VW up! Exterieur Statisch Heck Volkswagen
Der up! ist schon da, der Seat Mii und der Skoda Citigo sind schon in den Startlöchern.
 

Das große Ganze

Ein Fahrbericht zum neuen VW up!, Seat Mii und Skoda Citigo.

04.10.2011 radical mag

Vorweg: die Konzernbrüder Skoda Citigo und Seat Mii gibt es schon. Wegen der vielen Überschneidungen begnügen wir uns aber mit diesem Fahrbericht.

Es sei also so gewesen: Auf dem Rückflug von der Automesse in Detroit im Winter 2007 saß die ganze Führungscrew des Volkswagen-Konzerns gemeinsam im Flieger und sinnierte darüber, wie der deutsche Hersteller dereinst, bis spätestens 2018, die Weltherrschaft im Automobilbau erringen könnte. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Ferdinand Piëch, Konzernleiter Martin Winterkorn, Technikvorstand Ulrich Hackenberg und Chefdesigner Walter da’Silva waren sich einig, dass sich dies hehre Ziel nur mit einem Kleinwagen erreichen lassen werde. Folglich setzte sich da’Silva gleich mal hin und zeichnete noch vor der Landung jenes Auto, das auf der IAA in Frankfurt (15. bis 25. September) unter dem Namen up! (klein, mit Ausrufzeichen) seine Weltpremiere erleben wird.

Piëch und Winterkorn sollen, so beschreibt es die Legende, den Entwurf noch im Flugzeug abgesegnet haben. Hackenberg verstand den Wink und machte sich umgehend an die Umsetzung.

VW up! Exterieur statisch front Volkswagen

Zuerst versuchte er es noch mit einem von einem Heckmotor angetriebenen Wägelchen (das im Herbst 2007 auf der IAA als Studie gezeigt wurde). Doch der Kostendruck sei zu hoch gewesen, und deshalb ist der kleinste Volkswagen jetzt ein ganz konventionelles Fahrzeug mit Frontmotor und Frontantrieb, aber auch mit ganz vielen komplett neu konstruierten Komponenten, die gemäß VW-Jargon „aufwärtskompatibel“ sind, also auch für andere Modelle verwendet werden können.

Unterdessen ist es aber so, dass die Volkswagen-Gruppe den Kleinwagen wohl gar nicht mehr brauchen würde, um die Spitzenposition unter den Herstellern zu erringen – und wohl schon vor 2018. GM, 2007 noch Weltmarktführer, hat sich zwischenzeitlich mal in den Konkurs verabschiedet (nimmt aber unterdessen wieder die Führungsposition ein, aber auf niedrigerem Niveau). Toyota wurde seiner Leaderfunktion nicht lange froh und wurstelt auf dem dritten Rang herum, bereits so ein bisschen bedrängt von Hyundai/Kia.

Doch der Kleine wird die VW-Zahlen natürlich weiter beflügeln, und wenn es ihn dann spätestens 2013 auch in China, Indien, Südamerika (jeweils in marktkonformen sowie vor Ort produzierten Ausführungen) geben wird, werden die Zahlen des Volkswagen-Konzerns wohl noch dramatischer nach oben schießen. Skoda und Seat sitzen ja auch schon mit im Mini-Boot.

Aussehen tut er ganz nett, der up!, sehr wie ein VW. Das Markendesign kommt auch hier wieder zur Anwendung. 3,54 Meter lang ist der up! geworden, 1,64 Meter breit und 1,48 Meter hoch, der Radstand beträgt stattliche 2,48 Meter.

Damit ist der VW zwar eines der kleinsten viersitzigen Automobile überhaupt, aber das Rad können auch die Deutschen nicht neu erfinden. Das Raumgefühl ist allerdings, vor allem dank der weit vorne liegenden, großen Frontscheibe, nicht schlecht, doch ein Kleinwagen ist ein Kleinwagen und bleibt auch in der Wolfsburger Interpretation ein Kleinwagen. Hinten möchte man als normalgroßer Mitteleuropäer nicht über lange Strecken sitzen müssen.
Zumal der Einstieg alles andere als komfortabel ist – man muss die Arme überkreuzen, um an einem Plastikhebel fummeln sowie gleichzeitig die Lehne samt Gestühl nach vorne drücken zu können. Sind alle vier Sitze an ihrem Ort, gibt es noch anständige 251 Liter Kofferraum. Als Zweisitzer schafft der up! dann 951 Liter. Das hingegen ist wirklich beachtlich.

