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Die Referenz – Mercedes-Benz G500 4×4 Quadrat

Es war zwecklos. Egal wie er seinen kleinen Clio aus auswrang, das Schiff im Rückspiegel wurde nicht kleiner. Nicht in der Stadt, auf der Geraden schon gar nicht und selbst am Berg konnte er keine entscheidenden Meter gewinnen.

21.02.2015 asphaltfrage

Dabei hätte ich es ihm ganz einfach erklären können. Schließlich hatte sich kein normaler G an seiner Stoßstange verbissen, sondern das, was Mercedes-Benz derzeit noch „seriennahes Showcar“ nennt. G500 4×42 – so steht es am Heck. Und wenn der Daimler von der Quadratur des G spricht, dann kannst du sicher sein: jetzt wird es ernst.

Keine Scherze mehr: Mercedes meint es ernst

Obwohl, so ein bisserl kennt man das Spiel schon. Auf den ersten Blick fallen die massiv verbreiterten Kohlefaser-Radkästen auf, darunter vom Militär übernommene 22 Zoll-Felgen mit 325/55er Grobstollenreifen. Unzerstörbar quasi und dank Beadlock-Technik selbst im heftigsten Einsatz nicht von der Felge zu rupfen. Aber: das hat man auf dem großen 6×6 schon gesehen, dem Ding, das seit ein paar Jahren mit Vorliebe in den nahen Osten exportiert wird und dort durch die Wüste schifft.

Doch hier und jetzt sitzt das alles mit den massiven Doppelfederbeinen, die sofort bei der Dakar an den Start rollen könnten, unter dem Häuschen eines ganz normalen G-Modells. Nur, dass er es quasi auf einem Unimog geparkt hat. Bloß: mit dessen Portalachsentechnik hat das Showcar nichts zu tun. Es ist eine komplett andere Entwicklung, zugelassen für härteste Anwendung. Und das heißt eben auch: Tempo. 210km/h macht das Viech.

Ein G mit dem Herz aus dem AMG GT. Quasi

Und das locker, denn unter der Haube arbeitet ein 4.0 Liter V8-Biturbo, dessen Grundzüge man bereits aus dem Mercedes-AMG GT kennt. Bloß ist es hier nicht alles auf Höchstleistung ausgelegt. 422PS und 610Nm sind es dann aber doch geworden. Verfügbar quasi über das ganze Drehzahlband. Die 7-Gang-Automatik braucht sich kaum um hektische Gangwechsel zu bemühen, das Triebwerk reißt den Dreitonner mühelos und mit atemberaubenden Geräusch voran. Eh klar, dass dem Clio keine Chance blieb.

Natürlich, auf der Straße macht das alles nicht wirklich Sinn. Es ist zwar ein Fest, wie der große G ums Eck geht. Die gut 2.10m Breite stützen den Aufbau weit besser in der Kurve, als man das vom herkömmlichen Gelädewagen aus Graz kennt – doch: es ist eben eine fahrende Schrankwand. Da gewinnst du selten Rennen.

Es sei denn, du fährst einfach immer Luftlinie. Und damit hat der 4×42 kein großes Problem. Nachdem der Clio der direkten Niederlage durch das Vortäuschen eines Tankstopps auswich, türmt sich vor der Haube des G die Sierra Nevada in ihrer vollen Pracht auf. Felsenmeer, Dschungel, lehmige Verbindungsetappen – einfach alles, was das Offroad-Herz begehrt.

In voller Fahrt klickst du die Sperre für das Mittendifferenzial rein, gehst ein bisserl aus dem Gas, damit das Getriebe die Reduktion schalten kann und dann: Feuer. Solange, bis du auf die zwei Buben und ihre Yamaha-Crosser aufläufst. Sie mühen sich, sitzen sicher nicht erst eine Woche im Sattel und doch: da wo sie mit Technik über die Hügel müssen, bügeln die 450mm Bodenfreiheit des Gs das Terrain einfach aus.

Wenn die Motocrosser aufgeben

Am Berg dann die Entscheidung. Die Crosser müssen aufgeben. Es geht nicht weiter. Keine Chance. Nicht so im Sattel des Benz. Sicher, für größtmögliche Demütigung musst du auch die beiden verbleibenden Differenziale sperren – dann aber: er geht den Berg rauf. Ohne große Mühe. Einfach so. Der V8 stampft mächtig, es driftet hier ein bisschen, es mahlt dort irgendwo. Nur: am Ende stehst du am Gipfel. Ganz normal, als ob es nichts Leichteres gäbe.

Weil dieses Viech durch nichts aufgehalten werden kann.

Und das ist gut so. Es ist der Beweis, dass du den ganzen neumodischen Kram vergessen kannst. Ein Auto, aus dem absolut Vollsten geschnitzt. Gebaut in Graz mit über 30 Jahren Erfahrung. Und doch auf absolute aktuellstem Stand.

Natürlich schreiben sie dem Quadrat noch „Showcar“ auf das Revers, doch das muss man eher als Scherz verstehen. Es geht darum die neue EU6-Einstufung des V8 vorzustellen. Den Motor, der auch den normalen G noch viele weitere Jahre in Produktion halten wird. Und eben darum, dass die gute alte Mechanik doch durch nichts zu biegen ist.

Genau deshalb werden sie auch den 4×42 bauen. Weil sie es können. Und weil es geil ist.

Fotos: Teymur Madjderey für autorevue

  • Manuel

    Echt geiles Teil!!

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