Toyota Landcruiser 3,0 D-4D Elegance 2014 vorne front kühlergrill seite scheinwerfer
„Unter den letzten Offroadern ist er der mutigste.“
 

Bekenntnisse eines Lebensmanns: Toyota Land Cruiser 3,0 D-4D

Dauertest-Einstieg: Ein Jahr lang wohnen, wo andere fahren. Arbeiten, wo andere Urlaub machen, und erhaben sein, wo andere sich hetzen müssen.

01.08.2014 Online Redaktion

Hier ist es, das schonungslose Bekenntnis von einem, der ­alles erlebt, gesehen und getan hat. Einfach weil er es kann und es ihn schon seit 1951 gibt. Der Toyota Land Cruiser wurde erst durch Einsätze in Krisen­gebieten auf der ganzen Welt bekannt, dann auf Rallyes ­berühmt und reifte die letzten Jahre im Schatten des SUV-Booms und seiner eigenen Historie zu der etwas schrulligen Legende, die er heute ist. Angesiedelt zwischen Mercedes G-Klasse, Land Rover ­Defender und VW Touareg.

Toyota Landcruiser 3,0 D-4D Elegance 2014 heck hinten kofferraumklappe heckklappe heckleuchten felgen

„Niemand hört es gerne, aber heutzutage bemisst sich der Grad der Freiheit in der Anzahl der Ablagen.“

Toyota Land Cruiser: der mutigste

In seiner jetzigen Evolu­tionsstufe wird er uns ein Jahr lang als Dauertester begleiten. Auch, weil er im Wettbewerbsumfeld der premiumgebürsteten ­Wüstenbezwinger der ­mutigste ist. Schickt Toyota den Gatsch-Koloss doch mit einem Vier­zylinder-Diesel ins Rennen, während seine Mitbewerber allesamt sechs Brennräume haben. Mutig. Vor allem, wenn man bedenkt, wie der Land Cruiser als Darsteller seiner selbst nach außen wirkt. Eine Wirkung, die sich mit ­einer Zahl fixieren lässt: 9. So viele Quadratmeter nimmt er nämlich im Straßenverkehr und bei der Parkplatzjagd ein. So viel Raum braucht man eben, wenn man seine Zweitwohnung mobilisiert ­haben möchte. So hat der Kunde auch genug Platz für ­einen Kühlschrank zwischen den vorderen Lederfauteuils – das Wort „Sitz“ gäbe die Gemütlichkeit im Langstreckengleiter nur ­unzureichend wieder.

Toyota Landcruiser 3,0 D-4D Elegance 2014 kühlschrank kühlbox

Die Kühlbox macht lange Fahrten kürzer und kühlt tatsächlich.

Das alles sind die Eckdaten, die in den kommenden Monaten unseren Alltag bestimmen werden. Und die ersten 6000 Testkilometer waren vielversprechend. Mit dem Vierzylinder-Diesel ist der Land Cruiser zwar nicht rassig bestückt, aber eben doch so souverän, wie man es von einem Auto dieser Größe erwartet. Wer glaubt, in der Stadt mit Mopeds oder auf der Autobahn mit Vertreter-Kombis mithalten zu müssen, hat den Wagen missverstanden und wird mit einer enormen Geräuschkulisse bestraft.

Auch die Wandlerautomatik im Land Cruiser war nie dazu gedacht, Rennen zu gewinnen, die auf betonierten Straßen stattfinden. Am deutlichsten wird das auf der deutschen ­Autobahn. Fährt man dort den Wagen mit Verve und Tempo 150 als Durchschnittsgeschwin­digkeit, werden die Schaltvorgänge spürbar und das Getriebe fühlt sich unwohl.

Toyota Landcruiser 3,0 D-4D Elegance 2014 innen innenraum hinten kofferraum

MULTITALENT Bett oder Kofferraum? Wir wollen uns noch nicht festlegen.

Übers-Land-Cruisen

Wie überhaupt das ganze Auto, was sich dann im Verbrauch niederschlägt. Die angegebenen 8,1 Liter werden wir, auch über ein Jahr verteilt, wohl nicht ganz erreichen. Der Land Cruiser wiegt eben 2,2 Tonnen und ist beinahe das höchste Redaktionsmitglied. So viel träge Masse und Luftwiderstand müssen erst einmal überwunden werden.

