Radical MAg Chevrolet Camaro ZL-1 Courtesy of RM Auctions
 

1969 – Veteran: Das endgültige Vieh

Weil es eben nicht reicht, nur die Neuauflage des Camaro ZL-1 zu bestaunen.

22.03.2011 radical mag

Als wir kürzlich erfahren durften, dass Chevrolet einen etwas flotteren Camaro auflegen wird, 550 Pferdchen, dicke Backen, da erinnerten wir uns ganz weit entfernt, dass es so etwas doch schon einmal gab. ZL-1, ZL-1 – genau! Es war das Jahr 1969, wahrscheinlich der beste aller Auto-Jahrgänge ever, und Chevrolet baute damals einen Camaro, wie es ihn vorher nie gegeben hatte. Und nie mehr geben sollte. Und er trug den Namen: ZL-1.

Doch schauen wir zuerst einmal zurück. Ford hatte mit dem Mustang, der am 17. April 1964 erstmals auf den Markt kam, gewaltigen Erfolg. Zwar wurde der Mustang auch mächtig aufgedonnert – Shelby! -, doch eigentlich war der Ford im Vergleich zu den «muscle cars» mehr ein Pferdchen, oder eben ein «pony car», wie später das gesamte Segment genannt werden sollte. GM und AMC und Chrysler blickten neidisch nach Dearborn, und es war klar, dass auch die Ford-Konkurrenten unbedingt so ein Pony im Stall haben mussten. Zwar war Chrysler mit dem Plymouth Barracuda (der eigentlich hätte Panda heissen sollen) noch zwei Wochen vor Ford am Start, doch die erste Barracuda-Generation war wenig aufregend, ein fristierter Valiant reichte halt nicht gegen den Mustang. Der Javelin von AMC kam 1967, und das war dann schon ein ziemlich heisses Teil, doch der Konzern war eindeutig auf dem absteigenden Ast, was die Chancen des Javelin nicht gerade verbesserte. Doch da war dann noch GM, damals der mit Abstand grösste Hersteller der Welt.

Radical MAg Chevrolet Camaro ZL-1 Courtesy of RM Auctions

Am 28. Juni 1966 veranstaltete GM einen Anlass in Detroit – und an 14 Orten in den USA, alle miteinander verbunden für die welterste Live-Presse-Konferenz. Die Ansprache hielt Pete Estes (der Mann hatte 1964 auch den Pontiac GTO verantwortet), der eine neue Modellreihe ankündigte, dann sogar noch den Namen verriet: Camaro. Als die Journalisten dann nachfragten, was das denn bitt’schön sein soll, Camaro, antworteten die Chevrolet-Mitarbeiter: «Ein kleines, böses Tier, das Mustangs frisst.»

Die ersten Camaro standen am 29. September 1966 bei den Händlern, grobe zweieinhalb Jahre nach dem Mustang. Auch wenn der neue Wagen gewisse technische Verwandschaften hatte mit dem eher öden Chevy Nova, so war doch extra für den Camaro (und den ein Jahr später folgenden Pontiac Firebird) eine komplett neue Plattform entwickelt worden, der so genannte F-Body. Basis-Motorisierung war ein 3,8-Liter-Sechszylinder (230 ci), doch es gab von Anfang an richtig böse Geräte, etwa den SS, für den ein 6,5-Liter-V8 (396 ci) erhältlich war.

Doch der wahre Geheimtip war die Option Z/28, die im Dezember 1966 eingeführt wurde. Auf dem Papier sah sie nicht nach viel aus, ein 302-ci-V8 (4,9 Liter Hubraum) mit offiziell 290 PS (bei 5300/min) diente als Antrieb. Doch wer genauer hinsah, wusste schnell, dass Papier geduldig ist – und der Z/28 eigentlich ein Renn-Gerät. Der Motor hatte einen Alu-Block, einen 4fach-Holley-Vakuum-Vergaser, scharfe Nockenwellen – und drehte locker bis 7000/min. Das bedeutete dann: mindestens 400 PS. 602 Z/28 wurden vom 67er-Jahrgang verkauft. Das war nichts im Vergleich zum Erdbeben, das der Camaro unter den «pony cars» verursachte: 221’306 Exemplare wurden schon im ersten Jahr abgesetzt.

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