Das Ende des Elektroantrieb Etron Audi Elektromotor
 

Game over

Autohersteller stoppen ihre Elektroauto-Pläne.

20.03.2013 Autorevue Magazin

Eine Meldung der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ rüttelte kürzlich wieder alle auf, einerseits die Befür­worter des Elektroautos, die darin die Rettung des ­Globus sehen, andererseits die Gegner, die, mitunter nicht weniger religiös, im Elektroauto einen kompletten Schwachsinn erkennen: „Audi stellt Elektroauto-Neuentwicklung ein.“ Der erste Gedanke dazu mag wohl sein, dass es kein gutes Zeichen für die Zukunft des Elektroautos ist, wenn der derzeit erfolgreichste Premiumhersteller im heißesten Fight der jüngeren Automobilgeschichte das Handtuch wirft.

Im zweiten Durchlauf der Gedanken ergibt sich aber ein anderes Bild: Audi beschließt offenbar als Erster, das Geldverbrennen an der Ober­fläche zu beenden, in das sich die Autohersteller hineinmanövriert haben, indem sie selbst einen an Hysterie grenzenden medialen Boom ums Elektroauto kräftig angeheizt haben. Um nicht als Zukunftsverweigerer dazustehen, wurden jede Menge Konzeptfahrzeuge präsentiert und krause Visionen zur Zukunft der Elektromobilität ventiliert.

Ein Ausstieg aus der Elektroautoentwicklung, wer immer diesen ankündigt und in welcher Form er dies auch macht, bedeutet aber nicht das definitive Ende des Elektroantriebs, dafür ist die Elektrifizierung des Automobils schon viel zu erfolgreich fortgeschritten und der Druck für Veränderung viel zu groß, aber es bedeutet, dass das Thema nun wieder bei Ruhepuls diskutiert werden kann.

Alleine über die Themenbereiche Hybridisierung, Wasserstoff und Brennstoffzelle besteht nach wie vor eine Näherungsbewegung in Richtung Elektromobilität und ein vorerst leiser Rückzug aus der Kohlenstoffwelt. Die Show um das Elektroauto als vermeintliche Wunderwaffe ist aber vorüber, jetzt heißt es, viel Geld in die ­seriöse Erforschung elektrischer Vorgänge zu stecken, weil darin unbestritten noch große Wirkungsgrad­vorteile schlummern.Rudolf Skarics

PS: Hintergrund der Aufregung: Audi bringt den A1 mit Range Extender doch nicht in Serie und entwickelt die elektrogetriebene Autosalon-Studie A2 nicht weiter. (Der A3 Plug-In-Hybrid mit 50 km elektrischer Reichweite kommt aber planmäßig 2014.)

  • Peter Nöbauer

    Ein paar Gedanken von meiner Seite zum Thema E-Autos:

    Audi/VW sehe ich hier wieder einmal nicht in einer vernünftigen Vorreiterrolle, sondern (zum wiederholten Mal) in der defensiven Abwarte-Position. Eigentlich nichts Neues. Man denke nur Familien-Vans vor 20 Jahren…

    Wenn man sich betrachtet, was Tesla zu vergleichsweise günstigen Preisen imstande ist zu produzieren (warum da keiner voll einsteigt, verstehe ich im Übrigen nicht), so kann ich die Jammerei der großen Autohersteller in keinster Weise nachvollziehen. Man müsste eben tatsächlich viel umstellen und die Öllobby wird wohl auch ihre Finger inm Spiel haben!

    Auch Volvo beweist ganz aktuell mit dem erneuerten Elektro-C30 was möglich ist – wenn man will!
    Auch der Nissan Leaf oder die Renault-E-Modelle seien erwähnt.

    Aber dazu gehörte natürlich auch eine entsprechende Infrastruktur. Da wäre nämlich auch die leidige Reichweitendebatte entschärft – mit Wechsel-Akkus sogar hinfällig! Aber da bewegt sich bei uns ja so gut wie gar nichts.
    Dazu sei auch erwähnt, dass zwar das Stadtgebiet einerseits als sinniges Feld für Elektromobilität immer wieder genannt wird, andererseits gerade hier das Ladeproblem für Private am Größten ist. Keine Möglichkeiten außerhalb des einen oder anderen Parkhauses oder Großparkplatzes! Das Kabel aus dem Fenster übern Gehsteig kann´s ja wohl nicht sein.
    Auch hier seien wieder Wechsel-Akkus erwähnt!

    Aber derzeit sind ja E-Autos wohl vor allem für Einfamilienhausbesitzer denkbar. Und die finden sich bekannter Maßen selten im Stadtgebiet.

    Mein Resumee:
    Wenn man wollte, könnten schon viel mehr Elektroautos unterwegs sein, wenn Rahmenbedingungen geschaffen würden, die dies auch möglich machten.
    Und technisch ist man schon sehr weit und hier wird sich in Zukunft sicher noch viel tun.
    Aber eben nicht dank VW/Audi, sondern dank anderer. VW wird dann wieder auf den Zug aufspringen und so tun, als ob sie´s erfunden hätten…
    Der hier für 2014 angekündigte A3-PlugIn-Hybrid wird (wenn der denn kommt) von Vielen wohl wieder als Pionier gefeiert werden, auch wenn Toyota hier schon längst am Markt ist, und Volvo sogar mit einem Diesel-Hybrid!

    Ein Wort noch zur Debatte, woher denn der Strom für E-Autos kommt: Nur weil nicht sämtlicher Strom sauber produziert wird, kann das wohl noch lange keine Rechtfertigung sein, dann lieber gleich selbst Abgase in die Luft zu blasen! Das ist ja geradezu absurd!

    In der Hoffnung auf eine bald fortschreitende Elektrifizierung unserer Fortbewegung verbleibt

    mit lieben Grüßen

    Peter Nöbauer

  • biosprit

    Sehr geehrter Herr Skarics!
    Gerade Sie hätte ich als den unerschütterlichsten Fels der Objektivität gesehen, und dann das:
    Beim mit Ihrer Autorenschaft gekennzeichneten SUV – Vergleich liegen Kuga und Tiguan beim Kapitel Sparsamkeit gleichauf, obwohl der Ford um ein Viertel (!!!) mehr Verbraucht als der VW.
    Um den Geruch eigener Befangenheit nicht aufkommen zu lassen: Ich persönlich würde mir keine einzige dieser bunkerten Schüsseln kaufen wollen.
    Ein Schelm, der Böses denkt, aber musste der Ford gewinnen, weil der Escort vom Chef wieder einmal hingebungsvolle Behandlung vom Lampelmaier benötigt?
    Übrigens kritisiere ich nicht gerne herum, aber Dass ein AR-Redakteur vom Pfad der Hundertprozentigkeit auch nur ansatzweise abweichen könnte, ist bei mir nicht vorgesehen.
    Liebe Grüße auch an die Kollegen
    Herbert Appl

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