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Wir bitten für das erste Facelift um ein beheizbares Lenkrad.
 

Platz ist in der größten Hütte: Dauertest-Einstieg Škoda Superb Style TDI

Unser Jahr im gewaltigsten Golf aller Zeiten: Wird uns im Angesicht glattester Perfektion zuerst kalt oder fad? Oder weder noch? Weil wir schließlich draufkommen werden: Wenn alles passt, dann passt eben alles?

18.10.2015 Autorevue Magazin

Wir öffneten den Kofferraum und dachten: Verdammt, der geht vor bis zum Armaturenbrett! Wir luden also ein, was einzuladen war, drei oder vier Eishockeytaschen und ein paar Bierkisten, wanderten sodann ums Auto herum, öffneten eine hintere Tür und blickten in einen Fond, der so nur ausschauen kann, wenn die Vordersitze bis zum äußersten Anschlag nach vorne geschoben sind. Alsdann nahmen wir Platz, zwei Einsfünfundneunziglatten vorne, ohne die Sitze zu verstellen. Die beiden Latten erfuhren keine Einschränkung. Alle saßen Businessclass. Alltag im neuen Superb.

Es wird ein Jahr lang unser Alltag sein, und wir haben den Superb auf die verständigste Weise konfiguriert: 190-PS-Diesel, der Grundpreis ein knapper Vierziger. Wir legten um einen Zehner drauf: Adaptive Fahrwerksregelung, Leder-Interieur mit Sitzbelüftung, Edel-Navi mit Verkehrszeichenerkennung und ein paar Kleinigkeiten. Sechsgang-Doppelkupplung war schon drin.

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© Bild: Andreas Riedmann

Oben sehen Sie die Geläufigkeit eines Konzerncockpits. Doch ­freilich: Besser geht es kaum.

Ein Chefauto.

Sie werden das an der Autorenschaft der Folgeberichte vielleicht erkennen. Bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts  konnte er mit fadenscheinigen Begründungen (Auto abgeschleppt, Schlüssel verloren, Auto beim 150-Kilometer-Service, auf einer Hochzeit, gestohlen) gerade noch hingehalten werden.

Der Superb, zumal in einer Ausstattung wie der unseren, ist das Auto für den Lottogewinner, der unauffällig bleiben will und sich obendrein nicht von überzüchteten Technologieträgern nerven lassen will. Nach wenigen Wochen können wir sagen: Dieses Auto macht keine Fehler. Es geht nicht einmal um die schon fast berüchtigten Skoda-Witzigkeiten wie Regenschirme in Türen und Dosenhalter, die die Flaschen beim Aufschrauben festhalten. Solche Ideen könnte sich jeder Hersteller aus dem Ärmel fiepsen, wenn er sich die Mühe machte, ein paar Minuten nachzudenken. Es geht um die Erkenntnis: Hier passt alles.

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© Bild: Andreas Riedmann

Das große Ding im Superb ist die Größe (die man von außen kaum erahnt). Auch hier sieht das eigentlich ­enttäuschend aus: Die Fotografie stößt an ihre Grenzen. Oder ist das Model schuld?

Skoda Superb: Doch „nur“ ein aufgeblasener Golf?

Dabei darf man nicht vergessen: Das hier ist ein aufgeblasener Golf. Nein, keine Polemik. Beide basieren auf derselben Plattform, beide bedienen sich technisch aus denselben Sortimenten. Man hat sich nicht einmal die Arbeit angetan, die Armaturenlandschaft erkennbar unterschiedlich zu machen, dabei sind das ja, am Endgebrauch gemessen, weiß Gott unterschiedliche Autos.

In zwingender Folgerichtigkeit findet sich praktisch alles, womit sich Skoda das Premiumhafte in seinen Superb hereinholt, auch bei den besseren VWs, und bedient wird es mit denselben Schaltern und Tasten: Beheizte Windschutzscheibe, Infotainment-Baukastenelemente, Assistenzsysteme. LED im Skoda allerdings auch nicht gegen Aufpreis. Seltsam.

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© Bild: Andreas Riedmann

„Hallo Echo!“, rief Otto einst. „Hallo Arsch­loch!“ rief es ­zurück. So was ist hier nicht passiert, der ­Superb ist ein höfliches Auto.

DSG? Unverzichtbar.

Beengt in einem Auto zu sitzen ist das Schlimmste, so gesehen ist das außergewöhnliche Platzangebot ein Asset, mit dem der Superb an den Nutzwert einer langen S-Klasse heranreicht. Es sind nur ganz wenige Posten aus der Aufpreisliste notwendig, um sich hier ein lebensbegleitendes Refugium höchster Güte zusammenzustellen, wir haben sie angekreuzt: Ledersitze mit Klimatisierung, adaptives Fahrwerk, elektrisch verstellbarer Beifahrersitz, Sitzheizung hinten. Wir bitten für das erste Facelift um ein beheizbares Lenkrad. DSG erhöht den Preis des Autos um 2.520 Euro, es ist unverzichtbar. Das adaptive Fahrwerk kann vier verschiedene Fahrprofile, markant sind indessen vor allem zwei, nämlich „Sport“ und „Comfort“. Die beiden unterscheiden sich erheblich, und sie sind so unkompliziert einzustellen, dass man da gerne öfters hin- und herwechselt, und sei es nur, um entschlossen einen Traktor zu über-holen. In „Comfort“ schwebt das Auto sanft übers Land, schaukelt versonnen über die Bodenwellen. Nicht, dass bei „Sport“ jetzt ein Vulkan ausbricht, aber der Superb wird doch im Handumdrehen knackiger im Gasannehmen und im Fahrverhalten.