Außerdem werden viele der Kilometer auf der Autobahn abgespult werden. Zwischen Wien und Hamburg, Zürich und Salzburg und immer wieder gen Süden. Es ist sogar so, dass es sich empfiehlt, einen Zettel aufs Lenkrad zu kleben, auf dem die restlichen Urlaubstage des Fahrers vermerkt sind, damit die unweigerlichen Spon­tanausbrüche aus der Stresszone besser überlegt sind.

Dazu verleitet dieser Land Cruiser nämlich. Zum, dieses Wortspiel ist unausweichlich, gemütlichen Übers-Land-Cruisen. Ohne dabei überhaupt ankommen zu wollen. Immer weiter fahren wollen ist das Prinzip. Mit kalten Getränken in der Mittelkonsole, dem Handy neben der Geldbörse in dem Fach oberhalb von MP3-Player und Keksen. Der Grad der Freiheit lässt sich heutzutage in Ablagen messen.

Die Bordelektronik ist ein einziges, vernetztes Belohnungssystem

Es ist wie das Geschirr, das man einem ­Büffel umlegt, um nach dem Ausritt ein gepflügtes Feld zu haben. Auf Reisen lassen sich allerlei Akkus an der 220-Volt-Steckdose ­laden, ein Hörbuch über zwölf Laut­sprecher hören und der Frühstückssaft kühlen. Alles gleichzeitig.

Die Möglichkeiten sind derart endlos, wir konnten sie noch gar nicht alle testen. Sogar über einen Internetzugang verfügt der Land Cruiser. Dass es Fahrer gibt, die den nicht nutzen wollen, kam den Ingenieuren nicht in den Sinn. Und so fragt das System bei jedem Neustart, ob es eine Internetverbindung herstellen soll. Nein.

Toyota Landcruiser 3,0 D-4D Elegance 2014 mittelkonsole bedienelemente

Die Geländefunktionen sollten Schritt für Schritt ­erlernt werden.

Ansonsten ist alles auf Gemütlichkeit ausgelegt. Lenkrad und Sitze können beheizt werden, die Mittelkonsole ragt, von Holzapplikationen umrahmt und vom Farbdisplay gekrönt, daneben auf. Die Aufteilung der Funk­tionen ist dabei schlüssig. Das Navigationssystem samt Unterhaltungselektronik, verstaut in einem Touchscreen, liegt oben auf. Darunter ist die Klimaanlage positioniert – samt unwürdiger Casio-Digitaluhr. Ganz ­unten stehen die Ein­stellungs­möglichkeiten für das Fahrwerk und die Offroad-Technik bereit. Wohlfühl-­Gadgets wie Tempomat und Radiobedienung sind rund um das Lenkrad angeordnet.

Der Trick bei der Fahrwerkseinstellung ist, den Land Cruiser stets im Sportmodus zu bewegen. Der ist in etwa so sportlich wie eine Schiffsschaukel, was Rückschlüsse auf den Comfortmodus zulässt.

Das kostet unser Land Cruiser

Bezahlt werden muss so viel Luxus freilich auch. 84.250 Euro (davon gehen € 26.146,55 an den Staat) werden für diesen Land Cruiser fällig. Zum Basispreis von 71.751 Euro kamen Metallic-­Lackierung (€ 900), Anhängevorrichtung (€ 1.400) und das President-­Paket (€ 10.200) dazu. Letzteres
muss sein. Beinhaltet es doch Lederausstattung, Luft­federung und das Offroad-Paket.

Das Offroadpaket ist es, was den Land Cruiser über die Masse an SUVs, ja selbst über manch hartgesottenen Konkurrenten erhebt. Zum ­serienmäßigen zweistufigen Verteilergetriebe, also der Geländereduktion samt Mittel­differenzial, kommt noch eine Hinterachssperre und das Multi-Terrain-Select-System (MTS) – ein Drehrad, mit dem die Technik bedient werden kann.

Toyota Landcruiser 3,0 D-4D Elegance 2014 schlüssel keyless go

Der Schlüssel ist eine in Plastik gegossene Schlichtheit, passt damit nicht zum Auto und wirkt eher deprimierend. Kann aber eh in der Tasche gelassen werden.

Serienmäßig enthalten ist auch die Anhängerstabilisierungskontrolle (TSC), eine ­Erweiterung des ESP. Sensoren messen, ob der Hänger ins Schlingern gerät, und das ­Gespann wird eingebremst. Und eine Anhängekupplung werden wir brauchen. Wollen wir doch den Land Cruiser ­artgerecht bewegen.

Bei so vielen Möglichkeiten hoffen wir, dass wir dem Auto gerecht werden. Die Ansprüche bedienen können und noch ­genug Urlaubstage haben.

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