SLS AMG
Tragt wieder Hut. Was soll man denn sonst ziehen, wenn man einer schönen Frau die Tür aufhält?
 

Es wäre mir lieber…

Gas und Hupe, Bremse und 180. Beruhigt euch, tragt Hut und Sakko.

18.12.2012 Online Redaktion

Der Amerikaner, so sagte es Lee Iacocca in den 1990ern einmal, ist der beste Autofahrer der Welt. Das glaubt er nicht nur aus Arroganz, oder weil er seinen damaligen Kunden schmeicheln wollte, sondern weil es einst Statistiken gab, die seine These untermauerten. So wenig Unfalltote, gemessen an den zurückgelegten Kilometern, gäbe es nirgends sonst.

Solche Statistiken gibt es auch über Deutsche, Österreicher und bestimmt sogar Italiener, dabei glauben Letztere das nicht einmal von sich selbst. Wer sich vor Ort ein Bild macht, wird die Iacocca-Aussage für geradezu zynisch halten. Innerhalb von vier Wochen USA habe ich mehr Unfälle gesehen als in dreißig Jahren in Europa.

Das ist keine Übertreibung, das ist Empirie. Wir wollen empirisch sein. Der Amerikaner macht am Steuer seines Autos viel, aber fahren gehört nicht dazu. Er isst, er rasiert sich, er führt Telefonate, er spielt mit den Kindern.

Dafür ist es in den USA üblich andere Autos in den Verkehr einfädeln zu lassen. Fehler sind erlaubt, es wird nicht gehupt. Dafür geblinkt. Auf den Highways ist nicht die Hölle los, sondern die Ruhe omnipräsent. Alle fahren entspannt die erlaubte Geschwindigkeit (plus ein bisserl was), weswegen man auch ruhig rechts überholen darf.

Für diese Entspannung plädiere ich auch auf europäischen Straßen. Hupen ist sinnlos. In Momenten, in denen man hupen muss, weiß der, der angehupt wird, ohnehin das er etwas falsch gemacht hat. Da muss man nicht auch noch die Nachbarschaft stören. Wer unbedingt seinen Zorn in die Umwelt schießen muss, der möge doch bitte die Lichthupe verwenden.

Lasst andere im Stadtverkehr vor. Viele kennen sich in der Stadt vielleicht nicht aus. Es sind Touristen oder Wenigfahrer. Aber sie dafür zu bestrafen ist falsch. Touristen würden viel besser über Wien oder Salzburg oder Graz denken, würden man sie nicht dauernd anhupen und schneiden.

Wir brauchen eben wieder mehr Mercedes in uns. Wir sollten den Hutfahrer in uns wecken. Den Gentleman, der einen Hut trägt, weil er sonst nichts hätte, was er vor einer reizenden Dame ziehen könnte, während er ihr die Tür aufhält. Und das dann eben auch im übertragene Sinne im Straßenverkehr. Wir brauchen einen Verkehrsknigge. Keine Verbote oder Gebote, sondern die „Eswäremirlieber“ des Straßenverkehrs.

Es wäre mir lieber, du würdest nicht hupen.
Es wäre mir lieber, du würdest mich nicht schneiden.
Es wäre mir lieber, du würdest nicht die Straße blockieren, nur weil du unbedingt über die Ampel wolltest.
Es wäre mir lieber, du würdest mich nicht gleich beschimpfen, nur weil ich im Parkverbot auf jemanden warte, ich fahre ja eh weg, wenn du das möchtest.
Es wäre mir lieber, du würdest nicht so dicht auffahren.
Es wäre mir lieber, du würdest blinken.
Es wäre mir lieber, du würdest mich in Ruhe einparken lassen.

Nein, der Amerikaner ist gewiss nicht der beste Autofahrer der Welt, aber ganz sicherlich der bessere.

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