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Chevrolet Cruze Testbericht

Amerikanischer Name, europäisches Auftreten, und der Preis klingt noch immer ein bissl koreanisch.

01.07.2009 Autorevue Magazin

Wie schnell das gehen kann: Als die koreanische Chevrolet-Tochter noch Daewoo hieß, gab es im Wesentlichen nur ein eindeutiges Argument: den Preis. Über den Rest wurde erst gar nicht viel diskutiert. Mittlerweile ist immer mehr Opel in die Technik eingeflossen, und jetzt stehen wir bereits vor einem respektablen Ergebnis: Der Cruze basiert schon auf der Technik des kommenden Astra. Das alleine wäre wohl noch keine Erfolgsgarantie. Doch man hat sich mächtig angestrengt, mit diesen Ressourcen sorgfältig umzugehen. Das beginnt schon beim Design, innen wie außen: Ausgewogen, aber nicht schlapp, durchaus erfrischend, soweit es diese Fahrzeugklasse in ihrem Gefälligkeitszwang überhaupt zulässt. Für europäischen Geschmack: Hut ab! Aber auch unter Blech und Kunststoff scheinen keine Gestrigkeiten versteckt, das muss wohl gesagt werden, um jeden Verdacht gleich auszuräumen. Chevrolet etwa betont die außergewöhnliche Steifigkeit der Karosserie. Wir können das bestätigen. Sie ist der unverzichtbare Hintergrund für ein sicheres und hochwertiges Fahrgefühl. Apropos hochwertig: Auch die gleichmäßig schmalen Karosseriefugen zeugen von Sorgfalt in der Fertigung.

Der Innenraum ist sauber gestaltet, auch die Materialien rufen eine fröhlich-entspannte Stimmung hervor und verströmen Verlässlichkeit. Alles ist an seinem Platz, die Ergonomie sitzt perfekt, die Bedienung – ein Kinderspiel. Von der Technik des Astra profitiert man natürlich enorm. Das ausgewogene Fahrwerk, die zielgenaue Lenkung mit ausreichend Feedback: Der Cruze klopft bei der Mittelklasse an, ähnlich wie das Skoda mit dem Octavia vorexerziert hat. Und genau wie dieser dem Erfolg des VW Golf nie geschadet hat, wird wohl auch der Chevy seinen eigenen Kundenkreis abseits des Astra erschließen.

Wir fuhren den 1,8-Liter Benziner mit 140 PS. Das ganze Paket macht prinzipiell Sinn, wenngleich mittlerweile die Grenzen der Saugmotoren selbst in dieser Fahrzeugklasse offenbar werden. Der Motor braucht hohe Drehzahlen, um die mitunter geforderte Leistung zu erreichen, was beim Überholen und auf Autobahnsteigungen nicht ungehört bleibt. Dazu das Sechsgang-Automatikgetriebe, das konsequent auf Sparsamkeit ausgelegt ist, also über weite Bereiche für ein niedriges Drehzahlniveau sorgt und damit auch für einen geringen Geräuschlevel. Man befindet sich in einem ständigen Dialog zwischen angenehmem Gleiten und deutlich vernehmbarer Kraftanstrengung. Bei vernunftbetonter Fahrweise zeigt sich der Cruze jedenfalls von der sehr angenehmen Seite.

Hoch gelobt seien die relativ stark konturierten Sitze, die hervorragenden Seitenhalt und gute Unterstützung für die Wirbel bieten. Der linke, in der Automatikversion naturgemäß arbeitslose Fuß findet seinen eigenen Abstellplatz. Das Leder kostet 1000 Euro extra und ist von guter Qualität, man schwitzt erstaunlich wenig, und eine Sitzheizung ist im umgekehrten Fall auch dabei. Chevrolet folgt somit einem bewährten Konzept aufstrebender Marken aus Fernost: ein komplett ausgestattetes Auto mit immer besserem technischem Background zu einem zugespitzten Kampfpreis.

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