Auch dann bleibt der große Skoda auf der defensiven Seite. Unser 190-PS-Diesel arbeitet leise und glatt, ist aber alles andere als ein Kraftmeier.
Der Superb wäre ein feines Familienauto, würde er nicht zu großen Teilen in Dienstwagenflotten und Mietautoschwärmen verloren gehen.

Unser Superb, so viel ist gewiss, wird viel von der Welt zu sehen bekommen, denn wir fliegen ja nicht mehr gerne. Auf diesen Reisen, das halten wir auch für gewiss, wird er uns wohl kaum positiv überraschen – zu klar liegen die zahllosen Talente jetzt schon zutage. Hoffen wir also auf eine negative Überraschung, damit wir wenigstens irgendwas zu erzählen haben. Wir melden uns rechtzeitig.

// SHORTCUT
Was wir mögen
Unnerviges Auto, toll in jeder Hinsicht, bis auf Folgendes:
Was uns fehlt
Dass jemand vergessen hat, das Panoramaglasdach abzubestellen. Die Sonne scheint durch die Abdeckung, daher Fehlkonstruktion. Nicht nur bei Skoda. Überall.
Ist wie das nicht ganz durchgebackene Brot, das es jetzt überall gibt. Also: Kein Panoramadach!
Was uns überrascht
Wie prägnant das adaptive Fahrwerk funktioniert.
Perfekt, wenn
… man das perfekte Auto sucht. Hier ist es.
Die Konkurrenz
E-Klasse und Fünfer sind viel teurer. Passat geht eher. Auch Mazda 6, Opel Insignia etc., aber die sind innen alle so schrecklich klein im Vergleich zum Superb.

 

// Daten Skoda Superb Style TDI SCR 190 PS
Preis € 38.510,– (NoVA 6 %)
Basispreis € 26.680,– (TSI Act. 125 PS)
Steuer jährlich € 919,44
Motor, Antrieb Vierzylinder-CR-Turbodiesel (1968 ccm), 6-Gang-Doppelkupplungsgetr., Frontantrieb.
Leistung/Drehmoment 140 kW (190 PS)/3500/min, 400 Nm/1750/min.
Fahrleistungen 0-100 km/h 7,7 sec, Spitze 234 km/h, Normverbrauch/CO2 4,5 l/100 km/118 g/km. Testverbrauch 5,2 l/100 km.
Dimensionen 5 Sitze, L/B/H 4861/1864/1468 mm, Tank 66 l, Kofferraum 625–1760 l, Reifen 215/60 R16.
Gewichte Leergewicht 1555 kg, Zuladung 620 kg, Anhängelast 750/2100 kg.
Ausstattung Frontradarassist mit City-Notbremsassist, Fahrerkniebag, Fernlichtassist, 2-Zonen-Klima-auto-matik, Parksensor v./h., Regensensor,Tempomat, Sitzheizung v., Bi-Xenon-scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht, LED-Heckleuchten, Farbdisplay, elektrisch verst. Memorysitz für Fahrer etc.
Extras Adaptiver Tempomat € 674,–, adaptive Fahrwerksregelung € 974,–, elektr. Heckklappe € 610,–, Leder-Interieur € 1.527,–, Panorama-Glas
schiebedach € 983,–, Radio-Navi € 517,–/1.738,–, Rückfahrkamera € 378,–, Spurwechsel-, Spurhalte- und Ausparkassist € 887,–, TV-Tuner € 1.072,–, Metallic-Lack € 527,– etc.
  • Eduard S.

    Ein schönes Auto, bleibt aber ein de facto Viersitzer, da der Mitteltunnel für die Kardanwelle in Richtung Hinterräder es praktisch unmöglich macht, hinten in der Mitte bequem länger als ein paar Kilometer zu sitzen. Und dann das überholte tiefliegende Limousinen Konzept, welches einen Ein- und Ausstieg nur mit affenartigen Verrenkungen ermöglicht, sowie die geringe bordsteinunfreundliche Bodenfreiheit. Was ist dagegen ein BMW X6 für ein Auto überragend in Design und Nutzwert, wiewohl in Übersichtlichkeit und Alltagstauglichkeit . Selbst wenn man im Konzen bleibt, wäre ein VW Touran (mit höhergelegtem Schlechtwegefahrwerk) oder der neue Tiguan das um Häuser vernünftigere Auto.

    • A.Mittermair

      Komisch, dass sogar hier immer wieder, vermutlich von echten Experten, Birnen mit Äpfeln verwechselt werden.
      Ich fahre seit 1971 BMW z.Z. einen 330XD und meine Frau einen X 3.
      Zwei völlig unterschiedliche fantastische Fahrzeuge. Und wir würden uns jederzeit vorstellen könne einen Skoda Superb anzuschaffen, für den entsprechenden Zweck natürlich.
      Aber einen X 6 nur in einer Sparte als überragend zu bezeichnen, würde uns nie einfallen, schon gar nicht im Vergleich zum Skoda.
      Um die selbe Diskrepanz, auch vom Preis ausgehend auszudrücken,
      könnten sie den X 6 besser mit dem Porsche Cayenne Turbo vergleichen!

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