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Dauertest-Zwischenbericht: Nissan X-Trail – Stadt, Land, Berg, Tal

Ein halbes Jahr befindet sich der Nissan X-Trail bereits in unserem Fuhrpark. Zeit für eine durchaus erfreuliche Zwischenbilanz.

07.09.2015 Online Redaktion

Inzwischen sind wir recht gut mit dem X-Trail zusammengewachsen. Er ist so etwas wie ein Familienmitglied geworden, kraft seiner positiven Eigenschaften wie auch seiner Marotten (doch davon später). Das Schönste am X-Trail ist, dass er dich einfach in Ruhe lässt. Wie ein völlig belangloser technischer Gegenstand. Reinsetzen, anschnallen, Kupplung drücken, anstarten, wegfahren – wenn es sein muss, Stunden später entspannt aussteigen, als wäre gar nichts passiert. Die bösen Zungen der Redaktion nennen ihn den Opel Rekord der Neuzeit, was man durchaus als Kompliment verstehen kann, in Wahrheit jedoch etwas gar gehässig wirkt, denn so langweilig ist der Nissan nun auch wieder nicht. Optisch macht der X-Trail was her, garantiert einen saftigen Auftritt, ohne irgendwo anzuecken. Was natürlich der frappanten Ähnlichkeit zum kleineren, gut im Straßenbild verankerten Bruder Qashqai geschuldet ist.

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© Bild: Andreas Riedmann

Das Style-Paket bescherte uns die größeren Felgen, Dachreling plus die elektrische Heckklappe.

Der einzige Diesel im Programm

Aus diesem stammt übrigens auch der Antriebsstrang unseres X-Trail, um genau zu sein: der einzige Diesel im Portfolio. Und dieser macht seine Aufgabe hervorragend. „Unterm Turbo ist ein Loch, es ist sehr groß, ich warte noch …“, vermerkte David Staretz kritisch im Fahrtenbuch. Womit wir beim einzigen motorseitigen Kritikpunkt angekommen wären. Es verlangt etwas Gewöhnung, den Motor nicht in die drehmomentarme Zone fallen zu lassen. Wer sich jedoch ständig jenseits der 1700 Touren bewegt, bekommt die Qualitäten des Aggregats zu spüren. Zunächst gehört der 1600er zu den leiseren Motoren unserer Tage, wird niemals aufdringlich. Auch dreht er emsig und willig, so man es etwas eiliger hat. Was uns jedoch besonders gefällt: wie asketisch sich der Nissan verhält. Wir haben es ja alle immer ein wenig eilig (Ausnahme: Martin Strubreiter), dennoch muss man sich wahrlich bemühen, um mehr als 7 Liter/100 km durch die Einspritzdüsen zu jagen. Bei gemächlicher Fortbewegung schafft man es tatsächlich, den Normverbrauchswerten nahe zu kommen, was für ein Bröckerl von 4,65 Metern und knapp 1,6 Tonnen durchaus bemerkenswert ist.

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© Bild: Andreas Riedmann

Nur von oben sichtbar: Das Panoramaglasdach, dessen erstes Drittel sich öffnen lässt.

War das Schaltgetriebe die richtige Wahl?

Mittlerweile sind wir uns einig, dass wir besser die Automatikversion (Xtronic, ein stufenloses CVT-Getriebe) gewählt hätten, da diese besser zum teddybärhaften Wesen des X-Trail passt. Die manuelle 6-Gang-Box ist zwar okay, wird aber ob des wabbeligen Schalthebels sicher nicht als Musterbeispiel für Schaltpräzision in die Geschichte eingehen.

Und dann wäre da noch die Geschichte mit der Traktion: Zu Beginn hatten wir Bedenken, wie wir denn mit nur zwei angetriebenen Rädern durch den Winter kämen. Kurz: Absolut problemlos, so man über gute Winterreifen und etwas Gefühl im Kupplungsfuß verfügt. Natürlich zupft auf Schnee dann manchmal die Lenkung und schlupfen die Räder in die Traktionskontrolle (wie manchmal auch bei nasser Fahrbahn beim flinken Anfahren), wenigstens weiß der Fahrer dann auch gleich beim Beschleunigen, dass sich der Bremsweg verlängern wird.

