Citroen DS3 Cabrio Testbericht
 

Testbericht: Citroën DS3 Cabrio

Große Freiheit finden wir anderswo, aber die Qualitäten des Citroën DS3 Cabrio erschließen sich im Gesamtkonzept der Moderne.

06.06.2013 Autorevue Magazin

Ähnlich wie beim Vorgänger C3 Pluriel lässt sich das, was Dach sei, als Stoffbahn nach hinten wegschieben, anders als dort kann man sich ersparen, auch die seitlichen Fensterrahmen-Teile abzumontieren: Das ist jetzt eh nicht mehr möglich. Freilich entsteht so kaum mehr als ein erweitertes Schiebedach-Gefühl. Die 16-Sekunden-Öffnungsautomatik des Webasto-Systems verzeichnet drei Stufen: Schiebedachluke normal, Panoramadach rauschend (der automatisch ausfahrende Windsplitter klingt recht angestrengt, bei Tempo 110 kommt eine Wummer­phase ins Spiel), und drittens folgt der Ur-Puch-500-Klassiker, Stoffziehharmonika statt Heckfenster. Paradoxerweise fühlt man sich dann trotz ciel ouvert eingeengter, weil der Lichtblick im Rückspiegel fehlt. Betätigt wird das alles über einen kleinen Overhead-Knopf, der größtenteils Automatikbetrieb zulässt. Auf das Absenken der vorderen Seitenfenster verzichtet man zu­gunsten zärtlich vom Fahrtwind gekräuselter Haare.

Der Innenraum des Citroen DS3 Cabrio

Sobald ein Dach verschwindet, bekommt der Innenraum gesteigerte Bedeutung. Phantastisch ist das tiefe Blau des Dashboards (€ 108,–) zu den belederten Sitzen (€ 954,–) und den belederten Armausnehmungen in den Türen. Pianolack auf der Mittelkonsole: Da wischt man doch gern öfter drüber. Sogar das Armaturen-Überdach ist Cabrio; es lässt durch unsichtbare Öffnungen Licht vor die Instrumente. Ein erhellender Effekt.

Citroen DS3 Cabrio Testbericht

Die ideale Lösung zwischen jugendlicher Moderne und klassischer Eleganz.

Düsternis herrscht hingegen im Kofferraum. Per stupender Kinematik öffnet er sich zum Einwurfschlitz für Flachware; der Picknickkorb kann nur über die Rücksitze eingestellt werden, was allerdings das Vorklappschieben der sperrig zu entriegelnden Vordersitze voraussetzt. Bei der Gelegenheit gleich einmal hinten Platz genommen: große brauchbare Haltegriffe (die man als Beifahrer vermisst), Knie in der Vorderlehnen-Ausnehmung, klaustrophobische Bullaugenfenster, groß­zügige Kopffreiheit. Aber hier zu dritt, wie es der Typenschein insinuiert? Nein, danke.

Cabriogefühl gibt es schon geschlossen genug: Typisches Nachfedern von Kanaldeckeln, typische Umgebungslautstärke, als hätte jemand ein Fenster offengelassen. Da zahlt sich die tolle HiFi-Anlage aus, künstlich zusammengespannt mit dem Navigationssystem eMyWay, alles zusammen € 929,–. Lästig: Die eingeblendete Radiosender-Liste neigt zum vorschnellen Entschwinden, man muss sie immer wieder herbeidrücken. Auch diese hinterm Lenkrad versteckten Auskenner-Satelliten für Audio und Tempomat sind so eine Sache; man will damit wohl eine eingeschworene Kundenbindung herstellen. Bei Licht am Tag verschwindet das sonst helle Display in Nacht-Dimmung und lässt sich nicht künstlich herbeidrücken. Immerhin kann man sich auf die zweimal fünf LED-Tagfahr­signale vorne verlassen.

Das Citroen DS3 Cabrio sieht phantastisch aus

Anderswo bereits erwähnt, hier nochmals bestätigt: Der DS3 sieht phantastisch aus, ­erfreut Passagiere und Passanten, damit könnte man wahrscheinlich à la longue die Marke sanieren. Erfrischender ­Widerpart zu den vorschnell alternden Konkurrenten Mini und Fiat 500. Retro ade! Der 1600-Benzindirekteinspritzer (THP 155) liefert 156 PS und kann per Momentenaufbau (240 Nm Maximum ab 1400/min) mit Wunderdieseln konkurrieren. So könnte man einige der sechs Gänge auch einsparen, doch die Maschine ist so angriffig und drehfreudig, dass man gern mit ihr ­arbeitet. In sieben komma vier Sekunden auf hundert, das ­zeitigt auch gute Zwischenspurts im Überholbereich. ­Sogar die Sechste ist noch auf Beschleunigung eingerichtet, bei Tempo 210 wird abgeriegelt. (Offenbar auch bei 8 Liter Verbrauch.)

Citroen DS3 Cabrio Testbericht

Allgemein Gilt: Staubtuch bereithalten!

Auch das Fahrwerk beherrscht erweiterte Dimen­sionen: Im Zweifel neutral und zusammen mit der E-Servolenkung immer gut nachfühlbar. Freilich wirkte hier die ­Limousine grundsätzlich ­gefestigter. Was beim Cabrio gar nicht geht, sind die schrecklichen Duftkollisionen. Citroën will uns ja hartnäckig zwangsbeduften, was erstens eine Beleidigung für das teure Parfum der Beifahrerin ist und zweitens mit den lang ersehnten Düften von Wald, Wiese und Frühling eine grausliche Mischung ergibt. Wir haben die inkriminierte Kanüle ins große Handschuhfach gesperrt, was wenig nützt. Der Deckel schließt nicht dicht genug.

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