Citroën Citroën C3 Picasso Testbericht

Autos mit praktischem Wesen ­müssen ja nicht sofort nach sich selbst aussehen.

01.05.2009 Autorevue Magazin

Schwarz ist in diesem Fall keine gute Farbe, eher im Gegenteil. Sie verleiht einen ernsthaften Unterton und sorgt verlässlich dafür, dass sich die schwarzen Applikationen außen, die sonst die Buntheit konterkarieren, quasi selbst verschlucken. Wer also einen C3 Picasso in seiner wahren Persönlichkeit entdecken will, möge bitte an den Fotos dieser Seiten vorbei- und in ein Prospekt schauen, sorry.

Wer dennoch hinschaut, erkennt ein würfeliges Auto, das mit gerundeter Front und fröhlichem Design gekonnt daran arbeitet, nicht nach Transporteur banaler Alltagsaufgaben dreinzuschauen (was übrigens den kleinwürfeligen Autos unserer Tage insgesamt sehr gut gelingt, dazu später).

Was er allerdings doch ist, wenn es darauf ankommt, also quasi immer: Der C3 Picasso ist innen deutlich größer, als es seine numerische Einordnung ins Citroën-Modellprogramm impliziert, aber zwischen drei und vier ist eben keine Ziffer mehr frei, um Zwischentöne zu nuancieren. Somit erinnert der Name an einen großen Kleinwagen, die Länge von 408 cm und das Platzangebot für vier Passagiere stellen ihn allerdings in Rufweite zur Kompaktklasse. Zur Kniefreiheit im Fond (die Rücksitze sind längs verschiebbar, die vorderste Position lässt aber kaum noch Platz für Beine) kommt nämlich das hohe Dach, und die Sitzlehne lässt sich ein Stückerl nach hinten kippen, was allerlei Freiheiten auf Reisen ausspielt. Auch mit drei Passagieren hinten wird das Murren auf mittleren Strecken nicht das serienmäßige CD-MP3-Radio übertönen, und vorne herrscht sowieso die aufgeräumte Langstreckentauglichkeit, die auch die C3-Limousine auszeichnet: Komfort, Platz und Ergonomie bieten kaum Argumente für teurere Vans, und die Instrumente muss man mögen. Besonders mit dem optionalen Navigationssystem (1.313 Euro Aufpreis) wirkt das Bildschirm-Ensemble etwas überladen, bleibt aber trotz mittiger Anordnung gut ablesbar. Der Digitaltacho ist obendrein lichtdurchlässig, wird also vom Gegenlicht erhellt (und leuchtet nächtens orange nach vorne).

Außen spielt der C3 Picasso in einem Segment, das neuerdings höchst angesagt ist und von Kia Soul und Daihatsu Materia beschickt wird, auch Renault Modus, Fiat Idea und Fiat Fiorino Qubo spielen irgendwie mit. Der C3 Picasso adressiert ein bisserl weniger die Coolness der Jugend als vielmehr die Fröhlichkeit der Erwachsenen, die nimmer cool sein müssen, weil sie schon Familie oder noch ausfüllende Hobbies haben.

Die 1506 Liter Laderaum bei umgeklappten Rücksitzen überflügeln jedenfalls einen Audi A4 Avant, das Umklappen der Fondsitzlehnen passiert auf einfachst mögliche Art durch Ziehen an einem einzigen Hebel, und auf die Gurte muss weder beim Umklappen noch beim Aufrichten der Lehnen geachtet werden.

Angesichts der innenraumzentrierten Ausrichtung des C3 Picasso wird der Motor erst an zweiter Stelle der Kaufgründe stehen, damit trifft unser 1,6 HDi mit 90 PS den Kern dieses Autos am feinsten: 215 Nm lassen den C3 Picasso nie kurzatmig werden, der Motor bleibt fröhlich, geschmeidig und unaufdringlich, auch der sechste Gang fehlt subjektiv nie: Bei 130 km/h dreht der HDi mit rund 3000 U/min, so bleiben Reisen entspannt. Und der Verbrauch bleibt mit 5,9 l/100 km angenehm niedrig.

Bestes Argument für den 1,6 HDi mit 109 PS und 240 Nm ist somit der Partikelfilter, auf den der schwächere HDi verzichtet.

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