Christian Clerici Plymouth Roadrunner GTX Unfall
 

Christian Clerici über Bolzen

Als Christian Clerici von seinem Rad überholt wurde.

24.08.2010 Online Redaktion

In der Redaktion ist uns ein, nun, Fauxpas von Autorevuefreund Christian Clerici zu Ohren gekommen. Wir baten um eine kurze Stellungnahme und die haben wir bekommen. Christian Clerici über einen Tag, an dem sich das Schicksal gegen ihn verschworen hatte:

Die Deutschen verwenden das Wort „Bolzen“ um zu beschreiben, wie schnell sie irgendwo, irgendwann, irgendwohin gefahren sind. Wäre ich mit meinem wirklich raren 1972 Roadrunner GTX ordentlich gebolzt als alle fünf Radbolzen links hinten abgerissen sind, vermutlich hätte ich nun andere Sorgen als mich über die Unterschiedlichkeiten der beiden deutschen Sprachen zu verbreitern.

Warum es passierte vermag niemand zu erklären, warum nicht mehr passierte, lag an der moderaten Geschwindigkeit von knapp 80 Km/h und der Tatsache, dass in den Heydays sehr viel dickes Blech verbaut wurde, das Mann und Hund trotz der Abwesenheit von Airbags, Gurten und Nackenstützen irgendwie unverletzt am Leben hielt.

Christian Clerici Plymouth Roadrunner GTX Unfall

Wer mein Gesicht gesehen hat, als mich ein paar Meter vor der Ausfahrt Inzersdorf auf der Süd mein linkes Hinterrad überholte, würde gedacht haben: „Und was wird aus der staunenden Visage, wenn es jetzt gleich kracht?“

Und während die 285er-Walze auf der guten American Racing Felge Richtung Triesterstrasse verschwand, zermerscherte sich der GTX erst die Front und dann, nach einer filmreifen Pirouette, das Heck an den sich gegenüberliegenden Leitschienen. Guter Platz zum Liegengenbleiben an einem Montagabend um 18.30 Uhr. Kaum Verkehr, kaum Neugierige. Hallelujah.

Ich war noch gar nicht mit Weinen und Absichern der Unfallstelle fertig, schon war die Polizei da, drei Feuerwehrautos, ein Rettungswagen und ein Notarzthubschrauber, der von einem Gaffer gerufen wurde, der eingeklemmte Personen nach einem Unfall zu Protokoll gab. Niemand war eingeklemmt und ich frage mich bis heute, wie einer so etwas machen kann, ohne zu helfen. Ich meine da gab es nichts zu helfen, aber wenn ich von eingeklemmten Personen spreche, müsste ich doch eigentlich an irgendwelchen Gliedmassen ziehen und in beruhigendem Singsang „Das wird schon wieder“ sagen, bevor ich einen Hubschrauber rufe…

Jedenfalls waren zeitweise rund 30 Einsatzleute rund um mein Wrack und bemühten sich rührend, zu trösten, zu beruhigen, über den ORF herzuziehen und das Monster irgendwie wieder auf alle vier Radeln zu bekommen, damit Meister Thomann endlich mit dem Abschleppen beginnen konnte.

Eine Woche vor der Ennstal-Classic, zu der mein GTX gemeldet war, kam das alles nicht besonders gut. Ich dachte daran, wie viele Stunden mein Haberer Knud Tiroch mit dem Originaldesign verbracht hatte und wie viele Stunden es wohl dauern würde den Blechhaufen, wieder in Schuss zu bekommen, ob man ihn überhaupt wieder reparieren könne, was das alles kostet und ob ein Auto mit abgeknicktem Heck nicht besser gleich auf den Schrottplatz gebracht werden sollte. Einer von 219 jemals gebauten. Hmmm. Ein trauriger Moment.

Zurück im Hotrod Hangar taxierte unsere Lack- und Karosserieexperte Victor Mürner von Extreme Colors den Schaden und fragte, wann ich das Auto wieder haben möchte?
„Ach, in einer Woche… sonst noch was?“
Ja, ob er bei der Gelegenheit auch gleich, die Antenne gerade biegen kann, die stört mich schon seit einer Ewigkeit.

Christian Clerici Plymouth Roadrunner GTX Unfall

Er hat es hinbekommen, kein Witz. Victor und seine Leute haben sechs Tage und Nächte am Plymouth gezogen, gedrückt, geschnitten, geschweißt und lackiert. Und dann war er wie neu. Besser als neu, denn wo die Amis in den 70ern die Spaltmasse noch dem Zufall überließen, hat Victor seine ganze Handwerkskunst dazu benutzt, um jede Fuge passend zu machen. Jetzt schließen Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel einfach ohne Gegenwehr und statt Orangenhaut ziert makelloser Lack die edle Form. Es grenzt an ein Wunder, niemand will glauben, dass Victor es geschafft hat.

Den Beweis bin ich mit der Startnummer 204 in Gröbming angetreten, wenngleich ich am zweiten Tag wegen Getriebeschaden aufgab. Aber das wird jetzt auch repariert und dann ist der GTX schlicht perfekt.

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  • sportfahrer.at

    kommt mir bekannt vor….allerdings hat die letzte Schraube unseres Z3 MQPs erst beim Versuch es auf den Abschleppwagen zu ziehen "klonk" gemacht und der "Überholversuch" der Felge scheiterte….war quasi eine Punktlandung am Pannenstreifen….die vorletzte Schraube ist genau beim Stehenbleiben abgerissen und filmreif vor der Felge zum Liegen gekommen….hauptsache Hund & Herrl sind ganz ;-)….dass das Blech auch noch besser als vorher ist ist ein schöner Nebeneffekt ;-)

  • endurance

    Shit Happens, aber schön wenn man die "Möglichkeit" hat (man könnte auch sagen das Geld) um den so schnell und gut wieder hinbiegen zu lassen :)
    P.S.: Gehört der Flügel da hinten so, oder hat das mit Geschmacksverwirrung zu tun? Sonst würd ich den genau so nehmen :P

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