Mercedes Unternehmenssitz: Ein Fotograf auf dem Weg zur Pressekonferenz
Daimler plant große Schritte
 

Daimler will mehr

Der deutsche Autohersteller Daimler plant für die zweite Jahreshälfte seinen Marktanteil weiter auszubauen. Die S-Klasse soll dabei helfen. EADS hat schon geholfen.

25.07.2013 APA

 

Der deutsche Autohersteller Daimler plant für die zweite Jahreshälfte 2013 seinen Marktanteil weiter auszubauen. Dabei müssen sich die Schwaben bei EADS für ihren großen Gewinnsprung bedanken, ohne das Raumfahrtunternehmen hätten die deutschen Premiumhersteller ein deutlich schlechteres Ergebnis als noch letztes Jahr erzielt.

Kein Grund sich auszuruhen

„Unser Ergebnis hat sich im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres wie angekündigt deutlich verbessert und die Markterwartungen übertroffen“, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch in Stuttgart. „Das ist ein Fortschritt in unserer Ergebnisentwicklung, aber kein Grund sich auszuruhen.“ Von 2014 an soll beim operativen Ergebnis wieder ein Zuwachs stehen, kündigte der Autobauer an. Für 2013 rechnet der Dax-Konzern allerdings weiter mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern unter Vorjahresniveau.

Daimler setzt auf neue S-Klasse

Bei Umsatz und Absatz erwartet Daimler schon in diesem Jahr ein weiteres Plus. „Dazu sollte auch China beitragen“, kündigte Zetsche an. Anfang des Jahres hatte Daimler dort noch mit Absatzeinbrüchen zu kämpfen. Aufholen will der Konzern nun unter anderem mit der runderneuerten S-Klasse, die im Herbst in China und den USA eingeführt wird.

Neue Vertriebsstrategie

Der Autobauer Daimler will die Erzrivalen BMW und Audi bis 2020 mit Hilfe einer neuen Vertriebsstrategie überholen. „Mit Blick auf unsere Wachstumsstrategie Mercedes-Benz 2020 entwickeln wir auch unser Marketing und unseren Vertrieb gezielt weiter“, kündigte Vertriebsvorstand Joachim Schmidt am Dienstag in Neuhausen auf den Fildern bei Stuttgart an. Der Autobauer hatte bereits angekündigt, junge Leute unter anderem mit Online-Verkäufen und Aktionen in Innenstädten stärker ansprechen zu wollen. „Wir haben tatsächlich die Hälfte der Kunden der A-Klasse vom Wettbewerb gewonnen“, betonte Zetsche. Der kleinste Mercedes-Benz richtet sich vor allem an eine jüngere Zielgruppe.

„One size fits all“ – war gestern

„One size fits all – mit dieser Strategie kommen wir nicht weiter“, sagte Schmidt. Der Autobauer hat dazu verschiedene Zielgruppen ausgemacht – neben den klassischen, eher älteren Daimler-Kunden stehen dabei nun vor allem junge Leute im Fokus. Sie will der Autobauer künftig stärker in ihrem persönlichen Umfeld ansprechen. Temporäre Auftritte auf Stadtteilfesten und in Parks sollen dazu ebenso beitragen wie mehr Ansprache und Service im Netz.

Daimler plant Online-Shops

Wer möchte, soll sein Auto daher bald auch vom heimischen Sofa aus kaufen können: Bis Ende des Jahres plant Daimler zusammen mit seinen Niederlassungen in Hamburg und im polnischen Warschau erste Pilotprojekte für Online-Shops, in denen zunächst vor allem die Kompaktwagen angeboten werden. Kürzlich hatte BMW ebenfalls mit der Nachricht, einen Online Shop zu eröffnen, aufhorchen lassen.

 Niederlassungen auf dem Prüfstand

„Wir haben Kunden, die kommen nicht mehr so einfach ins Autohaus, die müssen wir auf andere Weise ansprechen“, sagte Schmidt. Am klassischen Handel wolle man zwar trotzdem festhalten. Allerdings räumte Schmidt ein, Daimler sei ständig bestrebt, seine „Niederlassungen effizienter und effektiver zu machen“. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass die Schwaben ihr deutsches Niederlassungsnetz auf den Prüfstand stellen.

EADS hat die Zahlen aufgebessert

Aktuell bescherte der Verkauf der Anteile am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Daimler einen starken Gewinnsprung. Das Konzernergebnis wuchs im zweiten Quartal um 193 Prozent auf rund 4,6 Mrd. Euro. Die vorläufigen Zahlen hatte Daimler bereits vor eineinhalb Wochen vorgelegt. Vor Zinsen und Steuern standen 5,2 Mrd. Euro. Ohne EADS wären es allerdings lediglich gut 2,1 Mrd. Euro gewesen, während das operative Ergebnis im Vorjahreszeitraum bei rund 2,3 Mrd. Euro gelegen hatte. Der Umsatz wuchs leicht um drei Prozent auf 29,7 Mrd. Euro.

Künftig keine Sondereffekte

Schon in der Bilanz für 2012 hatte der Verkauf von EADS-Anteilen den Konzern vor einem Gewinnrückgang bewahrt. Künftig kann Daimler allerdings nicht mehr auf solche Sondereffekte setzen: Die Schwaben haben Mitte April dieses Jahres alle verbleibenden Anteile an der Airbus-Mutter abgestoßen.

Der Streit um das Kältemittel

Der Kältemittelstreit zwischen Daimler und der EU indes schlägt sich noch nicht in der Bilanz nieder. „Hier qualifiziert nichts für eine Rückstellung“, sagte Finanzchef Bodo Uebber. Hintergrund ist, dass die Schwaben in den Klimaanlagen ihrer Autos ein inzwischen nur noch eingeschränkt zulässiges Kühlmittel verwenden, weil bei der Nachfolgesubstanz aus ihrer Sicht Brandgefahr besteht. Frankreich hat für bestimmte Modelle von Daimler daher einen Zulassungsstopp verhängt. „Das ist natürlich mit Kosten verbunden“, sagte Konzernchef Zetsche. Beziffern könne man sie derzeit aber noch nicht. Betroffene Kunden in Frankreich bekommen vom Konzern nun alternative Autos gestellt.

 

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