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Citroën Advanced Comfort: Bald kommt der fliegende Teppich

Mit relativ einfachen Mitteln schafft Citroën Advanced Comfort Erstaunliches. Und das schon: bald. Dennoch gibt es eine ganz schlechte Nachricht.

17.09.2016 radical mag

Zuerst die ganz schlechte Nachricht, tief aus dem Innern von Citroën: nein, Hydropneumatik oder Ähnliches wird es nicht mehr geben. Zu schwer – und vor allem: zu teuer. Die wenigen C5, die derzeit noch mit dem ganz edlen Fahrwerk gebaut werden, sind die wirklich Allerletzten.

Die ganz gute Nachricht

Dann die wirklich gute Nachricht, von ganz oben bestätigt: es wird wieder einen großen Citroën geben. Bald. Was aber in Zusammenhang mit der gerade erwähnten «ganz schlechten Nachricht» die Erwartungen vielleicht wieder etwas dämpft.

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© Bild: Werk

Die Sache mit DS Automobiles

Dann noch etwas zwischendurch, geht dabei nicht um Citroën, sondern um DS Automobiles, aber für uns Ewiggestrige ist das ja der gleiche Topf: ab sofort gibt es die «Performance Line» zu bestellen. Kein einziges PS mehr, aber ein bisschen Chichi. Und ein eigenes Emblem. Einfach, damit wir das auch noch vermeldet hätten. Und irgendwie hat das doch auch etwas mit dieser Story zu tun, aber davon später mehr.

Was steckt hinter Citroën Advanced Comfort?

Womit wir uns dann endlich dem Thema widmen können, das wirklich interessiert und auch wirklich interessant ist für die Zukunft: Citroën Advanced Comfort. Wir haben das schon mal kurz angerissen bei der erst kürzlich vorgestellten Studie CXperience, doch da wussten wir noch nicht so genau, was in den Worthülsen wirklich steckt. Kürzlich durften wir es aber buchstäblich erfahren. Aber dafür müssen wir wieder mal etwas ausholen.

Preis, Leistung und Komfort

Von den drei PSA-Marken ist sicher Citroën am weitesten mit seiner neuen Definition der Marke. Wir wissen: Citroën soll im Dreigestirn die Einsteigermarke werden, nicht billig, mehr so: clever. Der Slogan heißt: be different, feel good, das tönt so ein bisschen noch nach Avantgarde, aber auch nach einem guten Verhältnis von Preis und Leistung. Und genau da sind wir dann auch schon beim Thema: man sucht nach preiswerten Lösungen, die das Wohlbefinden der Insassen verbessern sollen, nein, können. Da geht es natürlich in erster Linie um die Connectivity, aber Citroën zieht das tatsächlich weiter, mehr Platz im Innenraum, vernünftige Materialien und ja: Komfort.

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© Bild: Werk

Schlafende Polizisten nicht wecken

Komfort ist ein kompliziertes Thema, denn das Empfinden dafür ist sehr subjektiv. Es spielen da verschiedene Komponenten mit, nicht nur der Körper, der Schläge und Vibrationen spürt, sondern auch das Auge, das auf den ersten Blick beurteilen kann, ob ein Stuhl bequem ist – und schließlich das Gehör, das sofort mitbekommt, wenn etwa das Geräusch beim Überfahren eines «schlafenden Polizisten» (= Bremsschwelle) ungefiltert in den Innenraum dringt. Hört man den Schlag, dann ist quasi egal, wie weich gedämpft der Wagen über das Hindernis gleitet, man empfindet es dann als: unkomfortabel. Man muss also an den verschiedensten Komponenten arbeiten, um ein befriedigendes Resultat zu erhalten.

Mehr geklebt und bessere Geräuschdämmung

«Citroën Advanced Comfort» bedeutet: es wird mehr geklebt. Das Chassis wird dadurch um 20 Prozent steifer, ohne das es zusätzliches Gewicht bedeutet. Es bedeutet auch: neue (und mehr) Materialien für die Geräuschdämmung. Es heißt: ganz neue Sitze, auch mit neuen Materialien, die eine höhere Auflagefläche ermöglichen – und beim Design neue Möglichkeiten, die dem Auge signalisieren: extrem bequem. Auch auf der Langstrecke. Allein diese drei Verbesserungen, die nicht die Welt kosten und tatsächlich messbar sind, sorgen für ein mehr an Wellness, das erstaunlich ist.

