crashtest-dummy: nicht angeschnallt
Crash Test Dummies fahren auf Urlaub
 

Crashtest ÖAMTC: Lebensgefährliche Ladung

ÖAMTC-Crashtest zeigt tödliche Gefahren auf

26.06.2013 APA

 

Unsere Autos scheinen so sicher wie noch nie zu sein, aber dennoch lauern bei falscher Personen- und Ladungssicherung unterschätze Gefahren.

Ein Test des ÖAMTC/ADAC zeigt die fatalen Folgen bei einem Crash mit 50 km/h auf. Nachgestellt wurde eine Fahrt in den Sommerurlaub in einem Mittelklassewagen. „Bei einem Aufprall mit 50 km/h fliegen ungesicherte Gepäckstücke von Kofferraum und Rücksitzbank in die Fahrgastzelle. Die Insassen müssen mit schwersten Verletzungen an Kopf, Brust und Wirkbelsäule rechnen“, fasst ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zusammen.

Aus 20 werden 500 kg

Der ÖAMTC-Techniker rechnet vor, dass ein nicht gesicherter Gegenstand im Crashfall mit 50 km/h das 30 – 50fache seiner Gewichtskraft an Wucht entwickeln kann. Das bedeutet, dass ein Gegenstand mit 20 kg, der formschlüssig an der Rückbank anliegt und dieselbe Verzögerung wie das Fahrzeug erfährt, mit einem Gewicht von ca. einer halben Tonne gegen die Rückbank drückt. Mit der Geschwindigkeit potenziert sich die Gefahr, denn: Doppelte Geschwindigkeit bedeutet vierfache Aufprallenergie.

Bitte anschnallen!

Als fataler Leichtsinn erweist sich fehlende oder falsche Personensicherung: Nicht angegurtet (Fahrer) bzw. angegurtet, aber die Füße am Armaturenbrett (Beifahrer), erleiden die Insassen schwerste bis tödlichen Kopfverletzungen. „Beim Crash mit 50 km/h rutscht der nicht angegurtete Fahrer nach vor, trotz Airbag-Auslösung prallt der Kopf gegen die Windschutzscheibe. Beim Beifahrer werden die Beine durch den Airbag nach oben geschleudert. Die Füße durchschlagen die Scheibe, der Kopf schlägt auf Unterschenkel und Knie“, beschreibt der ÖAMTC-Techniker.

Ungesicherte Ladung wird zur lebensbedrohenden Gefahr

Für den Test wurde ein BMW 5er als Beispiel für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse einmal richtig und einmal falsch beladen, und zwar mit einer Kühlbox (10 kg), einem Kanister Scheibenwaschmittel (10 kg), einem Trolley (10 kg), drei Koffern (je 25 kg), zwei Gartenstühlen (je 5 kg), einem Gartentisch (10 kg), zwei Klappliegestühlen (je 4 kg) und diversen Spiele und Zubehör.

Gepäckstücke werden zu Wurfgeschossen

Für den Crashversuch mit schlecht gesicherter Ladung wurden der Tisch und die Sesseln flach aufeinander gelegt, schwere Taschen darauf gestellt. Spiele und weiterer Urlaubsbedarf standen auf der Beladung, die Kühlbox hinter dem Beifahrer ungesichert auf der Rücksitzbank. Beim Aufprall mit 50 km/h wurde der Innenraum völlig demoliert. Die Gepäckstücke trafen die Insassen und verursachten schwere Verletzungen.

Mit der richtigen Sicherung können Unfälle glimpflich ausgehen

Bei einem zweiten Test wurde alles korrekt gesichert. Sperrige Gegenstände wurden auf der Rücksitzbank positioniert und durch die Sicherheitsgurte gesichert, die schweren Koffer und Taschen standen an der Rückbank an. Die Gepäckstücke wurden mittels Gurte an den Zurrösen befestigt und diagonal zusammen geschnürt. Kleinteile wurden verstaut. „Auch der Crashversuch mit gut gesicherter Ladung überzeugte nicht ganz. Zwar wurde niemand von der Ladung verletzt, doch auch hier war die Grenze des Möglichen schnell erreicht. Die Rückenlehne der Rücksitzbank war mit der Belastung durch die schweren Koffer bereits an der Belastungsgrenze angekommen“, erklärt der ÖAMTC-Experte.

Bei mangelnder Ladungssicherung drohen hohe Geldstrafen

Nicht gesicherte Ladung ist auch strafbar. Sie kann bei einer Kontrolle zu Geldstrafen führen. „Bis zu 5.000 Euro sind möglich. Außerdem kann die Weiterfahrt verboten werden“, warnt ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. Wiederholungstätern droht der Führerscheinentzug. Denn Verstöße gegen die Ladungssicherungspflicht werden sogar mit einer Vormerkung geahndet, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet wurde. „Eine Tasche auf dem Rücksitz gehört hier nicht dazu. Sehr wohl aber Gegenstände, die auf der Straße landen und den Nachfolgeverkehr gefährden“, stellt Hoffer klar.

 

Hier das Crashtest-Video vom ADAC:

 

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