Chrysler Grand Voyager Testbericht

Der Erfinder des Segments erfindet sich neu: Außen schlicht, spricht er innen unsere Sprache. Vorausgesetzt, man fährt gerne ein Haus.

01.05.2008 Autorevue Magazin

Van-Fahren als Statement wurde ein bisserl von der SUV-Mode überrollt, daher nehmen sich die großen Vans in der Zulassungsstatistik ein wenig zurück, Vorsteuerabzug hin, Transportkompetenz her.

Zur Erinnerung: Der Chrysler Voyager hat das Segment (zumindest für Europa) gemeinsam mit dem Renault Espace erfunden, was jetzt auch schon bald 25 Jahre her ist. Der neue Voyager hat in seiner fünften Generation zu frischer Sachlichkeit gefunden, und er ist, genau genommen, nur mehr als Grand Voyager erhältlich: Die Rolle des normalen (auch nicht unbedingt kurzen) Voyager wird der Dodge Journey übernehmen, ab Sommer.

Der neue Grand Voyager also – 5,14 Meter lang, was erstens Vorsteuerabzug verspricht (und freilich auch hält) und zweitens Transportkapazität. Wer noch mehr Personen oder Freizeitaktivitäten mitnehmen will, wird eher bei den Kleinbussen wählen müssen. Damit ist der Auftrag des Grand Voyager ambitioniert vorgezeichnet – und in Österreich der Griff zum Dieselmotor: 2,8-l-Common-Rail-Vierzylinder mit 163 PS und 360 Nm, strikt mit Sechsgang-Automatik erhältlich. Klingt nach Langstreckenkomfort, was auch das Fahrwerk unterstreicht – der Komfort schmeichelt bei allen Straßenbelägen, Ambitionen zum Kurvenwedeln werden von der Seitenneigung schon im Ansatz abgepuffert. Durch die schiere Länge (wie gesagt 5,14 Meter) liegt er dennoch fein auf der Straße, wendig wird der Grand Voyager allerdings nie, weshalb man das Stadtfahren gerne bleiben lässt. Diese Aufforderung zum Cruisen und Drinlümmeln kommt bei einem US-amerikanischen Auto aber auch nicht so überraschend.

Und sie verträgt sich gut mit der Topausstattung Limited. Dafür wollen 55.090 Euro verabschiedet werden, die technisch idente Basisversion LX gibt’s um 14.000 Euro weniger. Um diese Summe darf man beim Limited in feinen Ausstattungs-Goodies wühlen, beispielsweise Xenon-Abblendlicht, Alarmanlage, Tempomat, Lederlenkrad, Bordcomputer, elektrische Verstellung für Pedale und Vordersitze, elektrische Versenkung der dritten Sitzreihe, Teilleder-Polsterung (mit Sitzheizung in Reihe eins und zwei), ein waches und gutes Navigationssystem, Parksensoren hinten, elektrische Schiebetüren und extended Holzdekor im Innenraum.

Diese Holzapplikationen zeigen zwar über Gussgrate, dass dafür kein Baum gefällt wurde, insgesamt aber kündet das Interieur von Chryslers Willen, einen deutlichen Trennstrich zu koreanischer Konkurrenz zu ziehen: Der Materialmix ist geglückt, Holz- und Aluminiumimitate sind gut abgeschmeckt, die Kunststoffe zeigen Ambition zur Gestaltung. Und die Sitze formen einen Wohnraum: Die beiden Einzelsitze der zweiten Reihe sind gut dimensioniert und bequem (dort gibt’s auch Klapptische), die Dreier-Sitzbank der dritten Reihe reicht für Erwachsene. Wegtragen des Gestühls kann unterbleiben, auch wenn man die  3296 Liter Laderaum ausreizen mag: Alle Sitze lassen sich mit Chryslers Stow ’n’ go-System unter Bodenniveau versenken – händisch in der zweiten Reihe nach Öffnen der Klappen im Boden, elektrisch (nur beim Limited) in der dritten Reihe. Das Eiern der Elektromotoren lässt ungefähr erahnen, welche Arbeit man sich per Knopfdruck erspart.

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