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Sie sehen den Citroën C4 Cactus. Ohne Konzept, ohne Studie.
 

Vorstellung: Citroën C4 Cactus

Kunterbuntes Leichtgewicht wird in Genf präsentiert. Neben allerlei Innovationen bringt der Cactus auch ein neues Leasingmodell.

07.02.2014 radical mag

Wenn man jetzt mal alles PR-blabla zum C4 Catus wegstreicht, all dies «zum ersten Mal», «weltbester», «führend im Segment», etc., dann bleiben noch: 200 Kilo weniger Gewicht, 10 Prozent tiefere Betriebskosten, Luftkapseln als Aufpralldämpfer, ein neuer Airbag, Ausstellfenster hinten – und ein Sofa.

Damit hat Citroën zwar nicht gerade das Rad neu erfunden, doch wenn wir sehen, was uns im Hinblick auf dem kommenden Genfer Salon so alles als «neu», «total neu» und «aber extrem wahnsinnig unglaublich weltbest-neu-führend» verkauft wird, dann dürfen wir Citroën aber einen ganz grossen Kranz binden und wollen den Hut ganz tief ziehen. Geht doch – so ein bisschen Revolution ist in der weggenickten Auto-Branche tatsächlich noch möglich. Und irgendwie passt es auch, dass ausgerechnet der einstige Avantgarde-Hersteller Citroën ziemlich unerwartet ein paar Schritte nach vorne macht, es hatte sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet, dass man in Paris wieder zu einem Hauch Kreativität zurückgefunden hat.

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C4 Cactus basiert auf dem C3

Aber der Reihe nach. Das Ding heisst C4 Cactus, basiert aber weder auf dem C4 noch auf der neuen Plattform EMP2, sondern auf dem C3. Dies aus Gründen der Gewichtsersparnis: 200 Kilo leichter als ein vergleichbarer C4 will der C4 Cactus sein. Das heisst dann: 965 Kilo. Da muss man sich tatsächlich die Augen reiben, denn wir plaudern ja hier nicht von einem Kleinwagen, Polo oder C3 oder Peugeot 208, sondern von der Golf-Klasse. 4,16 Meter lang ist der Franzose, 1,73 Meter breit, 1,48 Meter hoch, der Radstand beläuft sich auf beachtliche 2,6 Meter, 358 Liter Kofferraum, mindestens. 11 Kilo können eingespart werden, weil es hinten Ausstellfenster gibt anstatt elektrisches Zeugs.

Ja, da ist ein Gewicht von weniger als einer Tonne tatsächlich beachtlich, aber es sind auch wieder einmal die Melonen, die mit Kiwi verglichen werden: der C4 Cactus ist ja kein echter C4 – und er kann, weil er so leicht ist, auch von schwächeren, sprich: leichteren Motoren angetrieben werden. 3,1 Liter oder 82 Gramm CO2/km sind mit einem konventionellen Diesel möglich, auch die Benziner schaffen unter 100 g/km.autorevue-neu-vorstellung-citroen-c4-cactus-9

Geringerer Verbrauch, geringere Betriebskosten, logisch.

Doch es geht noch weiter: Der C4 Cactus verfügt vorne, hinten und seitlich über so genannte «Airbump». Das sind, hmm, so kleine, in TPU (Thermo Pastic Urethan) eingegossene Luftblasen, die als Aufpralldämpfer dienen, austauschbar sind, keine Wartung erfordern – und so auch zu tieferen Reparaturkosten beitragen. Naja, schön ist anders – aber vielleicht bringt es ja wirklich etwas. Doch den tatsächlichen Nutzen wird man erst nach Jahren erkennen.
Oder auch nicht. Citroën wird für den Kaktus (und in Zukunft wohl auch die anderen Modelle) ein neues Kauf- und Leasing-System einführen; man kauft nur das, was man wirklich (ver)braucht, inklusive Kilometer-Pauschalen. Schaumermal, ob das funktioniert – aber der Ansatz ist spannend, gut, richtig, denn er würde für Kosten-Transparenz sorgen.autorevue-neu-vorstellung-citroen-c4-cactus-8