Unter der Haube arbeitet ein neu konstruierter 1,0-Liter-Benzimer mit drei Zylindern, der entweder 60 oder 75 PS leistet. In der schwächeren Version soll der up! 4,2 Liter/100 km verbrauchen. Sehr gute Ansage. Später kommt dann noch eine Erdgasvariante dazu mit nur 79 g/100 km. Anfang 2013 wird eine voll elektrifizierte Version folgen, der e-up!.

Im Fahrbetrieb ist der Dreizylinder ein knorriger Kerl, aber er setzt den kleinen VW ganz anständig in Bewegung, und das auch in Tempobereiche, die hierzulande zum Führerscheinentzug führen.

VW up! Exterieur dynamisch Heck Volkswagen

Das Getriebe lässt sich bestens schalten. Es gibt fünf Gänge, die manuell zu bedienen sind, kein DSG, keinen Automaten, auch nicht gegen Aufpreis. Doch das braucht es auch nicht: Als Leergewicht gibt Volkswagen 929 Kilo an. Das ist nun zwar nicht gerade revolutionär für so einen Kleinwagen, doch der grassierenden Adiposität haben die Deutschen jetzt mal einen Riegel geschoben. So rollt man denn einher, mit dem Verkehr schwimmt man alleweil bestens mit im up!, und die großartigen sportiven Ambitionen soll man sich eh verkneifen – solch Tun ist nicht mehr zeitgemäß und in einem Kleinwagen seit jeher sinnbefreit.

Das Fahrwerk ist erfreulich komfortabel ausgelegt, aber das ergibt auch Sinn, denn der up! soll ja vor allem in der Stadt bewegt werden, und da will man es sich ja nicht dauernd knochentrocken geben. Vorne ist es eine McPherson-, hinten eine Verbundlenker-Achse – ein relativ großer Aufwand. Rollen tut der Kleine serienmäßig auf 14-Zöllern. Es gibt auf Wunsch aber auch 15- und 16-Zöller, alle relativ schmal, damit der Laufwiderstand nicht zu groß wird.

Beim Innenleben haben die Wolfsburger gut über die Alpen geschaut. Quer über den Armaturenträger zieht sich ein Plastikteil, auf Wunsch schön farbig oder auch angepasst auf die Außenlackierung, wie es der neue Fiat 500 wieder in Mode gebracht hatte. Das sieht auch im up! gut aus, bringt eine fröhliche Leichtigkeit in den Kleinwagen, der ja nicht in allen Belangen so seriös sein muss wie der Golf. Auf eine mächtige Mittelkonsole haben die Wolfsburger verzichten können, und doch ist alles da, was der Mensch so braucht, um sich von A nach B zu bewegen.

Das Lenkrad ist unten abgeflacht, und für einmal ergibt das vielleicht sogar Sinn, weil es Platz spart. Die Armaturen werden von einem riesigen Tacho dominiert, was vielleicht weniger sinnvoll ist, denn die großartigen Geschwindigkeitsexzesse wird man kaum erleben im up!. Uns gefällt es aber, das ist nett und adrett, das alles – auch die Sitze sind anständig.

Einige Details machen richtig Spaß am up!. Zusammen mit Navigon hat VW ein tragbares Navi entwickelt, das auch als Infotainment-System dienen kann. PID heißt es, „portable infotainment device“, 400 Euro wird es kosten.

Für 200 Euro Aufpreis gibt es das City-Notbrems-System, das über einen Sensor den Abstand zum vorderen Auto misst und bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h im Notfall selbständig eine Vollbremsung einleitet. Weniger aufregend sind die „up! boxes“ – kleine, leichte Boxen für die verschiedensten Situationen und Bedürfnisse, wie das bei VW heißt.

In Österreich wird der up! ab etwa 10.000 Euro zu haben sein.

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