"Auch 2015 wird Lotus weder durch große Innovationen noch durch neue Autos oder durch Gewinn auffallen."
 

Ein Wort zu …

Lancia, Lotus, Qoros und Alfa Romeo. Weil wir 2015 viel zu diskutieren haben werden.

25.11.2014 Online Redaktion

Emporkömmlinge und graue Eminenzen, Engländer und Italiener. 2015 werden wir über vier Marken besonders sprechen. Lancia, Lotus, Qoros und Alfa Romeo werden im kommenden Jahr noch Schlagzeilen machen. Sei es, weil sie weiterhin nicht richtig vom Fleck kommen (Alfa Romeo), ihren Kampf schon verloren haben (Lancia), immer noch da sind (Lotus) oder weil sie neu auf den Markt kommen oder auch nicht (Qoros). Diese vier werden das Jahr auf jeden Fall spannend halten.

… Alfa.
Vor genau einem Jahr haben wir in der Autorevue Fiat-Aktien empfohlen. Wer auf uns gehört hat, konnte seinen Einsatz verdoppeln. An Alfa Romeo lag das freilich nicht. Die Marke hat vier Autos im Portfolio. Einen veralteten Mito, eine veraltete Giulietta und einen 4C, der keine Stückzahlen, sondern nur Image macht. Auch der 4C Spider (Foto) wird das nicht ändern. Eine neue Giulia? Könnte 2015 vielleicht gezeigt, aber eher nicht verkauft werden. Spider? Zwei Jahre alte Pläne von einer Mazda-Kooperation (MX-5) warten auf die Serienreife. Alfasud? Nie gehört. Beim Volkswagenkonzern zählen sie schon das Geld für die Übernahme. Wehe! Dann gibt’s Haue.Sergio Marchionne hat bewiesen, dass er ein Kenner der Automobilwirtschaft ist, Gespür für die Finanzwelt und den Aktienmarkt hat und genau weiß, dass man unbequeme Entscheidungen treffen muss, die einen Firmenlenker nicht gerade beliebt machen. All das hat den Fiat-Konzern am Leben erhalten und vielleicht mehr Arbeitsplätze gesichert als vernichtet. Marchionne beweist aber auch, dass er entweder keine Ahnung von den Befindlichkeiten seiner Kunden oder der Heritage seiner Marken hat, oder aber, dass ihm beides herzlich egal ist, weil er etwas Größeres sieht. Wir tippen auf letzteres.Die Absatzkrise kann auf zwei Arten überwunden werden: jetzt Geld in Forschung und Entwicklung stecken und die Kunden mit neuen Produkten überzeugen. Peugeot versucht das und hat mit dem 208 und 308 echte Achtungserfolge gelandet. Oder man kann es machen wie Fiat: die Kosten gering halten, unter der Krisenwelle durchtauchen und wenn alles vorbei ist neue Modelle auf den Markt feuern. Dann müssten die der Konkurrenten (also in diesem Beispiel Peugeot) nämlich schon wieder etwas veraltet sein. So die Theorie. Die Gefahr dabei ist, erstens nicht rechtzeitig die passenden Produkte auf dem Markt zu haben und zweitens festzustellen, dass gar kein Kunde mehr übrig ist, der das Zeug haben will.
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… Qoros.
Als erste chinesische Automarke überhaupt wollte Qoros in Europa erfolgreich sein. Dafür holten sie erst europäische Topmanager, dann Bestnoten beim Crashtest. Ende 2015 sollte eigentlich Europastart sein, doch angeblich leidet Qoros unter Vertriebsproblemen im Heimatmarkt und Geldmangel. China ist aber, Parteibuch vorausgesetzt, das wahre Land der unbegrenzten Möglichkeiten, weswegen es uns nicht wundern würde, wenn sich noch ein paar Finanzmittel auftreiben ließen.

Wie von Qoros geplant wird die Marke heuer noch keinerlei Rolle spielen in Europa. Das tut dem Hersteller sogar gut. Die Chinesen, beziehungsweise deren Vertreter in Europa, waren mit dem Hype rund um die Marke völlig überfordert. Eine unberechenbare Öffentlichkeitsarbeit mit undurchsichtiger Informationspolitik macht das nicht besser. Sie verwundert aber nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass die Entscheidungsträger wahrscheinlich noch nie hier waren. Der Testvertrieb, den Qoros über einen holländischen Vertriebspartner in der Slowakei aufgenommen hat, hat auch nicht geholfen. Das klingt nämlich erstens windig und lässt, so fair muss man sein, keine Rückschlüsse auf das fertige Produkt oder den späteren Service zu. Trotzdem machten sich einige deutsche Kollegen auf, die Fahrzeuge zu testen.

