Bentley Continental Supersportss Convertible Exterieur Dynamisch front
325 offen für 4. Luxus mit Erlebnisverdichtung.
 

Die Härten des Wohlstandes

Maximale Erlebnis-Verdichtung in einem hinreißend sinnbefreiten Cabrio.

06.09.2010 Autorevue Magazin

Naturschauspiele sind ein ­gutes Gesprächsthema, wenn man mit einem Bentley-Cabrio in den Rocky Mountains unterwegs ist, etwa: das prächtige Wetter, das noch prächtigere Panorama und wie 800 Newtonmeter Berge einplätten, selbst wenn man weit über 3000 Meter die Pässe hochschnalzt. Und dann schwärmt der Techniker auf dem Beifahrersitz noch von der seiner Meinung nach wahrhaft herausragenden Eigenschaft des gerade bewegten Automobils, nämlich dass man sich auch bei 300 noch gepflegt unterhalten könne.

„Auch offen?“
„Natürlich auch offen.“

Bentley Continental Supersports also. Ab sofort schnellstes viersitziges Cabrio der Welt, weil drei Stundenkilometer schneller als der in jeder Beziehung ohnehin fortgeschrittene Speed Convertible. Aber darum kann es natürlich nicht gehen. Auch nicht um die nochmals 20 PS höhere Leistung oder die Gewichteinsparung von 90 Kilo (man hat das Cabrio auf 2395 kg runtergehungert). Die angepeilte Klientel wird wohl auch der Mehrpreis von 22.000 Euro nicht weiter irritieren. Man kriegt ja schließlich was für ­seine 294.880 Euro.

Im Wesentlichen: das Besondere. Vorgemacht hat es Porsche, aber Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen hat die Idee des permanenten Feinschliffs am Objekt bei der Continental-­Reihe perfek­tioniert: Über die Jahre wird schäuferlweise an Leistung und Gimmicks nachgelegt, und wenn das so behutsam und schlüssig erfolgt wie hier, bleibt das Modell lange frisch und die Begehrlichkeiten hoch.

Das tatsächliche Wesen des Supersports Convertible gibt sich im Detail zu erkennen. Zuerst einmal fällt die Schlichtheit auf: Das ganze Ding ist chromfreie Zone, da blitzt und glitzert nichts, ­Kühlergrill und Felgen sind in mattem Schwarz gehalten. Für eine weitere Verbösung des Auftritts sorgen zart vergrößerte Lufteinlässe und eine fünf Zentimeter ­breitere Spur hinten – ein bissl Show halt.

Wie ernst es Bentley mit dem Supersports wirklich meint, merkt man erst, nachdem man sich ins Cockpit fallen gelassen hat. Dort fangen einen nämlich ausgesprochen dünn gepolsterte Schalensitze auf, die fürs Erste viel Seitenhalt, aber wenig Gnade fürs Gesäß versprechen. Stimmt nicht, kommt man nach drei, vier Stunden im Auto drauf, das Karbon-Gestühl spart nicht nur den größten Brocken Gewicht (41 kg), sondern ­bietet auch tadellosen Langstrecken-Komfort.

Zum Supersports-Thema gehört auch das Lenkrad, auf das Bentley mächtig stolz ist, weil weltexklusiv derzeit. Handelt es sich doch um Rauleder mit besonders feiner Ober­fläche, feiner noch als Alcantara, man darf sich das ein bissl wie Delfin-Streicheln vorstellen. So fängt also in Zukunft ein guter Tag an: Du steigst in der Früh ins Auto und drückst Flipper die Flosse.

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