Lamborghini Gallardo Bicolore stat HiRe
 

Druckmittel

Wie der neue Aventador federt. Plus: Gallardo-Sondermodell.

31.01.2011 Online Redaktion

Lang dauert’s ja nimmer, dann öffnet der Genfer Automobilsalon seine Pforten. Eine der dort präsentierten Weltneuheiten wird der Nachfolger des Laborghini Murcielago sein, der dem Vernehmen nach auf den Namen Aventador hören wird. In jedem Fall ist mit einem würdigen Flaggschiff zu rechnen, 700 PS (515 kW) liefert der V12, dazu kommt laut Lamborghini (genaue Angaben fehlen noch) ein vergleichsweise geringes Fahrzeuggewicht.

Es dürfte also spaßig werden, nicht zuletzt wegen des Fahrwerks – der Spitzenlambo wird nämlich rundum mit der eher seltenen Pushrod-Federung ausgestattet sein, eine Technik, die dem Motorsport entlehnt ist. Dabei sind die Feder- / Dämpferelemente nicht senkrecht am Radträger verbaut, sondern waagrecht und direkt am Chassis (siehe Bilder). Der Hersteller argumentiert mit einer effektiveren Trennung von Dämpfung und Radführung sowie höherem Komfort, da die Federhärte reduziert werden kann. Der Name „Pushrod“ kommt von den Druckstangen, die die Kräfte auf die Dämpfer umlenken. Bisher gibt es nur wenige Sportwagen mit dieser Technik, der Pagani Zonda etwa, ebenso wie sein Nachfolger, der Huayra. Der KTM X-Bow hat an der Vorderachse eine Pushrod-Dämpfung – bei den freistehenden Rädern kommt die optimierte Aerodynamik dieser Aufhängung voll zum Tragen.

Ein Nachteil der komplexen Technik sind die höheren ungefederten Massen. Dem will Lamborghini durch konsequenten Leichtbau entgegenwirken. So bestehen die kompletten Radaufhängungen inklusive der oberen und unteren Querlenker, der Radträger oder der Umlenkhebel, ausgeschmiedeten Aluminium-Legierungen. Auch sonst ist mit hohem Aluminium- und Kohlefaseraufkommen zu rechnen. Die Bremsscheiben sind artgerecht aus einem Kohlefaser-Keramik-Verbund hergestellt, alles in allem haben wir es hier also mit feinster Hightech-Ware zu tun.

Doch es scheint, dass auch der Alltagstauglichkeit Tribut gezollt wird: Das Fahrwerk lässt sich an der Vorderachse um 40 mm anheben, etwa vor Bordsteinkanten oder Garagenrampen. Außerdem wird auch das neue Flaggschiff über das Drive-Select-Paket verfügen, mit dem sich die Charakteristik des Fahrzeugs in drei Stufen Richtung Rennstrecke oder eben Sonntagsausflug biegen lässt – schließlich könnte die „Corsa“-Stufe (nein, das hat nichts mit keinen Opels zu tun) an manchen Tagen zu herausfordernd sein…

Um das Warten auf Genève zu erleichtern, bringt Lamborghini mit sofortiger Wirkung ein Sondermodell des Gallardo LP 560-4 auf den Markt, das auf den Namen „Bicolore“ hört – womit eigentlich auch schon alles gesagt ist: Die obere Hälfte der Karosserie ist schwarz lackiert, was die Brutalität des Auftritts nicht gerade entschärft. Das restliche Auto ist in kontrastierenden Bonbon-Farben mit so klingenden Namen wie „Arancio Borealis“ (wie abgebildet), „Blu Caelum“ oder „Grigio Telesto“ lackiert, die sich auch in den Akzentuierungen des Interieurs widerspiegeln. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Vmax 325 km/h, 0-100 in 3,7 Sekunden.

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  • Nach ausführlicher Überlegung meinen wir: Feder und Dämpfer stützen sich immer mit einem Ende am Chassis ab, das zweite Ende nimmt die Federkräfte auf, hier herrscht also Gleichstand. Der zusätzliche Umlenkhebel allerdings erhöht das Gewicht – vorausgesetzt natürlich, beide Systeme sind mit dem gleichen Konstruktionsaufwand aus den gleichen Materialien gefertigt.

  • Bulversteher

    Die Geschichte mit den ungefederten Massen bei Pushrods ist ja spannend. Hier steht, dass sie höher wären, meine Logik diktiert mir hingegen, dass sie geringer sein müssen, weil das schwere Federbein nun vollständig die Chassisbewegungen mitmacht und günstigenfalls stattdessen nur mehr ein leichtes Carbonstangl die Radbewegungen mitmacht. Im Web kommt man auch zu keiner eindeutigen und zufriedenstellend begründeten Antwort. Inwiefern beeinflusst das üblicherweise hohe Übersetzungsverhältnis durch die Hebelei die ungefederten Massen? Handelt es sich nur um eine Definitionsfrage? Was arbeitet nun tatsächlich feinfühliger? Oder ists bei solchen Fahrzeugen komplett egal weils im Endeffekt einfach supersexy ist? Fragen über Fragen.

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