Stoßdämpfer des fliegenden Teppichs

Und dann ist da noch die eigentliche Neuerfindung, die für Furore sorgen dürfte: die «progressive hydraulic cushions». Es handelt sich dabei um eine neuartige Stoßdämpfer/Federeinheit, die dreiteilig ist und doch aus einem Stück hergestellt wird sowie mit zusätzlichen hydraulischen Druckkammern arbeitet, den «cushions», also den Kissen. Es entfällt (quasi) der mechanische Anschlag, dafür werden die Federwege länger – und die Dämpfung sanfter. Citroën verwendet dafür gerne den Begriff des fliegenden Teppichs – so ein bisschen wie früher.

Citroen "Progressive Hydraulic Cushions"
© Bild: Werk

Citroen „Progressive Hydraulic Cushions“

Erstaunlicher Vergleich

Auf ersten Vergleichsfahrten, die in einem serienmäßigen C4 Cactus und einem «Citroën Advanced Comfort»-Cactus-Prototypen stattfanden (und leider nicht in einem DS5, der es am nötigsten hätte), war tatsächlich ein wirklich erstaunlicher Unterschied auszumachen. Am heftigsten fiel er bei den «speed bumps» aus – nicht, dass der Prototyp sie hätte wegbügeln können, aber diese Mischung aus den weicheren Sitzen, der bedeutend besseren Geräuschdämmung sowie dem neuen Fahrwerk darf als wirklich erstaunlich bezeichnet werden. Auf schlechten Straßen ist der Fortschritt wohl etwas kleiner, aber Schlaglöcher steckt das neue System problemlos weg, mindestens so gut wie eine Luftfederung. Andererseits: uns kam die ganze Geschichte schon ein klein wenig schwammig vor. So ein bisschen, wie das früher bei Citroën war.

Bequemer Sessel, statt hartem Stuhl

Der Punkt ist: in diesen Zeiten, in denen das Autofahren immer weniger als ein noch einigermaßen sportliches Vergnügen ist, könnte es tatsächlich an der Zeit sein (zumindest für eine Marke wie Citroën), den Komfort über das Handling zu stellen. Wer mit noch 50 bis 80 km/h über die Stadtautobahnen gleitet, braucht fürwahr keinen bretterharten Bock, der ihm gleichen beim ersten Straßenschaden die Plomben aus dem Gebiss schüttelt. Freude am Fahren wird in Zukunft sowieso hauptsächlich aus einem großartigen Infotainmentsystem bestehen – und ein solches genießt man sinnvollerweise in einem bequemen Sessel.

Ein wirklich mutiger Schritt

Was uns am meisten überrascht in der ganzen Geschichte: PSA will dieses Plus an Komfort in Zukunft quer durch die ganzen Modell-Paletten anbieten. Und das ohne Aufpreis, einfach so, als Standard. Wieder: ein mutiger Schritt. Aber wahrscheinlich der genau richtige Weg. Und wann? Wahrscheinlich schon ab Ende 2017. Könnte dann der neue C4 sein…

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • Der Schwedenkönig

    Und noch eine dritte Bemerkung:
    Schwammig?
    Citroëns waren das nie.
    Klassische US-Cars fuhren schwammig, also patzweich und unpräzise.
    Schwammig fuhren auch die anderen Zeitgenossen der klassischen Citroëns, sobald sie auch nur ein bißchen Nutzlast tragen mussten.
    Wer erinnert sich noch an die deutschen Urlauberkolonnen mit ihren achtern tief durchhängenden Strichachtern, Rekorden und Taunussen.

  • Der Schwedenkönig

    Und wieder das ewiggestrige, redaktionelle Mißverständnis vom komfortabel gefederten Auto als Gegenpol zum hedonistischen Autoverständnis des wahren Automenschen.
    Leute, der Schwebegenuß eines klassischen Citroën (oder einer neuen S-Klasse) ist nur eine andere Spielart der Fahrfreude, nicht die Abkehr vom Auto als Spaßmacher.
    Schweben vs. Sport?
    Um mit 50-70 in die Stadt zu commuten, braucht man weder das eine noch das andere.
    (in Wahrheit gar kein Auto, sondern die S-Bahn)

  • Der Schwedenkönig

    Schön wärs!
    Mit einfachen, kostengünstigen Ideen den Industriestandard toppen.
    Citroëns waren ja nie teure Autos.

    Was bin ich es leid, auf der Suche nach Federung ständig in Richtung teurer Angebermarken abdriften zu müssen.

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