Daihatsu Charade dyn links
Den kennen wir doch?
 

Testbericht: Daihatsu Charade Top

Kurz bevor der Vorhang fällt, kommt der Charade.

14.10.2011 Autorevue Magazin

Eigentlich eine unerbauliche Geschichte. Daihatsu, eine Toyota-Tochter, ist seit Jahren in Europa erfolglos, verkaufte zuletzt sogar weniger Autos als Porsche. Nur Nische Kleinwagen geht hier offenbar nicht. Anfang dieses Jahres wurde beschlossen, mit Jänner 2013 das Engagement zu beenden. Aus mit Daihatsu in Europa. Service und Ersatzteile soll es noch 15 Jahre lang geben.

Die freundliche Seite der Geschichte ist, dass Daihatsu am japanischen Heimmarkt gesund aufgestellt ist, und zwar im Segment der ganz kleinen Autos (Kei-Car). Mit rund 15 Modellen bietet man dort auch ordentlich Auswahl.

Hier hingegen wurde vor dem Abgang noch ein neuer Charade präsentiert, der allerdings außen wie innen identisch mit dem Toyota Yaris in der eben ausgelaufenen zweiten Generation ist (den neuen Yaris gibt es ab Oktober).

Das war bzw. ist ein Auto mit Meriten. Bietet überall gut Platz, netten Motor (es gibt nur einen: 1,3-Liter-Benziner mit 99 PS), die Fondsitzbank ist sogar um 15 Zentimeter längs verschiebbar. Das wird man in der Regel ausnützen, denn der Kofferraum ist, wenn keine Lehnen umgelegt sind, mit seinen 275 Litern mehr was fürs Einkaufen als fürs Verreisen. Da reicht dann aber auch die Minimalvariante.

Man kennt den Yaris als sehr gut verarbeiteten, ablagenreichen und komfortablen Kleinwagen, und so ist auch der Charade. Das Niveau von Logik und Ästhetik bei den ­Armaturen ist für die Gegenwart schon sehr hoch und lässt uns für den nächsten ­Yaris ­einiges erwarten. Fahrwerk und folglich Fahrver­halten sind allerdings schon etwas ­angejahrt. In brenzligen Situationen, zumal bei plötz­lichen Lenkmanövern, geht die Exaktheit schnell verloren und macht einer beunruhigenden Schwammigkeit Platz, ESP ­verhütet Schlimmeres.

Das ändert aber nichts an der hohen Alltagstauglichkeit und der geschmeidigen, weil ein­fachen Bedienbarkeit des ­Charade, bei vergleichsweise enormer Ausstattung – über die man sich noch mehr freuen wird, wenn man dem Händler mit sorgfältig vorbereiteten ­Argumenten (Auslaufmodell etc.) noch ein paar Tausender heruntergerissen hat und auf diese Weise zu einem durchschnittlich modernen, überdurchschnittlich günstigen, praktischen Auto kommt.

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