Aus für Diesel-Fahrzeuge in der Stadt?

Spätestens seit dem Abgasskandal ist der Dieselmotor mächtig in Verruf geraten. Durch zu häufig überschrittener Stickoxidwerte droht mitunter ein Fahrverbot in deutschen Städten.

03.11.2016 Press Inform

Ein Liter Diesel kostet in Deutschland im Schnitt 18 Cent weniger als dieselbe Menge Benzin. Gleichzeitig verbraucht ein Dieselmotor im Vergleich zum gleichstarken Benziner weniger Treibstoff auf 100 Kilometer. Werden dann auch noch mehrere tausend Kilometer im Jahr gefahren, haben sich die höhere Kfz-Steuer und der erhöhte Anschaffungspreis relativ schnell amortisiert. Was sollte dann also noch gegen die Anschaffung eines dieselangetriebenen Fahrzeugs sprechen? Die Gesundheit. Und vielleicht in naher Zukunft auch das eine oder andere Verkehrsschild. Denn dem nagelnden Selbstzünder geht es an die Existenz. Den Grund fasst die Deutsche Umweltbundesamt-Präsidentin folgendermaßen zusammen: „Selbst der sauberste und modernste Diesel wird immer noch sechsmal mehr Stickoxide ausstoßen als ein heutiger Benziner“.

Straßenverkehr als Quelle von Stickoxiden

Stickoxide sind reaktive Stickstoffverbindungen, die eine Reihe von negativen Umweltwirkungen mit sich bringen. Sie tragen sowohl zur Feinstaubbelastung, als auch zur Ozonbildung bei. Sie entstehen als Produkte unerwünschter Nebenreaktionen bei Verbrennungsprozessen, wie sie bei Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Gas, Holz, Kohle, Öl und Abfällen freigesetzt werden. In Ballungsgebieten jedoch stellt der Straßenverkehr die bedeutendste Quelle von Stickoxiden. Vor allem Asthmatiker sind von der hohen Konzentration betroffen, bei ihnen kann sich eine Bronchokonstriktion, also eine Bronchienverengung einstellen. Aber auch Kinder sind besonders gefährdet, wenn sie einer zu hohen Stickoxid-Konzentrationen ausgesetzt werden.

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Österreich: Schadstoffbelastung führt zu Bronchitis und Asthma-Anfällen

Laut der Weltgesundheitsorganisation führt die Schadstoffbelastung durch den Kfz-Verkehr beispielsweise in Österreich zu 21.000 Fällen von Bronchitis und zu 15.000 Asthma-Anfällen bei Kindern – im Jahr. Der europaweite Ein-Stunden-Grenzwert beträgt maximal 200 Mikrogramm pro Kubikmeter und darf nicht öfter als 18-mal im Kalenderjahr überschritten werden. Der Jahresgrenzwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Wunschdenken, wie sich nun herausstellt.

Die Überschreitungen von Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon können beim Umweltbundesamt eingesehen werden.

Alarmierende Statistiken für Deutschland

An 56 von 128 Messstellen in Nordrhein-Westfalen weisen die Messungen erhebliche Überschreitungen der europaweit festgelegten Grenzwerte auf – die Feinstaubgrenzen wurden wiederum eingehalten. Die neuen, verheerenden Statistiken lassen daher kaum noch Raum für alternative Lösungen, findet mittlerweile nicht nur die Deutschen Umwelthilfe, die kürzlich einen Sieg vor Gericht erzielte. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat entschieden, dass die Bezirksregierung bis Oktober 2017 ihren Luftreinhalteplan zu überarbeiten hat. Die Auswirkungen könnten vor allem für Besitzer von Dieselfahrzeugen äußerst unangenehm ausfallen.

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Kommt ein Verbot für Dieselfahrzeuge?

„Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Dieselmotoren gut 80 Prozent der Stickoxide NO2 im Straßenverkehr verursachen. Da bleibt nichts als ein Verbot“, fordert der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe Jürgen Resch. Hinzu kommt der Artikel 2 des Grundgesetzes über das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Sollte das Fahrverbot die Auswahlkriterien der einst geplanten Blauen Plakette kopieren, die auf Dieselfahrzeugen, die nicht der Euro6-Abgasnorm entsprechen, geklebt werden müssen, wird es spannend. Denn von den rund 14,5 Millionen zugelassenen Dieselfahrzeugen in Deutschland entsprechen weniger als zehn Prozent der geforderten Norm. Was unter anderem daran liegt, dass bis September 2015 noch Neufahrzeuge mit Euro 5 verkauft und zugelassen werden durften. Zwei Jahre später sind dieses vielleicht schon wertlos.

Es geht in Richtung Elektromobilität

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, hat dazu eine ganz klare Meinung und liefert zugleich noch einen Grund für die Misere bei unserem Nachbarn: „Deutschland ist das Schlusslicht weltweit bei der Elektromobilität, weil hier falsche Signale gegeben wurden beim Dieselkraftstoff. Die Steuererleichterung beim Diesel von 18 Cent pro Liter muss endlich fallen. Dann schaffen wir auch schneller den Wechsel in neue alternative Antriebe – der Diesel ist am Ende.“ Professor Stefan Bratzel, der Leiter des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach warnt allerdings: „Wenn wir eine Industrie haben, die auf Elektromobilität setzt, brauchen wir deutlich weniger Beschäftigte in der Automobilindustrie, mit dem Elektromotor als Antrieb fallen in einer Größenordnung von mindestens zwanzig, dreißig Prozent der Arbeitsplätze weg.“

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