Der VW Amarok Canyon auf einer Messe
Volkswagen hat mehrere Luxusprobleme.
 

Bei Volkswagen häufen sich die Luxusprobleme

Beim deutschen Autokonzern werden die Baustellen immer mehr und dadurch geraten die internen Renditeziele unter Druck.

27.12.2013 APA

Volkswagen wird heuer knapp 12 Milliarden Euro Betriebsgewinn verbuchen und hat damit eigentlich großen Grund zur Freude. Wären da nicht die Luxusprobleme die dem deutschen Autokonzern langsam Kopfzerbrechen bereiten. Da wäre beispielsweise der Steuer-Deal für die Eingemeindung von Porsche, auch das Millionen-Salär von VW-Chef Martin Winterkorn sorgte für Kritik. Beim Zusammengehen der Lkw-Riesen MAN und Scania stehen nach wie vor Fragezeichen, die spanische Tochter Seat steckt in den roten Zahlen und die große Abhängigkeit vom Absatzmarkt China ist nicht zu unterschätzen.

Gewinnmaschine VW

In China verdiente VW in den ersten neun Monaten 2013 mehr Geld, als ganz Peugeot an der Börse wert ist. Während die Konkurrenz Werke schließt, stampft Europas größter Autobauer neue aus dem Boden. VW wird 2013 wieder mehr Wagen losschlagen als je zuvor, Zehntausende neue Mitarbeiter eingestellt haben und vermutlich den Betriebsgewinn stabil halten: 11,5 Mrd. Euro. Die Gewinnmaschine VW macht damit rechnerisch 31,5 Mio. Euro jeden einzelnen Tag im Jahr.

Machtkampf auf höchster Ebene

Dennoch: Es gibt auch Probleme in der VW-Welt auf dem Weg zur Nummer eins der Branche. Den Anfang machte im September ein „Handelsblatt“-Bericht vor der Automesse IAA. Tenor: Der Autoriese stehe vor einer umfassenden Personalrochade, mit der VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten abgebe. Winterkorn werde Piëch nachfolgen und der bisherige VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch an seine Stelle rücken.

Harte Worte

Für gewöhnlich kommentiert das Unternehmen Personalspekulationen nicht. Aber bei dieser Größenordnung wies VW den Bericht „mit Nachdruck“ zurück. Doch als der Konzern wenige Tage später auf der IAA seine Neuheiten in Szene setzte, beäugten viele nur das VW-Machtzentrum Piëch. Wirkt er angeschlagen? „Mir geht es gut“, sagte der 76-Jährige, um keinen Zweifel zu lassen. Später kündigte Piëch an, er plane den Ursprung des Gerüchtes zu „guillotinieren“. Winterkorn bezeichnete die Spekulation als schäbig und stellte klar: Das Gespann Piëch/Winterkorn bleibe VW noch „viele Jahre erhalten“.

76-66-62, die VW-Maße

Aber das „Handelsblatt“ hatte den Finger in eine Wunde gelegt. Piëch geht auf die 80 zu. Winterkorn ist mit 66 derzeit ältester Chef eines Dax-Konzerns. Und Finanzmann Pötsch ist mit 62 Jahren auch kein Vertreter einer möglichen neuen Generation an der VW-Spitze.

Hat die Konzernführung ein Altersproblem?

Ein hochrangiger Manager verneint das. Winterkorn habe die Fitness eines 50-Jährigen. Außerdem sei Piëchs Gesundheitszustand weder besorgniserregend noch müsse ihn Winterkorn im Falle eines Abdankens im Aufsichtsrat wie mit einer Gesetzmäßigkeit beerben. Für die Nachfolge sei die VW-Familie zudem gut aufgestellt – nicht nur mit mutmaßlichen Kronprinzen wie Pötsch, Audi-Chef Rupert Stadler oder Porsche-Lenker Matthias Müller. In der zweiten Reihe gebe es „eine Menge Talente“, sagt der Insider.

Kommentar aus der Politik

Auch Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) hält die Spekulationen für fehl am Platze. „Ich habe den Eindruck, dass wir 2014 bei VW mit großer personalpolitischer Stabilität weiter arbeiten werden“, sagte er jüngst der dpa.

Gewinnziele 2015 wackeln

Doch seit der IAA war Sand im Getriebe. Noch im September berichtete das „Manager Magazin“ über Renditeprobleme des Autobauers. VW laufe angeblich Gefahr, interne Gewinnziele für 2015 um bis zu fünf Milliarden Euro zu verfehlen. Der Konzern dementierte erneut per Pressemitteilung – Aufruhr in Wolfsburg. Inzwischen spricht der Vorstand selber vom Gürtel, der enger geschnallt werden soll. Der Fokus liege auf konsequenter Kosten- und Investitionsdisziplin, gab Finanzchef Pötsch zur Vorlage der Neunmonatszahlen bekannt.

