Citroen DS9 Place de la Concorde
Der DS9 sieht aus wie ein VW Scirocco.
 

West-Ost-Gefälle

Mit dem Luxusliner DS9 versucht es Citroën erst gar nicht in Europa. China ist das Maß der Dinge.

16.04.2012 Autorevue Magazin

Der Kriegsschauplatz scheint sich tatsächlich in den fernen Osten zu verlegen. Oder wie sonst soll man das deuten, dass Citroën seinen nächsten Versuch, sich mit der Luxuslimousinensparte von Mercedes, BMW und Audi anzulegen, zunächst und möglicherweise sogar ausschließlich in China unternimmt? Das ist entweder eine Entscheidung von flirrender Skurrilität (unwahrscheinlich) oder ein weiteres beunruhigendes Indiz für die schleichende Bedeutungserosion Europas und der USA (wahrscheinlich). Was bei genauerer Betrachtung auch nicht so schlimm ist. Limousinen braucht hier kein Mensch.

Citroen DS9 Place de la Concorde

Da steht nun diese Design-Vorstufe eines flachgepressten Luxusliners, der in China entwickelt, gebaut und verkauft wird, Letzteres ab Ende 2013. Wir sehen ihn im Rahmen eines geheimen Fotoshootings für spätere Werbezwecke, das Citroën, weil es so geheim ist, auf der versteckten, kleinen Place de la Concorde in einem heruntergekommenen Pariser Banlieue machen lässt. Ganz zufällig kommt ein Spyshot-Knipser der französischen Autozeitschrift „L’Automobile“ vorbei, und schon am nächsten Tag sind die Fotos auf der ganzen Welt verbreitet, trotz der enormen Geheimhaltungsmaßnahmen von Citroën. Wie das Leben halt so spielt.

Das mit China könnte hingegen ernst gemeint sein.

Citroën-Chef Frédéric Banzet spricht von einer bevorstehenden Internationalisierung von DS, also der leicht abgehobenen Marke in der Marke. Da passt es gut ins Bild, dass jüngst eine neue Fabrik in China gebaut wurde. 200.000 DS-Modelle werden dort jährlich produziert. Neue Citroën DS3, DS4 und DS5 sollen in China, Russland und Brasilien an den Start gehen, und dann sind da noch drei weitere DS-Modelle, die überhaupt nur für China konzipiert werden: ein SUV, eine Mittelklasse-Limousine und eine Luxuslimousine richtig ausufernden Zuschnitts. Diese ist ebenjener Citroën DS9 von der Place de la Concorde.

Citroen DS9 Place de la Concorde

Das Concept-Car wird auf der kommenden Peking Motorshow gezeigt werden und basiert im Wesentlichen auf dem Metropolis, der 2010 in Shanghai für Aufsehen sorgte. Mit Hybridantrieb ist zu rechnen. Unter der Haube des Citroën DS9 steckt ein 1,6-Liter Benziner mit 225 PS. Der treibt die Vorderräder an. Die Hinterräder übernimmt ein 70-PS-Elektromotor. Es ist das gleiche Prinzip wie beim DS5-Hybrid. Rechnerisch soll sich so ein Durchschnittsverbrauch von 1,7 Liter auf hundert Kilometer ausgehen. Das wären 39 Gramm Co2 pro Kilometer. Aber der Wert für die Beschleunigung (5,47 Sekunden) zeigt es schon: reine Computerwerte.

Mit dem HX-1 gibt es übrigens einen fast identischen Peugeot-Ableger.

China also überall, und tatsächlich ist China für Citroën ein besonders wichtiger Markt, die Marke dort seit Jahrzehnten präsent. Und das Land ist der weltgrößte Markt für Chauffeurslimousinen.

Citroen DS9 Place de la Concorde

Der DS9 mit seinen (derzeit) 5,3 Metern Länge und zwei Metern Breite ist eine solche. Mercedes S-Klasse und BMW 7er werden mit diesen Maßen locker an die Wand gespielt. Auf dem Weg zur Serie wird noch einiges an Schnittigkeit verloren gehen, vor allem die Höhe von 1,4 Metern wird wohl noch überdacht werden, man könnte das sonst ja auch ethnisch in die falsche Kehle kriegen: Der Chinese – stinkreich, aber kleinwüchsig – flaches Auto reicht – Chinese angefressen – kauft weiter Maybach (1,56 Meter hoch).

Und sowieso ist die Beschränkung auf diesen einen Markt bedenklich. China scheint von manchen Konzernbossen für eine Art Schlaraffenland gehalten zu werden, in dem die Gesetze der Marktwirtschaft nicht gelten, sondern aus dem nicht endenwollender Reichtum fließt für alle jene, die nicht vollkommen vertrottelt sind.

Citroen DS9 Place de la Concorde

Das ist natürlich Blödsinn. China wird genauso Wachstumskrisen erleben wie jedes andere Land. Und darum schließt Citroën-Boss Banzet nicht dezidiert aus, dass der Citroën DS9 auch in anderen Ländern verkauft werden könnte, vielleicht sogar in Europa, wo freilich große Autos dieser Marke nicht die besten Perspektiven haben. „Unsere Ambitionen mit DS sind global zu sehen“, sagte er jüngst. Das kann alles heißen, und nichts.

Mehr zum Thema
  • Buc

    Ich habe alle „Grossen“ gefahren, ausser dem C6 – war mir zu teuer. Und gebraucht – die Foren waren voll davon von Hiobsbotschaften was alles nicht funktioniert, und wie die Werkstätten abzocken! Mein letzter, ein XM-Exclusiv mit Luxusaustattung,gab bei Km-Stand 120T das Getriebe(Automatik)ab! Die Odysee die ich damit erlebte will ich nicht noch mal beschreiben! Schade, aber mit den vielen Fremd-Verbauungen, wie z.B. des Getriebes, einem aus deutschem Hause..(wo bleibt die Qualität Made in Germany?) fing die Firmengeschichte der „Grossen“ schon zu Ende zu gehen. Also viel früher als wie jetzt erst von vielen gemeint mit dem C6. Ich fahre seitdem einen viel belächelten Dacia 1,6l in der besten Ausstattung, mit 84 PS – bis Heute, nach 4 Pflichtbesuchen beim Händler(wegen der Garantie, 3Jahre!) war das Auto noch nie (!) – ausser zum Winterreifen wechseln, in der Werkstatt. Das gute Teil läuft und läuft ohne zu mucken, so wie früher mein ID19, oder CX Automatic, ja schade um Citroen und die Hydropneumatik! Was besseres für das lenken und den Fahrkomfort gab es einfach nicht! Aber ich sage, Dacia ist auch nicht schlecht – und so viel habe ich noch nie beim Autofahren gespart! Deshalb habe ich mir jetzt noch ein Motorrad angeschafft – dummerweise ist das auch so sparsam. Also warten bis es bei uns den DS9 gibt, oder den den C7?
    Gut Blech, euch allen – Grüsse von Buc

  • Pingback: Ende des Citroën C6 : Citroën()

  • Der Schwedenkönig

    Mon Dieu, wie ässlich!
    Sischer ohne Hydropneumatique.

    • Buc

      Mon dieu, ast du gewartet hinter die Ecke um ganze eilisch deine ..ydropneumatique-Meinung los zu lassen? Dann .ünsche isch dir eine gut Verdauung auf deine ohe Ross..:-))

pixel