Nissan GTR Extzerieur Staitsch Heck
Michael Hell durfte sich im Nissan GT-R austoben.
 

Eine Stunde mit dem Nissan GT-R…

….oder, wie sich ein Ritt auf einer Kanonenkugel anfühlt. Von Michael Hell.

30.09.2011 User

Könnte man mich als Auto-Fan bezeichnen? Ich denke schon. Die Anzeichen machten sich wohl schon in sehr frühem Alter bemerkbar. Eine bestimmte Schwäche für alles Sportliche war natürlich der nächste logische Schritt. Mein Augenmerk galt auch immer dem wilden, fernen Osten und der dortigen Tuning- und Sportwagenszene. Selbst in etwas Sportlichem zu sitzen, blieb mir allerdings bis vor kurzem untersagt.

Bis ich vor einigen Wochen von Richard Haderer, seines Zeichens Entertainer und Video-Persönlichkeit, eingeladen wurde einen Blick auf sein „Spielzeug für das Wochenende“ zu werfen: Einen Nissan GT-R. Die Facelift Version. Weil: 50 PS mehr können nicht schaden. Die Skylines früherer Tage haben sich schon lange zu meinen absoluten Favoriten entwickelt und auch der aktuelle GT-R hat es mir angetan. Nervenaufreibendes, wochenlanges Warten später, endlich der besagte Sonntag. Länger hätte es auch wirklich nicht dauern dürfen!

Nissan GTR Interieur

Ankunft Nähe SCS. Boom. Da steht er. Die plötzlich auftretende Hibbeligkeit bestätigt: Es ist der Nissan GT-R. Wie in den unzähligen, vorher studierten Fotos. Die großen, sehr gut passenden 20 Zoll Alus, die angeblich zu großen Endrohre (vier!!!), Tacho bis schneller-als-du-je-fahren-wirst. Tief durchatmen, ab auf den Beifahrersitz.

Zugegeben, Gelegenheit in einem Auto mit mehr als 200 PS zu sitzen hatte ich davor nie. 330PS später finde ich mich festgezurrt in den Schalensitzen des GT-R wieder. Das Cockpit gleicht einem Flugzeug. Das große Display in der Mittelkonsole zeigt an, das alles im grünen Bereich ist. Richard geht’s langsam an, und siehe da, der Japaner kann auch kultiviert, und zwar sehr gut. Man ist beinahe geneigt das 3,8 Liter Bi-Turbo V6 Monster zu vergessen, dass einen halben Meter vor mir schlummert.

Die zweite Kurve flott genommen, im Augenwinkel merke ich wie Richard das rechte Bein im Fußraum vergräbt. Die Beschleunigung ist brutaler als alles bisher Erlebte. So fühlen sich also 612 Newtonmeter an. Wir werden schneller, mein Grinsen breiter, ich glaube das fällt unter ausgleichende Gerechtigkeit. Wir nähern uns einem leeren Parkplatz, Zeit den Nissan GT-R mit Fotos in Szene zu setzen. Die neuen Tagfahrlichter passen gut, ebenso der neue Diffusor am Heck. Sehr beeindruckend auch die 390 Millimeter Brembo Scheibenbremsen, die für eine Verzögerung sorgen, die Ihresgleichen sucht.

Nissan GTR Exterieur Statisch Heck Seite

Noch ein paar mehr Fotos, dann nehme ich auf dem Fahrersitz Platz. Fühle mich glatt wie zuhause. Das Lenkrad ist sehr griffig und liegt gut in der Hand. Insgeheim frage ich mich, wie weit ich den G-Messer wohl bewegen kann. Noch bevor ich zu einer Antwort auf meine Frage komme, drücke ich den Start-Knopf, der GT-R erwacht zum Leben. Leiser als erwartet, aber bestimmend. Leichte Gänsehaut ist die Folge. Die Schaltwippen hinter dem Lenkrad bleiben heute arbeitslos, angesichts der gleich folgenden Beschleunigung verlasse ich mich doch lieber auf die Automatik. Nach den ersten 200 ehrfürchtigen Metern merke ich, wie einfach das vermeintliche Geschoss zu fahren ist. Kein Ruckeln, kein Zittern, alles sehr freundlich und kontrollierbar. Aber der innere Schweinehund will mehr und so gebe ich dem Verlangen endlich nach und drücke den rechten Fuß nach unten.

Mit weit aufgerissenen Augen und einem Schub wie vom Esel getreten, drückt es mich in den Sitz. Unkontrolliertes Lachen ist die Folge, als mich der GT-R nach zwei Wimpernschlägen schon jenseits der 130 km/h befördert. Angsteinflößend sind allein die Kurvengeschwindigkeiten, alles andere läuft trotz der enormen Leistung sehr zivilisiert ab. Der Wagen gibt mir nie das Gefühl außer Kontrolle zu sein. Für einen Sportwagen-Anfänger wie mich der perfekte Voraussetzung. Die versprochenen 3,3 Sekunden von 0 auf 100 konnte ich nicht testen, die Beschleunigung der herkömmlichen Pedal-treten-Methode hat gereicht um mir ein Dauergrinsen ins Gesicht zu meißeln.

Zwanzig Minuten später ist der Zauber vorbei. Was bleibt? Höchster Respekt vor Nissan: Ein Spitzensportler als Schnäppchen. Fahrleistungen die im oberen Bereich wildern, aber fahrbar genug um meine Mutter einkaufen fahren zu lassen. Für mich war es ein Traum der in Erfüllung ging, ein Tag den ich lange nicht vergessen werde. Wenn da jetzt nur nicht dieses Verlangen wäre, das Verlangen nach ein wenig mehr Zeit mit dem Mythos GT-R!

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