Der Fiat-Chef Sergio Marchionne
Fiat verhindert den Börsengang seiner Tochter Chrysler. Dieser könnte im 1. Quartal 2014 folgen.
 

Fiat sagt Börsengang von Chrysler ab

Überraschenderweise ist der Börsengang der Fiat-Tochter Chrysler abgesagt worden. Die Fiat-Aktien fielen nach Bekanntgabe der Entscheidung um mehr als zwei Prozent.

25.11.2013 APA

Dem US-Autobauer Chrysler wird überraschend von seinem Mutterkonzern Fiat der Börsengang verweigert, dabei war bereits für Dezember das milliardenschwere Geschäft geplant. „Es wird nicht möglich sein, den Börsengang der Chrysler Group vor dem Ende des Geschäftsjahres 2013 einzuleiten und abzuschließen“, teilte der Konzern am Montag in Mailand mit.

Börsengang im 1. Quartal 2014 vorstellbar

„Es kann keine Zusicherung gegeben werden, ob und wann ein Angebot gestartet wird.“ Das hänge von den Marktbedingungen ab. Angepeilt werde aber, den Börsengang im ersten Quartal 2014 voranzutreiben.

Poker um die Anteile

Fiat-Chef Sergio Marchionne wollte mit einem raschen Gang auf das Börsenparkett den gewerkschaftsnahen Pensionsfonds Veba als zweiten Großaktionär unter Druck setzen. Beide Seiten streiten sich um den Wert der Chrysler-Anteile. Veba verlangte für seine 41,5 Prozent nach Insider-Informationen 5 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro). Analysten schätzen das Paket dagegen nur auf rund 4 Mrd. Dollar. Fiat wollte mit dem Börsengang beweisen, dass sein Gebot angemessen ist und Veba damit zum Einlenken bewegen.

Chrysler zuletzt im Aufwind

Der italienische Konzern war 2009 nach der von der US-Regierung abgesicherten Insolvenz bei dem Detroiter Traditionsunternehmen eingestiegen und hatte seine Beteiligung nach und nach auf 58,5 Prozent aufgestockt. Chrysler befand sich zuletzt im Aufwind: Im dritten Quartal stieg der Gewinn um 22 Prozent auf 464 Mio. Dollar, der Umsatz um fast 14 Prozent auf 17,6 Mrd. Dollar. Damit wird die Tochter immer wichtiger für den Fiat-Konzern, der vor allem auf dem Heimatmarkt zu kämpfen hat.

Wall Street Journal liegt falsch

Der Rückzieher kommt umso überraschender, als das „Wall Street Journal“ kurz zuvor über Details zum Börsengang berichtete. Demnach sollten in dieser Woche die Preisspanne festgelegt werden, schrieb das Blatt in seiner Montagausgabe. Diese werde so ausfallen, dass Chrysler mindestens 1,5 Mrd. Dollar einnehme. Geplant sei, fast 17 Prozent des Unternehmens an die Börse zu bringen. Damit ergebe sich eine Gesamtbewertung für den drittgrößten US-Autokonzern zwischen neun und 12 Mrd. Dollar. Der Gang aufs Parkett sei für die erste Dezemberhälfte vorgesehen und damit rechtzeitig vor der weihnachtlichen Ruhe an den Finanzmärkten, hatte es zuvor geheißen.

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