Chevrolet Corvette C1 1953
Anfangs ist die Corvette unter­motorisiert, mit Facelift und V8 brummen die Verkaufszahlen.
 

1953 – Das Jahr: Mit Hammer und Nierentisch

Politische Machtwechsel, Nierentische und Wirtschaftswunder verlangen nach neuen Autos, besonders in den USA: Dort will Chevrolet die euro­päischen Sportwagen und den Konkurrenten Ford ausbeschleunigen.

07.04.2011 Online Redaktion

Wirtschaftswunder und Nierentisch sind fixe Bestandteile des Lebens, wobei der Nierentisch als Symbol einer neuen Genera­tion von Einrichtungsideen gilt: Möbel sind wie organisch gewachsen, oft asymmetrisch, sie stehen auf dünnen, schrägen ­Beinen und sind leicht beweglich, ein in kleinen Wohnungen gerne genutztes Talent. Unnötig zu erwähnen, dass der Massengeschmack ein wenig braucht, um den Designern zu folgen. ­Immerhin traut sich die Werbung ein bis dahin utopisches Ziel an den Horizont zu malen: Luxus für alle, und das in großen Mengen, gerne noch per Ratenzahlung finanziert.

Kaum Neues in Österreichs Innenpolitik: Bei der Nationalratswahl wird die SPÖ unter Adolf Schärf stimmenstärkste ­Partei, aufgrund des Wahlrechts erhält dennoch die ÖVP mehr Mandate. So bleibt die Große Koalition im Amt, Leopold Figl wird als Kanzler allerdings von Julius Raab, beide ÖVP, abgelöst. Zunehmende Motorisierung führt zu allerlei gesetzlichen ­Regelungen. Die BRD führt den Schülerlotsen ein und verankert den Fußgängerschutzweg, vier Jahre davor erstmals definiert, in der Straßenverkehrsordnung. Umgangssprachlich wird er Karriere als Zebrastreifen machen. In der Treppenstraße zu Kassel, die aufgrund ihres Namens ohnedies nicht sehr autofreundlich klingt, wird Deutschlands erste Fußgängerzone eingeführt.

Die DDR erklärt das Jahr zum Karl-Marx-Jahr, nicht ganz zufällig wird Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umbenannt. Auch wird beschlossen, die DDR näher ans sowjetische Modell heranzuführen, was vor allem Entbehrungen für die Bevölkerung mit sich bringt (Stromabschaltungen bei Dunkelheit, zum Beispiel, damit der Schwerindustrie mehr elektrische Energie bleibt), auch sollen Gewerbetreibende durch unsanften Druck davon überzeugt werden, ihre Betriebe zu verstaatlichen. Gar nicht von der Staatsführung unter Walter Ulbricht geplant ist der Volksaufstand gegen all diese Maßnahmen: Am 17. Juni 1953 wird praktisch flächendeckend gestreikt und gegen die Staatsführung demonstriert, gegen die Teilung Deutschlands sowieso. Wenig zimperlich naht Gegenwehr in Gestalt von 20.000 sowjetischen Soldaten, unterstützt von 8000 Mitgliedern der Kasernierten Volkspolizei und dem flugs verhängten Kriegsrecht.

Chevrolet Corvette C1 1953

Angesichts der sowjetischen Panzer verliert der Aufstand rasch an Schwung – auch, weil rund 6000 Aufständische verhaftet werden. In der UdSSR erleidet Josef Stalin, der das Land unter Hinterlassung vieler Millionen Toter vom rückständigen Agrarland zur Atom-Weltmacht geformt hat, eine Hirnblutung. Da er erst kurz davor Ärzte, die ihn zur Schonung mahnten, hinrichten ließ, trauen sich die Angestellten stundenlang nicht, Hilfe zu holen. Stalin stirbt drei Tage später, er wird im Lenin-Mausoleum ­neben dem Namensgeber Lenin beigesetzt. Die Sowjetunion durchläuft folglich das, was als zaghafte Entstalinisierung zu ­verstehen ist. Zu merken ist davon für die meisten östlich des Eisernen Vorhangs lebenden Menschen noch lange nichts, ­weshalb Radio Liberty, am 1. März gegründet, seine Existenz­berechtigung noch lange nicht verlieren wird. Es versorgt ­Menschen im Osten mit Programm, das im Westen als nötiges Korrektiv zum Sowjet-Rundfunk gemacht wird. Weiteren Zündstoff erhält der Kalte Krieg durch die erste von der Sowjetunion gesprenge Wasserstoffbombe.

Deutschland hebt die Visumpflicht für Mitgliedstaaten des Europarates auf, ein Hinweis auf Normalität auf internationaler Ebene. Auch ein Anzeichen künftiger, hmm, Normalität erlebt Kuba. Dort greift eine Guerillatruppe unter Führung des Rechtsanwaltes Fidel Castro eine Kaserne an, erfolglos allerdings.

Chevrolet Corvette C1 1953

Am 2. Juni wird in der Westminster Abbey Her Royal Highness The Princess Elizabeth, ­Duchess of Edinburgh, zur Königin gekrönt, ihr erster Premierminister heißt Winston Churchill. Bis heute führt sie ihr Amt souverän winkend aus.

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