322 Kilometer soll die Reichweite des Bolt ausmachen
 

Neue Konkurrenz für Tesla?

2017 könnte GM mit dem Chevrolet Bolt ein großer Wurf gelingen. Mit innovativer Technik und einer Preisansage an die Konkurrenz. Und nicht nur Innen weiß das Elektroauto zu überraschen.

14.01.2015 radical mag

Wenn man den amerikanischen Medien glauben mag, dann ist die Führung von General Motors massiv sauer auf Tesla und den Heiligen Elon. Warum ganz genau das so sein sollte, dafür haben wir aber keine gute Begründung gefunden. Trotzdem heißt es allerorten, dass die Studie des rein elektrischen Chevrolet Bolt nur deshalb entstanden sei, weil GM, eben, so mächtig sauer ist auf Tesla. Und auch noch auf den Herrn Musk. Da wissen wir jetzt aber immer noch nicht mehr, aber so ist das halt in diesen modernen Zeiten, wenn alle allen abschreiben und sich gar niemand mehr Gedanken macht, was sie da überhaupt abschreiben.

Der Chevrolet Bolt

Gut, man könnte jetzt auch etwas aus der Bezeichnung der Studie schließen. Denn «bolt» ist ja nicht nur nah am Volt, sondern auch die Schraube, der Bolzen, der Riegel, der Dorn und der Blitz und der Pfeil. Als Verb, «to bolt», ist die Auswahl noch größer und reicht von verschrauben über flüchten bis hin zu (ver-)schlingen und auch noch zu untersuchen. Gute Wahl, also, von General Motors, da bleibt sehr viel Raum für Spekulationen, und je mehr spekuliert wird, desto mehr Raum findet man in der Berichterstattung._Chevrolet-Bolt-(3)

Chevrolet vs. Tesla?

Wenn man sich die Geschichte nun aber etwas genauer anschaut, dann kann das mit dem Ärger und Tesla gar nicht stimmen. General Motors sagt, dass der Bolt als Modelljahrgang 2017 auf den Markt kommen könnte. Oder wahrscheinlich wird. Das bedeutet wiederum, dass er schon etwa 2012 angeschoben wurde. Da dokterte Tesla noch an einem Lotus-Roadster rum – und hatte wohl noch keine Ahnung davon, dass ebenfalls 2017 der Tesla Model 3 auf den Markt kommen soll, etwas für die Mittelklasse, also deutlich unter dem Model S sowie dem X, dessen erste Exemplare noch in diesem Jahr ausgeliefert werden.

Der Vorteil von Tesla

Man muss dazu wissen, dass die Entwicklungszeiten bei einem Klein-Hersteller wie Tesla deutlich kürzer sind als bei einem unbeweglichen Riesen wie General Motors. Der Bolt nun also. Der durchaus interessant ist, auch wenn er ein bisschen aussieht wie ein adipöser Bruder des BMW i3 (dessen Schönheit ja auch in erster Linie in den Augen des Betrachters liegt…)._Chevrolet-Bolt-(6)

Kampfansage von Chevrolet

Doch da gibt es zwei Zahlen, die aufhorchen lassen. Erstens: unter 30.000 Dollar. Das ist natürlich eine Kampfansage, subventioniert – das kann sich General Motors natürlich leisten. Und wird damit Tesla tatsächlich wehtun, denn das Model 3 wird mindestens 35.000 Dollar kosten. Bis 2017 ist aber noch lange hin, da kann sich noch viel ändern.

Leichtbauweise beim Chevrolet Bolt

Der Preis des Bolt ist auch deshalb erstaunlich, weil der Leichtbau ziemlich konsequent zu sein scheint, viel Carbon, viel Alu; zum Gewicht wollen die Amerikaner aber trotzdem noch keine Angaben machen._Chevrolet-Bolt-(5)

322 Kilometer

Soweit sollen die Batterien des Chevrolets reichen. Das ist gut doppelt so viel, wie ein BMW i3 schafft. Und weil GM auf ein eher klassisches Layout zurückgreift (sowie Batterien des koreanischen Herstellers LG) und nicht eine Flut von Handy-Batterien hintereinanderschaltet wie Tesla, ist dieser Wert schon sehr erstaunlich. Die europäischen Hersteller, die sich mit reinen Elektroautos beschäftigen, sagten noch vor kurzem, dass Reichweiten über 300 Kilometer erst etwa 2020 zu erwarten seien. Und jetzt kommt GM, dessen Volt (E-Auto mit Range Extender) ja nun nicht gerade ein Vorbild war in Sachen Reichweite, und will ein Ding bringen, wie es bisher nur Tesla konnte. Genaue technische Daten gibt es aber noch keine._Chevrolet-Bolt-(7)

Interessant ist auch das Innenleben des Bolt

Es gibt keine Knöpfe mehr. Als Schaltzentrale dient ein großes Display, gewisse Funktionen sollen auch über eine App auf dem Smartphone gesteuert werden können. Da beginnt nun auch bei General Motors eine kleine Revolution, die man den Amerikanern in dieser Form gar nicht zugetraut hätte. Und auch deshalb ist der Chevrolet Bolt eine der interessantesten Neuheiten von Detroit – und sicher nicht bloß ein Modell, mit dem GM Tesla ärgern will.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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