie weit ist der E-Lkw und hat er eine Chance?

Tesla zeigt der Konkurrenz mit dem Model 3 vor, dass ein Elektroauto für den Massenmarkt taugt. Aber wie steht es eigentlich um E-Lastkraftwagen?

11.04.2016 APA

Norwegen kündigte kürzlich an, ab 2025 keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr zuzulassen, auch Nutzfahrzeuge sind davor nicht ausgenommen. Unabhängig von dieser Meldung sind mehrere Hersteller bereits dabei, Lastwagen und Transporter elektrisch anzutreiben. Wir geben euch einen Überblick:

Erster E-Transporter von Daimler floppte

Erste Versuche in den vergangenen Jahren stießen noch auf wenig Kundeninteresse: Daimler hatte 2012 einen Transporter mit E-Antrieb auf den Markt gebracht, das Angebot aber mangels Nachfrage eingestellt, auch wenn Spartenchef Volker Mornhinweg zuletzt betonte, er sehe einen Markt erst in fünf Jahren.

Orten präsentiert Elektro-Lkw

Wer bisher einen Elektro-Lkw kaufen will, lässt häufig umrüsten. Die Firma Orten im deutschen Bernkastel-Kues an der Mosel beispielsweise hat heuer einen elektrischen 7,5-Tonner auf den Markt gebracht.

„Streetscooter“ für die Deutsche Post

Die Deutsche Post lässt künftig einen selbst entwickelten Elektro-Transporter „Streetscooter“ in Serie produzieren. Nach und nach will das Unternehmen bis zu 30.000 Fahrzeuge ersetzen. Streetscooter war 2010 als Start-up-Unternehmen gegründet und von der Post gekauft worden.

MAN auf der IAA 2016

Aber auch die großen Nutzfahrzeughersteller forschen an Möglichkeiten, wie sie Elektroantriebe einsetzen können. Der zum Volkswagen-Konzern gehörende Lkw-Hersteller MAN will erst auf der Branchenschau IAA im Herbst Technologien für die Elektromobilität zeigen. Andere sind weiter:

Daimler: Elektro-Kleinserie

Daimler etwa stattet den kleinen Lastwagen seiner Marke Canter in einer Kleinserie mit Elektromotoren aus. Bei einem Testlauf in Portugal waren die Fahrzeuge im Schnitt 50 Kilometer pro Tag unterwegs. Die Batterien hätten aber auch für Reichweiten von bis zu 109 Kilometern gereicht. An Schnellladestationen können die Fahrzeuge binnen 30 Minuten aufgeladen werden. Der Test soll nun in Stuttgart fortgesetzt werden. Am Montag wurden fünf Fahrzeuge an die Stadt Stuttgart und Hermes übergeben.

Hohe Batteriekosten

Neben CO2, Abgasen und Lärm sparen die auf bis zu sechs Tonnen ausgelegten E-Lastwagen laut Daimler auch Betriebskosten. Allerdings kosten die E-Lastwagen wegen der hohen Batteriekosten ein Vielfaches eines vergleichbaren Diesels, wie Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard einräumt. Er erwartet nicht, dass sich das ändert: „Elektrofahrzeuge werden immer teurer sein als Dieselfahrzeuge.“ Serienreif sei der Fuso Canter „in einigen Jahren“. Die Daimler-Marke Fuso hat bisher 40 Mio. Euro in E-Antriebe gesteckt.

Renault testet 16-Tonner

Renault Trucks versucht es bereits eine Nummer größer: Der französische Lkw-Bauer, der zur Volvo-Gruppe gehört, hat ein 16 Tonnen schweres Versuchsfahrzeug an den französischen Kosmetikkonzern Guerlain geliefert, die französische Post testet ein kleineres Brennstoffzellen-Fahrzeug. Für Guerlain legt der Lastwagen täglich mehr als 200 Kilometer zurück, muss über einen Einsatzzyklus von 24 Stunden aber mehrmals aufgeladen werden. „Die Strecke wurde so ausgelegt, dass er tagsüber zwei Teilladungen und eine komplette Ladung zwischen 19 Uhr und 2 Uhr morgens durchführen kann“, so eine Sprecherin.

Rentabel ab 2020?

Einen elektrischen 4,5-Tonner verkauft Renault bereits in Serie – wenn auch nicht in Deutschland. „Die Nachfrage ist immer noch auf einem niedrigen Niveau, da elektrische Fahrzeuge immer noch eine erhebliche Investition für die Kunden darstellen“, sagt die Sprecherin. Die 16-Tonnen-Lastwagen sollen 2020 für die Kunden rentabel sein.

Elektro-Lkw mit Stromabnehmern

Für längere Strecken außerhalb von Städten reichen Batteriekapazität und Kraftmoment bis jetzt nicht aus, so Analyst Schwope. An die Elektrifizierung großer Lastwagen auf Fernstrecken hat sich der Elektrokonzern Siemens in Zusammenarbeit mit den Herstellern Volvo und Scania gewagt. Die Elektro-Lkw mit Stromabnehmern können aber nur auf Strecken mit Oberleitungen fahren. Siemens hat dafür Teststrecken – unter anderem in der Uckermark – gebaut.

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