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Ganz so sportlich, wie er hier aussieht ist er nicht.
 

Der Beetle wird käfiger

Der Käfer heißt jetzt Beetle. Es sei denn, man will das nicht.

16.07.2011 Online Redaktion

Ja, das ist so eine Sache mit den Namen. Der Urkäfer war da und wurde gekauft. Und hat man einen gesehen, dann wusste man, dass es einer war. Dann kam der New Beetle und… na, den überspringen wir. Der ist nämlich eigentlich schon alt und jetzt gibt es einen noch neueren, der aber nur noch Beetle heißt. Und damit jeder sehen kann, das es ein Käfer ist, der nur neu interpretiert wurde, kann man sich den Namen „Käfer“ in einer handvoll Sprachen ganz nach Wunsch auf das Heck kleben lassen. Käfer, Bug, Vocho, Coccinelle, Fusca, Maggiolino oder drei chinesische Schriftzeichen (die sollen Käfer heißen, aber wir sind da vorsichtig… am Ende hat man sich „Katzenklo“ oder„Nierenstein“ oder so was aufs Heck kleben lassen).

Für den folgenden Text einigen wir uns auf folgende Sprachregelung:
Käfer = der Urahn
New Beetle = der/die/das Kugelmugel
Beetle = die neue, aktuelle Version

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Man darf diese ganze Erblehre und Käfer-Nostalgie nicht so eng sehen. Man sollte da pragmatischer rangehen. Wer sich einen Beetle kauft, der kriegt keinen Käfer. Aber wer würde denn heutzutage noch einen Käfer wollen? Die Heizung funktionierte nicht, der Rücken tat einem alsbald weh, für heutige Größenverhältnisse wäre das Auto viel zu klein und ganz ehrlich: die Version die bis 2003 in Mexico weiterproduziert wurde, riecht wie ein erhitzter Radiergummi.

Nein, es gibt einen Beetle. Der hat allerdings mehr Käfer-Flair als der New Beetle. Ein Blick auf die Karosserie reicht. Die Frontscheibe ist steiler und das Dach verläuft erst gerade, bevor es in einem runden Heck endet. Der New Beetle war einfach nur eine Kugel.

Bei den Dimensionen sollte man sich von dieser Romantik verabschieden. Fast 4,30 Meter ist er lang (genau 4278 Millimeter) und 1,8 Meter breit. Das sind Dimensionen, die früher der Oberklasse vorbehalten waren. Und weil das Design vorne und hinten keine Überhänge vorgesehen hat, gibt es mit 2,50 Metern einen wuchtigen Radstand.

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Man könnte jetzt glauben, der Beetle ist ein Scirocco-Killer. Aber so sportlich wie ihr anderes Retro-Projekt ist der Beetle nicht. Alles fühlt sich gut und dynamisch an, aber eben doch, diese Nuance träger als beim Scirocco. Immerhin: die beiden Topmotorisierungen des Beetles kommen mit dem elektronischen Sperrdifferenzial XDS, das beim kurven inneren Rad per Bremseingriff für Entlastung sorgt. Alles in allem ist er aber deutlich weicher und schaukliger. Kein Wunder, technisch basiert der Beetle auf dem aktuellen Golf. Was natürlich nicht die schlechteste Basis ist, aber eben auch nicht die sportlichste. Der Gesamteindruck ist ein guter. Statt zwanghaft einen auf Käfer zu machen, hat man den Beetle in erster Linie einen modernen Volkswagen sein lassen.

Eine Blumenvase gibt es innen nicht. Dafür gibt es in den Ausstattungsvarianten „Design“ und „Sport“ oberhalb des ersten Handschuhfaches ein zweites, das dem im Urahn nachempfunden ist (auch wenn es nach oben statt nach unten öffnet). Das Lenkrad wurde extra für den neuen Beetle designt, der Rest stammt aus dem VW-Regal, was ja nicht die schlechteste Quelle ist.

Motoren und Preise gibt es freilich auch (die Cabrioversion allerdings noch nicht, die kommt in etwa einem Jahr):

– 1,2 TSI – ab 18.490,– Euro – 105 PS, 175 Nm, 5,9 Liter/100 km
– 1,4 TSI – ab Ende 2011 – 160 PS, 240 Nm, 6,6 Liter
– 2,0 TSI – ab 29.150,– Euro – 200 PS, 280 Nm, 7,4 Liter
– 1,6 TDI – ab 20.160 Euro – 105 PS, 250 Nm, 4,5 Liter
– 2,0 TDI – ab Anfang 2012– 140 PS, 320 Nm, 4,9 Liter

Zahlen aus dem Käferversum:
– Weltweit sind von 1938 bis 2003 insgesamt 21.529.464 VW Käfer und von 1998 bis 2011 rund 1.155.900 New Beetle (dav. 228.300 Cabriolet)  abgesetzt worden.
– Vom VW Käfer sind in Österreich insgesamt 417.727 Stück ausgeliefert  worden, wovon heute immer noch rund 14.300 Fahrzeuge auf Österreichs Straßen unterwegs sind.
– Der VW Käfer war von 1953 bis 1974 in ununterbrochener Reihenfolge (22 Jahre hindurch) das beliebteste Fahrzeuge in Österreich und wurde erst durch den Golf getoppt. Der Käfer ist in der ewigen Bestenliste hinter dem Golf im Ranking der meistverkaufen Fahrzeuge immer noch die Nummer 2.
– Vom „New Beetle“ wurden in Österreich von 1998 bis 2011 insgesamt 6.408 Fahrzeuge (davon 1.322 Cabriolet) neu zugelassen – heute sind davon noch fast 5.000 unterwegs.

Er läuft und läuft und läuft und läuft…

Hier einer der Werbespots zum Beetle – wurde für den Superbowl produziert:

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