Neuer Beifahrer-Airbag

Tatsächlich eine Weltneuheit: der Beifahrer-Airbag, der sich nicht im Armaturenbrett befindet, sondern im Dachhimmel angebracht wird (und sich im Falle eines Falles dann der Windschutzscheibe nach ausbreitet). Bringt tatsächlich mehr Platz. Aber das können sie ja sowieso, die Franzosen – eigentlich ist der C4 Cactus ein riesiges Ablagefach mit ganz vielen integrierten Ablage. Mit einem cleveren Scheibenwischer, der nicht alles verwischt, sondern die Flüssigkeit von seiner Spitze aus feinst verteilt; das braucht rund die Hälfte weniger an Flüssigkeit, sagt Citroën.

Innen, tja, da ist eher Verzicht angesagt. Aber das kann klug sein, nicht alle wollen oder müssen in Luxus schwelgen. Kluges Bediensystem, wir kennen es aus den Picasso-Brüdern, es wird noch ein bisschen mehr auf die Spitze getrieben. Muss man nicht mögen, aber man kann. Was richtig toll ist: das Sofa. Wie daheim.

autorevue-neu-vorstellung-citroen-c4-cactus-12Das mit dem Design

Gut, man sieht es auf den Bildern, und wir können es bestätigen: schön ist er nicht, der C4 Cactus. Eigentlich ist er sogar eher, also, ach, schauen Sie selber. Aber der 2CV galt auch einmal als hässliches Entlein. Übrigens: wir sprechen hier nicht von einer Studie, das Ding kommt tatsächlich, schon im Frühsommer. Das ist vielleicht die grösste Überraschung überhaupt. Preise gibt es noch nicht, aber die Idee ist klar: teurer als (die eh nicht vorhandene) Konkurrenz wird das nicht. Die Weltpremiere des Kaktus findet auf dem Salon in Genf statt.

autorevue-neu-vorstellung-citroen-c4-cactus-14Der C4 Cactus in der Bildergalerie.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com.

  • friedrich priesner

    schön ist er nicht? das seh´ ich anders. scheint mir rundum gelungen (ein endgültiges urteil kann man natürlich erst in direktkontakt bilden)! nach dem C4 Picasso der zweite hoffnungsschimmer im citroen-design (nach der unglücklichen DS Serie und dem neuen C4)

  • Der Schwedenkönig

    Jetzt noch eine Federung, die den Namen verdient…

  • Gerald Grundschober

    bin neugierig nach all den „designhiglights“ wie ds5 & co. würd mir gfallen, auch neugeirig bin ich auf material und sympathie im kontakt.

  • Ann

    Also ich warte schon lange auf ein Auto, das wieder richtige (Stoß-)Dämpfer hat….bei dem nicht jeder Antupfer 1000 € Schaden verursacht. Wenn der Preis stimmt, ist es mir egal, wenn er ein bisschen häßlich ist.

  • jägermeister

    Bei allem, was man der Marke in den letzten Jahren so alles vorwerfen kann, muss man wirklich anerkennen, dass es Citroen diesmal geschafft hat, die Studie aus dem Vorjahr fast ohne große Veränderungen zur Serienreife zu bringen!

    Das ist definitiv die neue „Ente“! Das Zeug dazu hat er auf jeden Fall!

  • zitronen_bob

    Chapeau!

    Diesmal könnte es Citroen tatsächlich „geschafft“ haben – dieses Modell könnte es wirklich endlich draufhaben, wieder einmal auch abseits des „Heimmarktes“ ein Erfolg zu werden.

    Die Kombination aus ausreichendem Platzangebot, pfiffigem „Downsizing“-Innenraum (keine 35cm breite „Mittelkonsole“ …), nicht aggressivem und von Chrom abgeräumtem Äusseren (mit richtigen FARBEN (!) zur Auswahl) sowie einer vernunftorientierten Motorpalette (da fehlt dann noch der „Hybrid-Air“ …) sollte wohl schon ihre Anhänger finden …

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