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Ford schießt beim Focus endlich den Kombi nach.
 

Der Alleskönnenwoller

Ein Kombi von einem Kombi – der Ford Focus Traveller.

09.06.2011 radical mag

Siebenundzwanzig Systeme, erzählte uns Ford, sind im neuen Ford Focus Traveller verbaut. Na, da schauen wir doch mal, ob wir alle zusammenkriegen. Sollte Sie das langweilen, unnötig und übertrieben finden, dann lesen Sie doch einfach im nächsten Abschnitt weiter. Also, los geht´s:

Fahrspurassistent, Müdigkeitswarner, Fahrspurhalteassistent, Verkehrsschilderkennungssystem, Fernlichtassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, ACC (Automatic Cruise Control) mit Auffahrwarnsystem FA (Front Alert), Toterwinkelassistent BLIS (Blind Spot Information System), Einparkassistent, „Active City Stop“-System (das vor Auffahrunfällen bei geringen Geschwindigkeiten warnt und schützt), Stopp/Start-System, das ökologische Fahrerinformationssystem Ford ECO-Mode, das Energierückgewinnungssystem der Lichtmaschine SRC (Smart Regenerative Charging), ein Thermomanagementsystem für eine möglichst kurze Warmlaufphase, Antiblockierbremssystem (ABS) inklusive elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und Kurvenbremskontrolle (CBC), Sicherheitsbremsassistent (EBA), elektronische Bremsenvorspannung (EBP) und Notbremswarner, Antriebsschlupfregelung (ASR) mit Motordrehmomentkontrollsystem (ETCS) und aktivem Bremseingriff (BLD), hydraulische Hinterachsbremsunterstützung (HRB), Motorschleppmomentkontrolle (EDC), Torque Vectoring Control (TVC), Berganfahrassistent, Anhängerstabilisierung, Gurtwarnsystem für die Rücksitze, Ambientebeleuchtung, Fold-Flat-Sitz-System, Key-Free-System, Quick-Clear-Frontscheibe.

Und was lernen wir daraus? Die tun was, bei Ford. Aber zählen können sie nicht – das sind nämlich mehr als 27 Hilfs- und Assistenzsysteme. Egal. Wir beginnen die Geschichte jetzt nochmals.

Ford Focus Turnier Kombi Exterieur Statisch Front

Mit der nicht mehr üblichen Verspätung bringt Ford für den Focus auch die Kombiversion auf den Markt. Andere Hersteller schaffen das mittlerweile zeitgleich (VW mit dem neuen Passat), oder ziehen den Kombi sogar vor (wie beim i40). Schließlich ist der Kombi in Europa ein wichtiger Stückzahlbringer.

Bei identischem Radstand überragt der 4,56 Meter lange Traveller die Limousine um fast zwanzig Zentimeter. Die zusätzliche Länge befindet sich selbstverständlich hinten: Der Kofferraum wächst auf 490 Liter. Bei weg geklappten Sitzen sind es bis zu 1516 Liter.

Damit ist der Focus zwar nicht Klassenbester (Astra: 550/1550 Liter, Megane: 486/1600 Liter, Golf: 505/1495 Liter), doch Ford sagt, man das gar nicht angestrebt habe, sondern nach einem guten Kompromiss gesucht habe – zwischen Ladevolumen und Außenlänge. Und wichtiger ist ja sowieso, wie sich der Raum nutzen lässt. Da ist der Focus mit seiner tiefen Ladekante und dem „Ritter Sport“-Kofferraum (quadratisch, praktisch, gut) bestens unterwegs.

Was uns in diesem Zusammenhang ein bisschen erstaunt: Der Focus wird zwar immer größer, der Kofferraum aber immer kleiner. In der ersten Generation (1998) hatte der Kombi bei 4,45 Metern Länge noch 520 bzw. 1580 Liter geschafft. Aber damals gab es auch noch keine 27 Systeme, die verbaut werden mussten.

