Eine Autobahn in Peking. Smog liegt in der Luft.
Himmel über Peking
 

China vor weiteren Zulassungsbeschränkungen

Der chinesische Automobilverband befürchtet Absatzeinbußen durch strengere Zulassungsbeschränkungen.

12.07.2013 APA

 

Bisher erreichten uns überwiegend positive Nachrichten aus China und deren Autoindustrie und Absatzzahlen. Vor allem deutsche Autohersteller – wie Audi und BMW – sind im Reich der Mitte sehr beliebt. Dass der rasante wirtschaftliche Fortschritt Chinas Spuren hinterlassen würde, war absehbar und wenn sie schon einmal in einer chinesischen Großstadt waren, dann haben sie diese Spuren höchstwahrscheinlich sehen und riechen können. Die Luftverschmutzung ist enorm, praktisch jede Großstadt ist in dichtem und beißendem Smog gehüllt.

Autoindustrie ist besorgt

Um die Städte halbwegs aus diesem Abgasnebel zu befreien will China künftig härtere Umweltauflagen einführen. Diese wiederum hätten strengere Zulassungsbeschränkungen zur Folge – vorerst in acht Großstädten (in Peking existieren bereits restriktivere Anmeldemodalitäten). Dieser Plan lässt naturgemäß die Autoindustrie zittern. Shi Jianhua, Chef des Automobilverbandes CAAM, befürchtet, dass durch diese Maßnahmen 400.000 Wagen weniger verkauft werden könnten – 2 Prozent des chinesischen Gesamtabsatzes von 2012.

Chinesischer Markt von Deutschen geprägt

Das Beispiel Peking veranschaulicht, so Shi, die negativen Auswirkungen von solchen Maßnahmen auf den Absatz von Neuwagen. Er spricht von einer Schwächung der Nachfrage auf dem größten Automarkt der Welt. Dieser wird von deutschen Unternehmen dominiert, so kamen im Juni 26 Prozent aller in China verkauften Autos aus deutschen Werken.

Mit Glück zur Zulassung

Im Kampf gegen den Smog beschränken vier Städte, darunter die Hauptstadt sowie das Wirtschaftszentrum Shanghai, bereits jetzt die Neuzulassungen – so werden beispielsweise in Peking pro Monat 20.000 Nummernschilder per Lotterie vergeben. Restriktiver dürfte dem Branchenverband zufolge künftig auch in Provinzzentren wie Chengdu, Chongqing und Wuhan vorgegangen werden. Die Einzelheiten würden von den örtlichen Behörden bekannt gegeben. Beim Verkehrsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu den Äußerungen des CAAM zu bekommen.

Befürchtungen der Autoindustrie sind reines Kalkül

Analysten halten die CAAM-Prognosen für übertrieben und dem Ziel geschuldet, die Pekinger Führung von solchen Plänen abzubringen. „Ich glaube nicht, dass acht weitere Städte plötzlich gleichzeitig Beschränkungen einführen“, sagte Wu Wenzhao von Sinolink Securities. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund, dass der Schwung der chinesischen Konjunktur nachlasse und die Regierung die Binnennachfrage ankurbeln wolle. Nach Jahren rasanten Wachstums kommen aus dem Reich der Mitte immer mehr Warnsignale: Nach den jüngsten Turbulenzen an den Geldmärkten brach der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zuletzt auch der wichtige Export weg.

Lebensqualität soll erhöht werden

Doch ungeachtet dieser Herausforderungen hat sich die neue Führung unter Präsident Xi Jinping auch auf die Fahnen geschrieben, die Lebensqualität für das Milliardenvolk zu erhöhen. Über vielen chinesischen Städten hängen dichte Dunstglocken, die Luftverschmutzung gehört zur stärksten weltweit. Als verantwortlich dafür gilt neben Kohlekraftwerken auch der wachsende Verkehr, weil sich immer mehr Bürger des aufstrebenden Schwellenlandes ein Auto leisten können, das als Statussymbol gilt. Am häufigsten griffen sie dem CAAM zufolge dabei im Juni zu deutschen Marken (26 Prozent), gefolgt von chinesischen (25), japanischen (18) und US-Produkten (16).

 

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