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Dauertest-Zwischenbericht: Peugeot 308 SW – Schön ist es auch anderswo

… darum ist unser Dauerläuferpeugeot nicht viel zu Hause. Wer Fahrten in die Ferne provoziert, muss damit leben, dass wir sie machen.

10.10.2015 Autorevue Magazin

Dinkelsbühl, so informiert uns die Online-Enzyklopädie, ist eine „Große Kreisstadt“ im Landkreis Ansbach in Mittelfranken und aufgrund ihres gut erhaltenen, spätmittelalterlichen Stadtbildes ein gesuchter Touristenort. Von Wien ist es gar nicht einmal so weit dorthin, 581 Kilometer oder knapp sechs Stunden Nettofahrzeit.

Dass wir in Zukunft auf­horchen werden, wenn im ­geographischen Fachgespräch der Name Dinkelsbühl fällt, liegt daran, dass dieser Ort im Fahrtenbuch unseres Dauertest-Peugeots eingetragen ist. Jemand war dort, und alle ­können es nachlesen.

Ein anderer war in Devon (Südwest-England). 1700 Kilometer, netto 17 Stunden und 34 Minuten Sitzzeit. Ein Motorjournalist mit Flugangst?

Ferner finden sich Einträge, die Fahrten nach Bozen, nach Salzburg, nach Irdning, nach Gmunden, nach Spielberg, nach Klagenfurt, nach Augsburg (Puppenbühne!) und nach Gumpoldskirchen (der Fotograf) belegen. Immer wieder steht das Kürzel NLGB. Der ursprüngliche Verdacht in Richtung England oder Holland oder beides zerschlug sich, als sich herausstellte, dass ein Mitarbeiter in Neulengbach wohnt (New Longbeach).

Peugeot 308 SW: Kompakter Langstreckenläufer

Nun ist der Peugeot 308 Station Wagon beileibe nicht das einzige Auto im Dauertest-Fuhrpark, mit dem man sich über die Stadtgrenzen hinauswagen kann. Auch mit dem Passat Variant fuhren wir schon weiter als bis St. Pölten, aber der ist sozusagen per Definition ein Langstreckenläufer.

Beim Peugeot würde man sich das nicht auf den ersten Blick denken, gilt er doch als Kompaktwagen.

Ein Kompaktauto aber, das gerne zur Überbrückung großer Distanzen herange­zogen wird, muss besondere Qualitäten haben.

Wir zählen auf: Da ist der im Kaltstart zwar etwas knusprige, wohlig erwärmt aber sehr laufruhige Diesel­motor mit 150 PS, der dem gutbürgerlichen Fahrer stets kräftig genug sein wird. Er lässt sich sparsam bei runden sechs Litern halten, bei sehr sparsam sogar darunter. Hoher Stadtanteil oder undiszipliniertes Fahren machen auch sieben Liter oder mehr möglich.

Da ist der große Laderaum, welcher mit seiner völlig ebenen Bodenfläche allerhand Klobiges oder mehrere Koffer verdaut.

Da sind ausreichend Ablagen, wenn auch vorne nur ein Dosenhalter. Der Beifahrer muss seine Dose selber halten.

Und da sind vor allem diese kolossal bequemen Ledersitze (1.804 Euro) von französischer Weichheit – aber nicht schwammig. Die fühlen sich an wie zwei Klassen weiter oben. Die knapp 300 Euro teure Massagefunktion für beide Vordersitze kann man auch weglassen (echte Masseurin probiert – kein Vergleich).

Nicht mehr unbedingt ­bestellen würden wir auch das Panoramaglasdach. Weil das helle Rollo lässt zumal im Sommer doch ein bissl zu viel von der Sonne durch. Muss ja nicht sein.

Fassungsvermögen: 5 Headbanger mit Camoingausrüstung

Ein angenehmer Burner ist hingegen das kleine Lenkrad und das von ihm ausgelöste Gefühl, ein Kart zu lenken – der Peugeot wird slalomfroh. Dabei beginnt das Auto auf seinem komfortablen Fahrwerk lustig zu wanken, aber eben genießerisch-lustig und nicht unkontrolliert. Das hat natürlich auch einen sinnvollen Aspekt: Mit der leichtgängigen und direkten Lenkung lässt sich der 308 sehr bequem auch in der Stadt bewegen.

Und ist sonst was passiert? Einmal, zum Glück nur im ­trockenen England, hat der Scheibenwischer nicht mehr funktioniert. Nach einigem Herumrütteln an Sicherungen und Gestänge wiederbelebte er sich plötzlich und nachhaltig von selbst. Eine kleine Zufälligkeit im Leben eines Auto­individuums, dem man im Übrigen den intensiven Gebrauch nicht ansieht. In einem halben Jahr berichten wir wieder.

Und jetzt noch die Auflösung, was den Peugeot überhaupt nach Dinkelsbühl verschlagen hat: Fünf Headbanger mit Campingausrüst­­ung, weichen Drogen (Bier, Tschick) und Dosenaufstrich (alles für vier Tage!) haben das Dinkelsbühler Summer Breeze Open Air, ein beliebtes Metal-Festival (langhaarig), aufgesucht. Und nein, Ihr Berichterstatter hatte mit dieser Sache nichts zu tun.

SHORTCUT

Was wir mögen
Dass man da einsteigt und sich nach kurzer persönlicher Adjustierung einfach ungemein wohlfühlt.

Was uns fehlt
Knöpfe statt Touchscreen. Nicht, weil wir altmodisch sind. Sondern, weil sie u. a. der Verkehrssicherheit dienen.

Was uns überrascht
Wie groß sich das gar nicht große Auto beim Fahren anfühlt, im positiven Sinn. Also komfortgroß. Und sowieso, was den tollen Kofferraum betrifft.

Perfekt, wenn
… man beim Fahren gerne wohnt.

Die Konkurrenz
Die Kombis von: Opel Astra, Ford Focus, Hyundai i30, Renault Mégane, Toyota Auris, Honda Civic, Volvo V40 und die Untenstehenden.

Technische Daten: Peugeot 308 SW HDi 150 Allure Aut.

Preis: € 31.941,–
Steuer jährlich: € 649,44
Technik
Motor/Zylinder/Hubraum: Diesel/4/1997 ccm
Leistung: 110 kW (150 PS)
Drehmoment: 370 Nm
Antrieb/Getriebe: Front/6-Gang-Aut.
Messwerte
Spitze/0–100 km/h: 209 km/h / 8,9 sec
Normverbrauch/CO2 (l/100 km/g/km): gesamt 4,2/111
Verbrauch im AR-Test: 6,1 l/100 km
Dimensionen
Länge/Breite/Höhe: 4585/1804/1472 mm
Gewicht/Zuladung/Anhängelast: 1505/495/1400 kg
Räder: 225/45 R 17
Kofferraumvolumen: 610-1660 l
Tank: 53 l
Sicherheit
EuroNCAP gesamt 2013: H H H H H
Erw./Kind/Fußg./Ass.-Systeme: 92/79/64/81 %
Ausstattung und Extras
Metallic-Lack: 533,–
Panorama-Glasdach: 608,–
Ledersitze: 1.804,–
Einparkhilfe: vo. + hi.
Navgationssystem: Serie
LED-Scheinwerfer: Serie

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