Neues Audi-Werk in Györ
Neues Audi-Werk in Györ
 

Immer mehr deutsche Autohersteller produzieren im Ausland

„Made in Germany“ ist überholt – das koste aber (noch) keine Jobs, betonen die Firmen.

15.06.2013 APA

 

Immer seltener kommen die weltweit begehrten „deutschen Autos“ tatsächlich aus Deutschland. Bereits vor drei Jahren hat die Auslandsproduktion die im Inland überholt. 2012 wurden noch 5,4 Millionen der insgesamt 13,6 Millionen „deutschen“ Fahrzeuge in Deutschland gebaut, 2013 rechnet der Verband der Automobilindustrie (VDA) damit, dass bei etwa gleichbleibender Produktion in Deutschland das Ausland deutlich zulegt. So hat zum Beispiel Audi erst diese Woche die Produktion der neuen A3-Limousine in Ungarn gestartet, der Autohersteller beschäftigt in dem Binnenland mittlerweile rund 9000 Menschen. Vor wenigen Wochen begann Audi zudem mit dem Bau einer Fabrik in Mexico. „Wenn Mitte 2016 der erste Audi Q5 in Mexiko vom Band fährt, produzieren wir zum ersten Mal in unserer Geschichte außerhalb Europas ein Auto komplett für den Weltmarkt“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Auch Opel lagert aus und wird ab 2015 sein wichtigstes Modell, den Astra, nur noch in England und Polen und gar nicht mehr in Deutschland zusammenbauen lassen.

Lohnkosteneinsparungen und Zugang zu Märkten wichtige Gründe für Produktionsauslagerung

Neben dem Wachstum der ausländischen Märkte und der daraus folgenden Auslagerung der Produktion sind niedrige Lohnkosten ein wichtiger Grund für diese Entwicklung. Ungarn ist durch seine Nähe zu wichtigen europäischen Märkten bei gleichzeitig deutlich niedrigeren Löhnen für viele Autohersteller – von Daimler, Opel und Audi über ZF, Faurecia, Conti oder Bosch – besonders attraktiv. Diese investieren bereits seit Jahren in Ungarn und anderen Ländern. Dabei geht es auch um den Zugang zu Märkten. So erheben manche Länder etwa Zölle auf importierte Fahrzeuge und wollen Firmen auf diesem Weg dazu bringen, im Land zu investieren. Zudem können Wechselkursschwankungen besser ausgeglichen werden.

Jobs in Deutschland noch nicht gefährdet

Laut Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hätten die Autohersteller gar keine Wahl – die Produktion in Deutschland habe ihren Höhepunkt überschritten, nun gehe es darum, das Niveau stabil zu halten. Mittelfristig werde das die Zahl der Arbeitsplätze in der Autoindustrie drücken, denn um die höheren Kosten der heimischen Fertigung auszugleichen, müsste die Produktion noch weiter automatisiert werden. Zunächst bedrohe der Trend zur auswärtigen Produktion die Belegschaften hier nicht. Der Autoboom in vielen Teilen der Welt lasse die Kassen der deutschen Hersteller klingeln, das komme auch den Beschäftigten in der Heimat zu Gute.

 

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