Citroen DS3 Racing by Loeb Motorsport im Alltag
Scharfe Geräte lassen keinen Platz für Spielereien.
 

Darf das wahr sein?

Autos wie der Citroën DS3 Racing fordern die Frage heraus: Wie viel Renn-Spirit verträgt der Straßenverkehr heutzutage noch?

02.10.2012 Online Redaktion

„Selbstbeherrschung und nüchterne Überlegung sind nicht allein in vielerlei Absicht gut, sondern scheinen sogar einen Teil vom inneren Werte der Person auszumachen; allein es fehlt viel daran, um sie ohne Einschränkung für gut zu erklären.“ Immanuel Kant

Das Biest kommt aus dem Windschatten. Du siehst es nicht, aber es kommt. Es umarmt dich, es schüttelt dich, es schlägt dich, es wirft dich, es liebt dich. Das Biest ist dein Freund. Es lügt dich nicht an, es schreit dich nicht an, es geht dir nicht auf die Nerven. Das Biest ist nach dem achtfachen Rallye-Weltmeister Loeb benannt, weil es dir das Gefühl gibt, selbst ein Rennfahrer zu sein. Du fährst ständig zu schnell, du stoppst Rundenzeiten auf der Ringstraße, Kreisverkehre werden zu Schikanen. Ein Kleinwagen mit 207 PS und wirklich ernsthaftem Setup und Auftritt.

Ein Auftritt, der auch Fragen hinterlässt: Kann das gut gehen? Soll so ein Projektil heutzutage überhaupt erlaubt sein? Auf ­Youtube kursieren schon seit langem Videos aus dem nahen Osten, in denen Fahrer von Toyota Camrys und Hyundai Sonatas abenteuerliche Drifts und Stunts vorführen. Oft kann man nur staunen ob der Fähigkeiten – dass viele dieser Aktionen weniger heroisch enden, ist allerdings ebenso dokumentiert. Diese Videos sind zum Teil nicht freigegeben für minderjährige Zuschauer. Die Fahr­künste wurden mittlerweile auch von der Film- und Musik­industrie aufgegriffen, Nachahmer gibt es hierzulande glücklicherweise kaum.

Citroen DS3 Racing by Loeb Motorsport im Alltag

Autos wie der DS3 Racing sind in eine Welt hineingeboren, die der ungezügelten Fahrfreude und der Unvernunft diametral entgegensteht. Eine Welt, in der Regeln, die dazu gedacht sind, das immer gedrängtere Miteinander der Gesellschaft zu organisieren, auch in menschenleeren Bereichen exekutiert werden. Die Räume, in denen der DS3 das Biest sein darf, sind klein, aber vorhanden. Die Refugien, wo man die Beschleunigung aus Kurven heraus spürt, wo man die Gänge bis in den Begrenzer drehen kann, ohne dass es jemanden stört.

Das Auto lebt von seiner Historie des Wahnsinns. Seine Geschichte wurde über Jahrzehnte geprägt von Menschen, die ihre Grenzen und die ihres Gerätes ausloteten, auf Rennstrecken, aber auch auf öffentlichen Straßen. Doch der Platz ist knapp geworden: In den letzten vierzig Jahren hat sich die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge in Österreich verfünffacht, laut Statistik Austria stehen wir derzeit bei deren 6,2 Millionen. Scharfe Geräte lassen keinen Platz für Spielereien. Die Biester der Landstraße verlangen Charakterstärke. Hausverstand, Konzentration, Skills, Selbstbeherrschung. Bewusstsein.

Citroen DS3 Racing by Loeb Motorsport im Alltag
Bewusst fahren. Auto fahren verlangt Konzentration. Wer am Steuer telefoniert, den Bass bis zur Bewusstlosigkeit aufgedreht hat, Kaffee trinkt, sich rasiert (alles schon beobachtet), kann keine hundert Prozent seiner Konzentration für den Verkehr aufwenden. Das erkennt man an unkoordinierten Manövern der betreffenden Fahrerinnen und Fahrer. Im besten Fall. Wer am Straßenverkehr teilnimmt, soll dies mit voller Aufmerksamkeit tun, das eigene Fehlverhalten betrifft die anderen. Umso mehr, wenn man ein anspruchsvolles Gerät unterm Hintern hat. Das Biest will dich. Das Biest will getrieben werden. Geschlagen, geworfen, geschüttelt.

Autos wie der DS3 Racing sind in eine Welt hineingeboren, die der ungezügelten Fahrfreude und der Unvernunft diametral entgegensteht. Damit wirkt er auf den ersten Blick seltsam deplatziert, aber das Biest kann auch Alltag. Mit Navigationssystem und Einparkhilfe ist man gut eingewickelt, während der Turbomotor und das Schüttelfahrwerk ein Lichtblick sind in einen freudigen Alltag, und sei es beim flotten Abschuss von der Ampel weg. Der wahre Kunstgriff ist es, Fahrfreude auch innerhalb der verträglichen ­Geschwindigkeiten zu vermitteln, für die Ohren, für den Bauch, für die Nase. Der DS3 geht dafür den Weg der Geschmeidigkeit und serviert fürstliche Ausstattung zum crispen Fahrwerk und den 1165 Kilogramm Leergewicht. Gegenprogramm ist ein Caterham Super 7, der schon bei legalem Landstraßentempo einen ­Orkan aus Lärm und Luft aufziehen lässt, dass man freiwillig langsamer fährt, und sei es erst nach fünf Minuten. Ein Beitrag zur Verkehrssicherheit, wirksamer und sympathischer als Betonhubbel, Tempobegrenzer und sonstige erhobene Zeigefinger. Kant führt übrigens aus, was fehlt, um Selbstbeherrschung und nüchterne Überlegung für gut zu befinden: der gute Wille.

Hausverstand, Konzentration, Skills und Selbstbeherrschung schaffen Platz für das Biest. Den einzig denkbaren Platz.

Hier gibt es den ausführlichen Fahrbericht vom Citroën DS3 Racing by Loeb

Mehr zum Thema
pixel