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© Bild: Andreas Riedmann

Das Cockpit: dienstbar und ­rätselfrei.

Die Bedienung lässt keine Fragen offen

Eine bedingungslose Empfehlung gibt es an dieser Stelle für das Navigations- und Multimediasystem, das in Sachen intuitiver Bedienbarkeit vom Feinen ist. Erschütternd, wie umständlich sich da andere Hersteller immer noch bei der Bluetooth-Kopplung des Mobiltelefons anstellen. Im Nissan funktioniert das praktisch im Vorbeigehen.

Bleiben noch die Marotten: Wenn wir uns etwas fürs Facelift wünschen dürften, so wären das gewiss gegen Kratzer weniger empfindliche Plastiksorten im Kofferraum. Schließlich kann der X-Trail bis zu 1982 Liter verladen, diese nutzt man gerne aus. Sonst? Die ausgefallene Start/Stopp-Automatik hat sich beim nächsten Neustart von selbst wieder geheilt. Da hatte die Motorsteuerung vermutlich ihren schlechten Tag – was bei Familienmitgliedern ja auch manchmal vorkommen kann.

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© Bild: Andreas Riedmann

Die verschiebbare Rückbank ist nett, wird von uns aber nie genützt, weil immer genug Platz herrscht. Wird wohl öfters bei Siebensitzern als Verhandlungsgrundlage in Sachen Fußraumverteilung verwendet.

SHORTCUT

Was wir mögen
Die blechgewordene Diskretion. Nervt niemals, funktioniert einfach. Die Zurückhaltung an der Tankstelle.

Was uns fehlt
Das Automatikgetriebe (woran wir selber schuld sind).

Was uns überrascht
Dass uns der Allradantrieb auch im Winter nicht abgegangen ist.

Perfekt, wenn
… man gerne auf unauffällige Art und Weise im Trend liegt.

Die Konkurrenz
Alle mittelgroßen SUVs (mit Option auf sieben Sitze).

Daten Nissan X-Trail 1,6 dCi Acenta

Preis € 31.625,– (NoVA 8 %)
Basispreis € 28.400,– (Visia)
Steuer jährlich € 538,56
Motor, Antrieb Vierzylinder-DI-Turbodiesel (1598 ccm), manuelles 6-Gang-Getriebe.
Leistung/Drehmoment 96 kW (130 PS)/4000/min, 320 Nm/ 1750/min.
Fahrleistungen 0-100 km/h 10,5 sec, Spitze 188 km/h, Normverbrauch/CO2 5,7/4,5/4,9 l/100 km/129 g/km. Testverbrauch 6,4 l/100 km.
Dimensionen 5 Sitze, L/B/H 4640/1820/1710 mm, Tank 60 l, Kofferraum 550-1982 l.
Räder 225/65 R 17.
Gewichte Leergewicht 1575 kg, Zuladung 435 kg, Anhängelast 750/2000 kg.
Ausstattung 2-Zonen-Klimaautomatik, Radio-CD-Kombination mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und USB- und AUX-Schnittstelle, Multifunktions-Lederlenkrad, photochromer Innenspiegel, Einparkhilfe vorne und hinten, Licht- und Regensensor, Tempomat mit Limiter, ZV mit FB.
Extras Metallic-Lack € 587,–, Navigationssystem inkl. Around View Monitor € 1.174,–, Fahrer-Assistenz-Paket (Fernlichtassistent, Notbrems-assistent, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung) € 789,–, Style-Paket (19’’-Felgen, Dachreling, elektrisch betätigte Heckklappe, Smart-Key) € 2.440,–, 3. Sitzreihe € 799,–, Panorama-Glasschiebedach € 977,– etc.

  • Marko Weiß

    Die X-Tronic mit 8 virtuellen Stufen ist genial! Euch diese vorzuenthalten seid ihr echt selbst schuld :)

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