Ford Focus Turnier Kombi Interieur

Sonst ist der Focus Station Wagon so, wie wir auch die Limousine schon empfunden haben: ein Fahrzeug praktisch ohne Fehl und Tadel. Das „kinetic design“ wirkt am Kombi etwas zurückhaltender, weil es größen- und konzeptbedingt eben mehr Flächen gibt. Das ist aber gut so, obwohl das Heck jetzt nicht gerade von überragender Phantasie zeugt. Was aber die potenzielle Kundschaft wohl auch nicht erwartet.

Beim Innenraum bleiben wir dabei: Es ist uns alles etwas zu verspielt, es gibt zu viele Ecken und Kanten und Knöpfe und Schalter. Kein Wunder bei so vielen Systemen. Wir würden uns aber trotzdem noch einen zusätzlichen Knopf wünschen – groß, rot, einer, mit dem sich all diese piepsenden Hilfsdinger auf einmal abwürgen lassen. Man kann das aber auch anders lösen, mit größtmöglicher Zurückhaltung beim Ankreuzen von Sonderausstattungen. Die verbauten Materialien sind auf der Höhe der Zeit und die Verarbeitungsqualität machte einen sehr guten ersten Eindruck (obwohl ein Golf vielleicht noch etwas wertiger anmutet). Die Ergonomie stimmt, die Sitzposition – vorne, am Lenkrad – ist ausgezeichnet.

Was uns aber immer wieder erstaunt (wir erwähnen es hier, weil der Focus Traveller ja unbedingt auch ein Automobil für die Familie sein will): Wie lieb- und phantasielos die zweite Sitzreihe behandelt wird. Eine Bank, karg, öd, ein dunkles Loch. Wer nach hinten muss, sitzt definitiv in der zweiten Reihe. Das ist im Focus nicht schlechter als in allen anderen Automobilen, aber halt leider auch nicht besser.

Das Motorenangebot ist mit dem für die Limousine identisch. Die Benziner-Palette besteht ausschließlich aus 1,6-Liter-Motoren, mit 105, 125, 150 und 182 PS. Die beiden stärksten Maschinen sind die feinen EcoBoost-Aggregate. Bei den Dieseln gibt es den 1,6-Liter-Motor mit 95 oder 115 Pferden sowie das 2,0-Liter-Aggregat mit 140 und 163 PS.

In Sachen Fahrwerk haben wir unsere Meinung auch für den Kombi nicht geändert. Oder doch, ein bisschen schon. Bisher war der Focus eine Fahrmaschine, vielleicht etwas hart, aber sehr herzlich, kurvengierig, ein Lichtblick. Die jüngste Generation des Focus ist jetzt deutlich komfortabler abgestimmt. Und zum Trunier der wie gesagt eine Familienkutsche sein will, passt diese Auslegung besser als zur Limousine.

Ford Focus Turnier Kombi Exterieur Statisch Heck

Dass wir uns hier nicht falsch verstehen: Das Focus-Fahrwerk ist ganz, ganz oben. Ford kann Fahrwerk, da macht ihnen so schnell keiner etwas vor. Und wer es doch härter haben will, der kann ja noch auf die ST-Variante warten. Die kommt im nächsten Jahr auch als Kombi und dann mit 250 Pferden. Und gleich noch eine gute Nachricht: Auch die vollelektrische Variante des Focus, die für 2013 erwartet wird und über eine Reichweite von 160 Kilometern verfügen soll, wird es als Station Wagon geben.

Der Ford Focus Station Wagon steht schon in den nächsten Tagen bei den Händlern – volles Programm mit Ausnahme der „EcoNetic“-Variante (1,6-Liter-Diesel, 105 PS), die bis Ende Jahr nachgereicht wird und dann mit einem Verbrauch von wohl 3,5 Litern sowie einem CO2-Ausstoss von unter 90 Gramm/km glänzen will.

Vielen Dank an www.radical-mag.com

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