Branchenkenner Stefan Bratzel: "Ich sehe deutliche Lichter am Horizont" © TOBIAS HASE / EPA / picturedesk.com
Branchenkenner Stefan Bratzel: "Ich sehe deutliche Lichter am Horizont" © TOBIAS HASE / EPA / picturedesk.com
 

Daimler-Chef Zetsche geht in die Charmeoffensive

Zetsche will nach letzten Unstimmigkeiten mit dem Betriebsrat die Mitarbeiter stärker ins Boot holen.

06.02.2014 APA

Dieter Zetsche hat kein leichtes Jahr hinter sich. Querelen um seine Vertragsverlängerung, Ärger mit dem Betriebsrat und eine Gewinnwarnung machten dem Daimler-Chef 2013 zu schaffen. Nun will er sich wieder nach vorne kämpfen – den jüngsten Unruhen um den überraschenden Abgang von Produktionschef Andreas Renschler zum Trotz.

Musste er zuletzt noch Kritik von den Arbeitnehmervertretern einstecken, will er seine Mitarbeiter nun stärker ins Boot holen. Relativ kurzfristig, so ist es zu hören, besuchte Zetsche zuletzt die Mitarbeiter in der Fabrik und sah sich die einzelnen Bereiche an. Früher sei das nicht so häufig gewesen. „Er arbeitet sehr daran, wieder in den Sattel zu kommen“, sagte ein Beobachter.

Sonderbonus für Mitarbeiter

Neben einer Beteiligung am Ergebnis, bekommen seine Leute zudem einen Sonderbonus von 500 Euro. Als „ein Zeichen unserer Anerkennung für das außerordentliche Engagement“, sagte Zetsche.

Dabei ging es bei Daimler schon zu Beginn des Jahres wieder turbulent zu: Überraschend nahm Produktionsvorstand Andreas Renschler den Hut – auch, weil er keine Aufstiegschancen für sich gesehen hat, wie er am Donnerstag in einem Interview verriet.

Renschlers Abgang dürfte Zetsche bei seinem Weg zurück in den Sattel allerdings nicht unbedingt schaden, denn intern hat er damit auch einen Konkurrenten weniger. Renschler hatte sich nach eigener Aussage selbst Hoffnungen auf dessen Posten als Mercedes-Chef gemacht. Intern wurde er bereits als ein möglicher Kronprinz Zetsches gehandelt.

„Zetsche ließe keine Kritik zu“

Zetsches Vertrag als Vorstandsvorsitzender war im vergangenen Jahr wegen Querelen mit dem Betriebsrat nur um drei statt um fünf Jahre verlängert worden. Er lasse keine anderen Meinungen zu und schon gar keine Kritik, hieß es hinter den Kulissen.

Dieses Bild scheint der 60-Jährige nun geraderücken zu wollen. Neben Abstechern in die Fabrik machte er intern kürzlich mit einer anderen Aktion von sich reden: Im Intranet startete er eine Kampagne gemäß dem Motto „Was Sie schon immer über den Vorstandsvorsitzenden wissen wollten“, wie eine Daimler-Sprecherin bestätigte. Die häufigsten Fragen beantwortete Zetsche dann in einer Video-Botschaft.

„Ich sehe deutliche Lichter am Horizont“, sagte Branchenkenner Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Neben einem zugänglicheren Auftreten habe der Daimler-Chef vor allem durch eines gepunktet: gute Ergebnisse. Dadurch werde klar, dass Zetsche in der Vergangenheit die richtigen – wenn auch nicht immer populären – Entscheidungen getroffen habe.

Tatsächlich präsentierte Zetsche bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Stuttgart gute Zahlen: Der Autobauer übertraf die eigenen Ziele und stellte für die Zukunft Verbesserungen in allen Geschäftsbereichen in Aussicht. „Wir wissen, dass der Weg, den wir gehen richtig ist und uns weiter nach vorne bringt“, sagte Zetsche.

Daimler will BMW und Audi bei Absatz und Profitabilität überholen

Dennoch gibt es für ihn genug zu tun, etwa bei der Profitabilität. Im vierten Quartal kam Daimler in seiner Autosparte auf eine Rendite – den Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz – von 7,5 Prozent. Die Erzrivalen BMW und Audi haben noch keine aktuellen Zahlen vorgelegt, schafften aber zuletzt um die 9 Prozent. Daimler will die beiden Erzrivalen BMW und die VW-Tochter Audi bis 2020 unter anderem bei Absatz und Profitabilität überholt haben.

Helfen soll Daimler dabei auch ein milliardenschweres Sparpaket, das Ende dieses Jahres allein in der Autosparte mit insgesamt 2 Mrd. Euro zu Buche schlagen soll.

Zetsches Vertrag läuft aktuell bis 2016. Ob er 2020 noch selbst bei Daimler am Steuer sitzt, dürfte auch von seinen Erfolgen in diesem Jahr abhängen. „Es gibt noch viel zu tun“, sagte ein Beobachter aus dem Daimler-Umfeld. „Ich glaube nicht, dass seine Position auf Jahre gesichert ist.“

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