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Das Audi R8 V10 plus Coupé in Le Mans

Während dem Rennwochenende auf dem Cicuit de la Sarthe in Le Mans, kurz vor dem 24-Stunden-Rennen, wird im Audi R8 V10 plus Coupé Platz genommen und auf der legendären Strecke gefahren.

12.06.2015 Online Redaktion

Schon beim starten des Audi R8 V10 plus Coupés wird klar, dieses Fahrzeug will sportlichst behandelt und gefahren werden. Und das 610-PS-Geschoss befindet sich nicht irgendwo, es steht in Frankreich, genauer in Le Mans. Hier findet soeben das Qualifikationstraining für das legendäre 24-Stunden-Rennen statt und in einer kurzen Unterbrechung darf der Kurs mit dem R8 befahren werden. Nach der Start-Ziel-Geraden kommt ziemlich schnell die Dunlop-Schikane und damit die erste Bewährungsprobe, da die Kurven-Kombination leicht nach außen hängt.

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© Bild: Werk

Neue Kupplung beim Audi R8 V10 Plus

Geschmeidig geht es durch das Geschlängel. Schon bei den ersten Metern wird deutlich, dass der Wechsel beim Allradantrieb von der Visco- zur Lamellenkupplung Gutes bringt. Im Vergleich zum bisweilen etwas störrischen Vorgänger lenkt der neue R8 deutlich freudiger ein und carvt souveräner mit einer leichten Übersteuerneigung durch die Kurve. Dabei hilft auch die mechanische Differenzialsperre an der Hinterachse. Wie heutzutage üblich, lässt sich auch der rote Rochen in verschiedenen Stufen anschärfen. Aber selbst im Dynamik-Modus stellt die 610-PS-Rakete, die nach nur 3,2 Sekunden aus dem Stand die 100-km/h-Marke erreicht den Fahrer vor kein großes Problem. Dieser R8 ist berechenbar und überrascht den Piloten nicht mit Ausreißversuchen. Ohne Zweifel ein Tribut an die wachsende asiatische Kundschaft. Im Vergleich zum ungehobelteren Bruder Lamborghini Huracan, ist der Ingolstädter bei aller gewonnenen Agilität und Spritzigkeit immer noch kommoder. Eben für die „ich-könnte-wenn-ich-will“-Fraktion.

Hier der R8 e-tron auf dem Nürburgring

Tempo 240 statt 330

Weiter geht es im 13 Kilometer langen Tanz um die legendäre Rennstrecke. Rauf aufs Gas. Fast freudig folgt der R8 dieser Aufforderung und tritt dem Fahrer mit der ganzen Vehemenz des maximalen Drehmoments von 560 Newtonmetern ins Kreuz. Jetzt kommt die Hunaudières-Gerade, die eigentlich jeder nur Mulsanne-Gerade nennt. Diese ellenlange Tempo-Bolz-Passage ist mit Schikanen garniert, um die brutal schnellen Le-Mans-Boliden einzubremsen. Geschwindigkeiten jenseits der 400 km/h sind nicht mehr drin. Also erreicht auch der schnellste Audi R8 nicht die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h, aber 240 km/h sind immer noch genug, wenn es auf eine Schikane mit einer kleinen Auslaufzone zugeht. Zweimal tritt man brutal in die Eisen, nur um dann über die Curbs zur räubern und möglichst früh wieder aufs Gas zu steigen. Auch hier bewahrt der Audi R8 die Contenance. Das liegt auch daran, dass die Karosserie um 40 Prozent steifer ist und sich auch bei schnellen Richtungswechseln weniger verwindet und wie das berühmte Brett liegt. Beruhigend aber irgendwie auch zu einfach.

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© Bild: Werk

Theorie und Praxis

Beim Rausbeschleunigen spielt das Doppelkupplungsgetriebe seine Vorteile aus. Die Schaltwechsel sind spürbar schneller als bisher. Die Schaltwippen am Lenkrad kitzeln noch etwas mehr aus dem Getriebe heraus. Der eine oder andere wird die archaische Rustikalität des sequentiellen Getriebes vermissen, aber entspannter geht es mit der S-tronic voran. Rasend schnell kommt die nächste Klippe. Die berüchtigte Mulsanne-Kurve. Schaut auf dem Papier einfach aus, hat es aber durchaus in sich. Schon beim Anbremsen tänzelt der neue R8 leicht. Das liegt an dem welligen Asphalt, der wenig mit der Rüttelbahn früherer Tage zu tun hat, aber immer noch genug Instabilität ins Auto bringt. Wo die Profis extrem spät in die Eisen steigen, verhindert die Vorsicht irgendwelche Harakiri-Aktionen. Zumal es die Ecke wirklich in sich hat und das Heck aktiv werden lässt.

Lust auf mehr

Die nächsten Kurven, egal ob Virage Indianapolis oder Virage Porsche werden zur Spaßveranstaltung. Warum? Ganz einfach, weil der Audi R8 V10 Plus ein vertrauenserweckendes Automobil ist, dass den Grenzbereich früh ankündigt und den Fahrer nie im Unklaren in die nächste Aktion lässt. Nachdem die Boxengasse erreicht ist, knistert das V10-Aggregat noch etwas nach, als wenn es sagen wollte: „Wie, das war es schon?“ Vorerst schon, aber der schnelle Audi macht Lust auf mehr. Wenn man denn mindestens 218.900 Euro zur Verfügung hat, soviel wird für das herkömmliche 540-PS-Coupé fällig, das V10 plus Coupé kommt dann schon auf 241.500 Euro.

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