Rückgang auf dem US-Markt

Dabei könnte gerade das US-Geschäft einen zusätzlichen Schub vertragen. Nach Jahren des steilen Wachstums kommt die Kernmarke Volkswagen Pkw dort ins Schlingern. Zweistellige Absatzrückgänge zwischen September und November ließen die Alarmglocken schrillen. Zum Januar übernimmt mit Michael Horn ein neuer Manager das Konzerngeschäft in den USA. Vorgänger Jonathan Browning wolle aus persönlichen Gründen in seine Heimat Großbritannien zurückkehren.

Gigantische Rückrufaktion

Mitte November geriet VW dann noch mit einem gewaltigen Rückruf in die Schlagzeilen: Auf einen Schlag wurden mehr als 2,6 Millionen Autos in die Werkstatt beordert. Der Löwenanteil der Probleme geht – ausgerechnet – auf ein internes Prestigeprojekt zurück, das Piëch in den 1990er Jahren vorantrieb: das Doppelkupplungsgetriebe. Neben den Kosten und möglichen Imageproblemen offenbarten die Rückrufe auch eine Achillesferse des Konzerns, der auf zehn Millionen Fahrzeuge Jahresabsatz zusteuert: Mehr identische Bauteile aus Kostengründen in mehr Modelle zu drücken, steigert auch das Qualitätsrisiko.

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  • h.

    ….und ich kaufe nur deutsche Autos! Weil ich den Gewinn lieber in Deutschland sehe, als in Japan/Korea od. Frankreich – damit die weiter ihren Walfang bzw. die Atomkraftwerke betreiben……und Deutschland ist mir immer noch näher!

    • ernst

      Sofern deutsche Autos überhaupt in Deutschland hergestellt werden

  • haggi

    Naja,aber dafür habe ich dann wirklich einen ordentlichen Motor und eine ordentliche Ausstattung !!! :-D

  • Sharan2013

    Na klar, weil ein Mazda mit einem ordentlichen Motor und einer ordentlichen Ausstattung ja soo billig ist.

  • Ravenbird

    Völlig abgehoben, weit, weit vom Ursprung entfernt, nämlich haltbare, leistbare Autos zu bauen und kaum mehr europäisch.
    Wenn alle europäischen Arbeitsplätze abgebaut sind, weil sie durch ihre Kosten das Milliardensalär der spinnerten Chefetage gefährden, wenn die Chinesen endgültig die gleichen Autos um weniger als die Hälfte des Preises bauen, wenn Europa endlich den Bach runter ist, weil es niemand mehr gibt, der Arbeit hat oder sonst ein Einkommen, dann wird eben die genannte Chefetage ihre Privatjets besteigen und Europa verlassen.
    Einen Kontinent, der von gekauften Pensionsspezialisten mit ihren „arbeiten bis 100 ist schön“ zu Grunde gerichtet ist, weil nicht mal Jugendliche Arbeitsplätze bekommen, schon gar nicht qualifizierte.
    VW ist ein Beispiel für absolute Überheblichkeit der Reichen, für ungeahnte Gier nach Glanz und Gloria und Entfremdung vom Kunden. Die Leute kaufen VW, weil es Tradition hat, weil viele Werkstätten gut und bemüht sind, weil halt der Opa schon einen Käfer gehabt hat.
    Die Langlebigkeit und Perfektion eines Golf II ist lange schon vorbei, das Preis-Leistungsverhältnis ebenfalls und in die Liga von Mercedes und BMW wird VW oder AUDI niemals aufsteigen, auch wenn Mercedes gerade mit ihren schiachen Kisten Schiffbruch erleiden wird. Aber das mag eine Geschmacksfrage sein.

    • hellipirelli

      Den schlüssigen Gedanken von Ravenbird ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
      Vielleicht nur so viel:
      Es wird nicht reichen, Autos nach China zu exportieren, man wird dort produzieren müssen (was teilweise ohnehin schon passiert). Dadurch ist man der Chinesischen Regierung voll ausgeliefert. Dies bedeutet, dass Fabriken per Gesetz durch den Staat enteignet werden können, was vor einigen Jahren GM bereits passiert ist. Dann sind nicht nur die europäischen Arbeitsplätze weg, sondern auch die in China erwirtschafteten Gewinne.
      Produktion auszulagern und daheim nur mehr Verwaltung, Bankwesen und andere Dienstleistungen zu behalten, das hat schon mehreren Weltreichen den Garaus gemacht, z.B. dem antiken Rom, Belgien, Portugal, dem United Kingdom etc. Jetzt sind eben die USA und mit ihnen Euroland dran. Wenn man die auf Gewinnmaximierung fixierten Industriellen nicht einbremst, werden sie immer dorthin wandern, wo der Gewinn am höchsten ist, ob sie nun VW oder Swarovski heißen.
      Manager denken betriebswirtschaftlich, nicht volkswirtschaftlich und schon gar nicht langfristig.

    • jossi88

      Ist mir alles völlig egal – die sollen machen mit ihren LÜGENAUTOS (Preis/Leistung) was sie wollen – Ich hol mir demnächst so wie so einen MAZDA… oder vielleicht doch einen Franzosen? (bin ja doch Europäer…)

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