E-Fahrzeuge: Eine Gefahr für blinde Menschen?

Zum Schutz sehbehinderter Menschen sollen alle neuen E-Fahrzeuge ab 2021 mit akustischen Warnsystemen ausgestattet sein – das ist nicht genug, so Interessensvertreter.

20.10.2014 Online Redaktion

Elektrofahrzeuge sind – trotz Startschwierigkeiten – immer mehr im Kommen. Sehbeeinträchtige Menschen fürchten aber, durch die geräuscharmen Autos gefährdet zu sein, da sie für sie nicht anhand des Geräusches wahrnehmbar sind. Deshalb sollen einer Verordnung des EU-Parlaments entsprechend alle neuen E-Fahrzeuge ab 2021 mit AVAS (Acoustic Vehicle Averting Systems) ausgestattet werden. Bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h sollen die Fahrzeuge ein akustisches Warnsignal aussenden.

Kritik von sehbehinderten Menschen

Kritik an der Verordnung kommt von sehbehinderten Menschen. Die Initiative „Elektra“ fordert daher ein verpflichtendes Mindestgeräusch für alle Kraftfahrzeuge – also auch für E-Autos. Unhörbare Fahrzeuge seien für blinde Menschen genau so gefährlich, wie es unsichbare für Sehende wären. Die AVAS-Pflicht bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h reiche nicht aus – auch bei 50 km/h, der in Städten üblichen Geschwindigkeit, sei ein zusätzliches Warnsignal nötig, da das Geräusch der E-Fahrzeuge im Verkehrslärm untergehe, so Monika Weinrichter, Initiatorin von „Elektra“. Zudem solle das akustische Signal einen eindeutigen Hinweis darauf beinhalten, ob das Fahrzeug steht, langsamer wird oder beschleunigt.

Lärmbelastung soll nicht steigen

Auch das Komitee für Mobilität sehbeeinträchtigter Menschen (KMS) kritisiert die Verordnung: Die Übergangsfrist sei zu lange, zudem wird kritisiert, dass der Fahrer das Warnsystem deaktivieren kann. Die Forderung nach dem verpflichtenden Mindestgeräuschpegel wird vom KMS aber nicht unterstützt. Wichtig sei eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, so Vorsitzender Elmar Fürst im Gespräch mit dem Standard. Von einer sinnvollen Lösung zum hörbar machen aller Fahrzeuge würden nicht nur die 318.000 sehbeeinträchtigten Menschen in Österreich profitieren, sondern auch alle anderen, so Fürst. Die Lärmbelastung durch den Verkehr soll dadurch aber nicht steigen.

Eine Überarbeitung der EU-Verordnung ist bis zum 1. Juli 2017 möglich.

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  • Peter Schmidt

    genau „da das Geräusch der E-Fahrzeuge im Verkehrslärm untergehe“. Man versucht den Verkehr möglichst leise zu machen, es gibt hunderte Studien, dass Verkehrslärm für die Gesundheit schädlich ist und dann will man haben, dass die Fahrzeuge extra Lärm produzieren. Das stell ich mir toll vor, dass im Stau und Schritttempo alle vor sich hinjaulen. Viele Autos sind heute schon so leise, dass man sie eben gerade bei langsamen Geschwindigkeiten nahezu nicht hört. Ich verstehe das Problem der Sehbehinderten, aber aktiv Lärm zu produzieren kann wohl nicht das Gelbe vom Ei sein.
    Übrigens, Radfahrer machen außer mit Dauerbimmeln keinen Lärm und mähen die Fußgänger auch am Gehsteig nieder. Die brauchen aber wohl trotzdem keinen Lärmgenerator.

    • George W.

      Bin der gleichen Meinung. Wenn blinde Menschen mit Elektoautos nicht klar kommen, dann sollen sie halt keine fahren.

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