R8-2
 

Das Regenrennen von Antibes

Wenigstens das Wetter können die großen Konzerne nicht beeinflussen. Also stellte Audi sein neues Cabrio im strömenden Regen vor.

10.03.2010 Autorevue Magazin

An alles haben sie gedacht: Die Location war als Cote d’Azur, genaugenommen Antibes, ausgewiesen und somit von gutem Ruf. Desgleichen die Übernachtungsstation: chic. Gutes Essen, zum Beispiel Spargelschaum im Glase. Allerdings drohten von den Alpes Maritimes glitzernd weiß die Schneefelder herunter. Die Wolken genau über uns drohten nicht – sie waren über die Phase der Drohung schon hinweg und setzten um. Es regnete.

Am Programm stand widmungsgemäßes Ausführen des neuen Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro. 525 PS, 313 km/h Spitze, Grundpreis 197.000 Euro. Für Spyder mit R tronic sind 205.070 Euro auszulegen. Beim Sprint durch den Regen vom Hotelportal zum Auto der erste Eindruck: zehnmal schöner als der normale R8. Weil während dieser hinterwärts recht fad absinkt und dann auch noch diese komische Materialeinlage hinter den Türen hat, insgesamt also schon wieder daherkommt wie ein flachgedrückter Käfer, fetzt der Spyder mit einem akzentuiertem Cockpit unter Stoffdach und einer fast waagrechten Motorabdeckung. Das sieht deutlich mehr nach Supersportwagen aus und hat jetzt wirklich Testosteron!

Erste Fahreindrücke: Der V10 steht jenseits jeder Kritik, was soll man sagen – das 1700-Kilo-Auto (100 Kilo schwerer als das Nichtcabrio) lässt sich damit schupfen wie Spielzeug. Fahrwerk top, Allrad gerade beim Regen ein Segen. Rundumsicht geht gerade noch, hinten coole, kleine Heckscheibe, die sich elektrisch versenken lässt. Man sitzt hart, eine längere Fahrt (Wien-Nizza oder sowas) wird man sich zuvor gut überlegen. Der Kofferraum vorne fasst gerade ein Cabinbag. Ist das Dach offen, bläst der Wind um den Kopf. Aber nicht viel.

Problemzone jedoch das Getriebe. Da hätten wir das sequenzielle Schaltgetriebe R tronic. Kann man mit – wunderbarem! – Alustick, mit Paddles am Lenkrad oder automatisch verwenden. Im Automatikmodus wird jedes Höherschalten als krasse Verzögerung wahrgenommen, man sitzt im Auto wie ein Wackeldackel. Das ist, sagen die Audileute, weil man nicht selber schaltet, mit Kupplung und allem, dann spürt man das halt stärker. Kann ich bei einem 200.000-Euro-Auto echt nicht gelten lassen. Wenn das so nicht hinhaut, müsste man eben eine Wandlerautomatik oder ein Doppelkupplungsgetriebe anbieten. Tut man aber nicht. Es gibt aber auch was Positives: Beim Runterschalten mit den Paddles gibt es ein wirklich cooles Zwischengasaufgeheul. Das frommt!

Also manuelles Sechsganggetriebe. Das kommt gut, klickklick fährt der Alustick in der Alukulisse auf und ab. Trockenes Vollziehen. Nur halt etwas unzeitgemäß.

Ein Wort noch zu den Franzosen. Die sind ganz aus dem Häusl, als ich durch die Gassen von Antibes und über die Straßen des Hinterlandes dröhne. Erhobene Daumen allüberall. Schulterklopfen beim Aussteigen. Das ist Audis Beitrag zur Völkerverständigung.

Mehr zum Thema
pixel