Chrysler Sebring Cab 2
Amerikanische Dimen­sionen, aber für Europa durchaus tauglich, sehr gut.
 

Chrysler Sebring Testbericht

Zeit der Entscheidung: Stoff oder Blech. Macht außerdem bessere Menschen aus uns (oder wir ein schlechteres Auto aus ihm).

01.05.2008 Autorevue Magazin

Vielleicht doch das Auto anhalten und die Welt untendrunter drehen lassen? Wer in diesem Stadium gelassenen, asketischen Hedonismus ankommt, hat die höchsten Weihen des Cabriofahrens erreicht: Zurücklehnen, genießen, und der Rest der Welt möge Golf spielen gehen. Der Chrysler Sebring 2,0 CRD Limited, eine Art Nirvana des Dachzurückschlagens.

Denn im Vergleich dazu stehen andere Cabrios mitten im Mainstream – zum Sebring Diesel aber gibt es einen richtigen und viele falsche Zugänge. Gegen die gediegene Schwere der Türe, die satt ins Schloss fällt, wirkt das Knuspern des Dieselmotors nämlich wie ein Kulturschock, und 140 PS werden subjektiv auch schmächtiger, wenn 1,8 Tonnen dranhängen.

Wer so denkt, wird flink wieder aussteigen. Wer hingegen ein üppiges Cabrio mit vier echten Sitzen und vernunftoptimiertem Motor sucht und gerne zwischen Stoffdach (Serie) oder Blechdach (beim Limited um 2.249 Euro als Extra) wählt, sitzt richtig.

Die Wahl zwischen Blech und Stoff bleibt eher eine Frage persönlicher Vorlieben, Design und Kofferraum liefern kaum Entscheidungshilfen: Die Linie ist gut proportioniert, und
mit offenem Dach stehen von 369 Liter Laderaum noch immer 195 zur Verfügung (sofern man den Kofferraumdeckel zu stemmen vermag). Die Wintertauglichkeit ist mit Blechdach einen Tick höher, das Stoffverdeck wird sich aber keine Ausrutscher leisten.

Der Innenraum trägt beim Limited Leder in Serie (mit Sitzheizung vorne), die Holzpaneele sehen jenen des Grand Voyager (Seite 70) sehr ähnlich, nicht aber echtem Holz. Dennoch: Das Interieur spannt eine behagliche, feine Atmosphäre auf, nur bei den Sitzen wurde gespart: Nach dem Vorschieben bemühen sie sich gar nicht, wieder so was wie Ausgangsposition einzunehmen.

Das Fahrwerk ist amerikanisch, also komfortabel und ein gutes Argument gegen Schnellfahren, der Motor wird nach dem Aufwärmen leiser und bei höheren Drehzahlen auch agiler, und irgendwann wird das Sebring Cabrio CRD Limited so stimmig, dass man sogar die dezenten Verwindungen der Karosserie (auch bei geschlossenem Blechdach) als Charakterstärke abhakt.

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