Befeuert von europäischen Qoros-Vertretern, die hier einen Designpreis verliehen bekamen, dort ein SUV durchsickern ließen und auch schon ein Cabrio entworfen hatten. Jetzt ist es ruhig um Qoros geworden. Die Gerüchte um Geldprobleme könnten vorgeschoben sein. Vielleicht gibt es nur einfach Redeverbot aus Fernost.

quoros 3 front vorne seite

… Lotus.
Dass es die Marke überhaupt noch gibt, beweist, dass es in England unglaublich geschickte Buchhalter, leidensfähige Arbeitnehmer und Investoren mit Benzin im Blut gibt. Das letzte Mal, als uns die Marke überraschte, war es nur eine Nebelkerze namens Dany Bahar, die wurde mittlerweile rausgeworfen. Auch 2015 wird die Marke weder durch große Innovationen noch durch neue Autos oder durch Gewinn auffallen. Aber es wird sie weiter geben. Und eine Exige S mit Automatik-Getriebe.

Die Marke indes lebt von einem Ruf, dem die Autos eher selten gerecht werden können. Zwar sind es Sportwagen der reinen Lehre, mit einer Optik, die dazu einlädt, spontane Lobgesänge anzustimmen, doch sind Materialwahl und Verarbeitung, auch und vor allem im Innenraum, von eher fragwürdiger Natur. Von der Verteilung und Anordnung der Schalter mal ganz zu schweigen. Das Erstaunliche daran ist, dass Lotus seit dem Evora nichts, aber auch wriklich gar nichts ernsthaft Neues präsentiert hat. Wo bei anderen Herstellern Lerneffekte und damit Verbesserungen scheinbar automatisch auftreten (wie bei beinahe jedem produzierenden Gewerbe), versucht man bei Lotus nur den Status quo zu halten.

Die Fans der Marke stört das nicht. Kein Wunder, denn nur ein Bruchteil von ihnen, das beweisen zumindest die Absatzzahlen, hat sich auch tatsächlich einen Lotus gekauft oder denkt wenigstens darüber nach.

… Lancia.
Die Marke Lancia wird eingestellt. Die Delta-Produktion läuft noch heuer aus, der letzte Lancia Voyager soll 2015 gebaut werden. Weil die Marke in Italien aber sehr ­beliebt ist, wird zumindest der Y dort, und nur dort, noch weiter angeboten. Der Plan, Chrysler-Modellen ein Lancia-Logo zu verpassen, hat nicht die erwarteten Stückzahlen gebracht. Wir finden die Idee, Lancia einzustellen, gut. ­Bevor die Marke weiterhin ideen- und innovationslos mit US-Modellen künstlich am Leben erhalten wird, schickt man sie lieber in den Tiefschlaf, bis man ein würdiges Konzept entwickelt hat. Bei allem Respekt scheint uns das die beste Wahl.

lancia thema 3,0 multijet ii 2012 front vorne seite

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  • Markus

    Alfa Romeo in den Händen von VW wäre das absolute 9/11 für meine automobile Gefühlswelt.

    • Roberto

      Absolut! Man sehe nur, was der Biedermaierkonzern aus Wolfsburg aus den begnadeten Talenten von Walter de Silva und Wolfgang Egger machte….einfach ein Graus.
      Sollte dieser Super-GAU – und das mit dem Größten Anzunehmenden Unfall meine ich genau so – eintreten, wird sämtliches Erspartes zusammengekratzt um noch den einen oder anderen klassischen Alfa zu ergattern um diese um meine Giulietta zu scharen.
      Auch schade um Lancia, wäre ein schöner Gegenpol zu dem unsäglichen und total sterilen Premiumgemurkse der Germanen. Aber es stimmt schon: Besser ein Ende noch halbwegs in Würde und nicht als aufgehübschte Chrysler zu enden.

  • Michi

    Ich wuerde wirklich geren wieder Alfa fahren, aber es geht einfach nicht… ein Schande.
    Anfangs konnte ich mich auch nicht mit dem Gedanken einer deutschen uebernahme anfreunden aber jetzt denk ich mir immer noch besser als Lancia ins Grab zu folgen solange das Design aus Italien kommt….

  • Der Schwedenkönig

    Um die Marke Lancia tuts mir schon ein bisserl leid.
    Was hätte man da draus machen können: Einen Premiumanbieter, der auf Stil, Komfort und Understatement setzt statt auf schrille Sportlichkeit und vordergründiges Prestige wie sonst üblich.

    Naive Vorstellung?
    Ja, eh, aber man wird wohl noch träumen dürfen.

  • martin seidl

    Es gäbe da eine Lösung für alle 4!
    Sie sollen sich einfach zusammenschließen, á la weiland British Leyland damals, European Elend. Dann kaufen sie gleich Rover dazu und bringen alle neuen Modelle als Saab heraus, voilá :)
    Aber da eh alle(s) VW aufkauft werden es dann doch: Austro Porsches

    hohoho, der weihnachtsma(rti)n

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