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Dr. Civic und Mr. R – Unterwegs im Honda Civic Type R

Der Honda Civic Type R gilt seit je her als kompromisslose Fahrmaschine. Die vierte Generation der japanischen Rakete wird diesen Vorschusslorbeeren vollends gerecht.

06.06.2015 Press Inform

Schön ist er nicht, der Honda Civic Type R: Wilde Schürzen, Hutzen, Kotflügelverbreiterungen, Splitter, und überhaupt: dieser Spoiler! Aber man ahnt: Es dient der Funktion, muss also nicht unbedingt schön sein. Schon in der zivilen Version polarisiert das Design des Nippon-Raumschiffs, die Sportversion Type R setzt dem noch einen drauf. Wer auf Understatement machen will, ist in dem japanischen Golf-Abfangjäger falsch aufgehoben. Aber hey: 310 PS, Benchmark der Fronttriebler, 400 Nm Drehmoment, 0–100 in 5,7 Sekunden, Vmax 270. Das braucht einen Flügel.

Honda Civic Type R 16
© Bild: James Lipman / jameslipman.com

Civic Type R: Der stärkste Serienfronttriebler

Hinter der grimmigen Front, verbirgt sich jede Menge Technik, die das Autofahren zum Vergnügen macht. Wie bei jeden Honda Civic Type R gilt die Maxime „PS + U/min = Fahrspaß“. Das ist auch beim neuen Modell nicht anders: Trotz Turbolader ist der Type R eine wahre Drehorgel, erst bei 7.000 U/min beginnt der rote Bereich. Dank der Leuchtdioden, die sich links und rechts von der digitalen Geschwindigkeitsanzeige befinden, spielt der Drehzahlmesser nur eine untergeordnete Rolle: Wie in der Formel 1 sollte man in den nächsten Gang schalten, sobald es rot blinkt.

Honda Civic Type-RPhoto: James Lipman / jameslipman.com
© Bild: James Lipman / jameslipman.com

Der erste VTEC-Turbo

Um die Fahrbarkeit zu verbessern, wenden die Honda-Ingenieure beim Motor mit Direkteinspritzung einige Kniffe an. Sie wenden den variablen Ventilhub (VTEC) nur bei den Auslassventilen an und verknüpfen diese Technik mit einem kleinen Mono-Scroll-Turbolader, der über ein elektronisch gesteuertes Wastegate-Ventil verfügt und so den Ladedruck länger halten kann. Bei niedrigen Drehzahlen helfen lange Ventilhübe, um möglichst viel Abgasdruck an den Lader zu schicken und bei hohen Drehzahlen bewegen sich die Ventile nur wenig, damit der gute Füllgrad des Zylinders weiter gewährleistet ist. Das Resultat fällt aus, wie es sich ein jeder Civic Type-R-Fan wünscht. So richtig los geht es erst ab 3.000 Touren. Dann aber wird jeder Beschleunigungsvorgang zum Erlebnis. Der Civic Type R tritt mächtig an, schnorchelt inbrünstig und atmet bei jedem Gangwechsel geräuschvoll über die Wastegate aus. Das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern liegt bei 2.500 U/min an, so könnte man das knapp 1.4-Tonnen schwere Raumschiff zwischendurch auch entspannter bewegen. Ab etwa 4.500 U/min kommt dann noch der akustische Krawall des Kraftpakets unter der Motorhaube dazu.

Honda Civic Type-RPhoto: James Lipman / jameslipman.com
© Bild: James Lipman / jameslipman.com

Sperrdifferential und variable Dämpfer

Ein Civic Type R will gejagt werden, will die Zähne zeigen und sich mit allem, was er hat in den Asphalt krallen. Mit einem Druck auf den roten R-Knopf färben sich die Instrumente rot und signalisieren, dass man „im Kampfmodus ist“ (O-Ton Hisayuki Yagi, Projektleiter des CivicType R). Der Civic mutiert zum Biest. Die variablen Dämpfer straffen sich, melden jede Fahrbahnunebenheit zuverlässig, Gaspedalannahme und Lenkung werden noch direkter. Ein schrägverzahntes Sperrdifferential sorgt vorne für Traktion unterstützt von einem erweiterten ESP, das mit Bremseingriffen den Civic um die Kurve zirkelt. „Mit dem Sperrdifferential waren wir auf der Nordschleife um fünf Sekunden schneller“, erzählt Hisayuki Yagi. Dort wurde der Civic Type R fit für die europäischen Straßen gemacht. Das merkt man. Dem Primat der Agilität haben die Japaner mit einer Detailverliebtheit, die ihresgleichen sucht, alles untergeordnet. Angefangen von der Aerodynamik, bei der der speziell geformter Heckflügel kombiniert mit einem fast durchgängig flachen Unterboden inklusive Diffusor für gehörigen Abtrieb sorgt.

Honda Civic Type R 21
© Bild: James Lipman / jameslipman.com

Ein Kurvenviech

Die Gier, mit der der Honda auf jede Kurve zustürmt und diese durcheilt, ist für ein frontgetriebenes Auto mehr als beachtlich. Draufhalten, nach einem Tritt auf das Bremspedal packen die Brembo-Bremsen beherzt zu, einlenken und wie vom Zirkel gezogen um das Eck. Früh aufs Gas und weiter geht die gnadenlose Hatz auf der Suche nach der nächsten Biegung. Der Grip ist Wahnsinn, da kann sich ein Golf R warm anziehen, der GTI einpacken. Erst wenn man mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss in eine Ecke feuert, scharrt der wieselflinke Honda mit den Vorderrädern. Die Lenkung ist straff und präzise. Zwar haben die Honda-Ingenieure die Lenkeinflüsse weitgehend mit Hilfe der Doppelachsen-Vorderradaufhängung, bei der Achsschenkel und Federbein voneinander getrennt sind, minimiert, ganz verschwunden sind sie freilich nicht. Bei Sprints aus engen Kurven zerrt es durchaus am Volant.

Honda Civic Type-RPhoto: James Lipman / jameslipman.com
© Bild: James Lipman / jameslipman.com

Familienauto kann er auch

Wie es sich für solch ein Fahrpaket gehört, wird der Type R puristisch mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe geschalten, knackig, präzise, begleitet vom inbrünstigen Klang des Motors.

Und dann ist da noch der Civic im Type R. 7,3 Liter Normverbrauch (sehr theoretisch), 498 Liter Kofferraum, volle Variabilität – Familienauto kann der Honda auch. Ab Juli wird der Civic Type R ausgeliefert, der Einstiegspreis wird bei rund 35.000,– Euro liegen.

  • Sir Colin

    Na das liest sich mal vielversprechend. Und wenn man drinnen hockt sieht man das Draussen ja nicht. Danke, Honda!

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