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Testbericht: Caterham Caterham RS 175 SV

Oben ist, wo die Welt sehr offen ist. Zum Beispiel im Caterham.

22.07.2011 Autorevue Magazin

Nach dem Stehenbleiben zupft man sich die Kieselsteine aus dem Gefieder und aus dem gesamten Cockpit auch. Schonungsloser ­offen ist nur der X-Bow, zumal der Caterham über die Andeutung einer Frontscheibe verfügt und auch über ein Dach, das mittels eines Klappbügels, 25 Druckknöpfe, zweier Spannbänder und eines Klettverschlusses (eher lang) aufgespannt wird, und da haben wir die ­extra zu montierenden Türen noch nicht erwähnt. Sagen wir so: Es handelt sich insgesamt um eine Verdeckkonstruktion, die man eher nicht leichtfertig montiert.

Und es ist gut so.

Denn ein Caterham hat offen zu sein, vor allem offen für Abenteuer, fürs Entlangradieren mit dem Hosenboden auf der Fahrbahn, für die Watschen des Windes, für die Choreografie, die die Stangerln der Vorderradaufhängung auf den Asphalt steppen, für die fettfreie Fortbewegung mit einem Leistungsgewicht, das von der reinen Lehre des Roadstergedankens kündet: 550 kg, 175 PS. Denn der Motor steht mitten in der Neuzeit, ein 2,0-l-Duratec von Ford, aufgezwirbelt zu handzahmer Brutalität.

Dass er hier auf sportlichen Einschlag hochgejazzt wurde, kündet er mittels rotzigem Leerlauf und ungefiltertem Schlag ins Kreuz, wenn man das Gaspedal TRITT: Die 550 Kilo lassen sich jede Beschleunigung gefallen ­(Leistungsgewicht 3,1 kg/PS, Aston Martin DBS oder Nissan GT-R liegen da ein bisserl zurück), der Motor stellt den passenden Soundtrack, alles kommt direkt, unmittelbar, ungefiltert, aber gewaltfrei: Die Federung ist natürlich trocken, aber erstaunlich human, und der Ausblick auf Motorhaube und Scheinwerfer malt ein Panorama längst versunkener Roadstergedanken an den Horizont. Dass unser Caterham SV quasi die Langversion ist, fällt nur im körpereigenen Handling auf: Man passt nämlich rein, ohne mit den Knien die Schalter zu bedienen und den Gitterrahmen zu touchieren – eine zarte, üppige Verneigung vor der Durchschnittslänge des Durchschnittsfahrers, die seit 1957 doch zugenommen hat. Damals, also vor 54 Jahren, hatte der Caterham seinen ersten Auftritt, als Lotus Seven. Nach dessen Produktionsende 1972 ging die Lizenz zum eifrigen Seven-Händler Caterham, der bislang unglaubliche Detail­arbeit investiert hat, nie aber am Charakter des Autos zu sägen ­begann, so einfach sind manche Geschichten erzählt.

Was man sonst noch braucht, um einen Caterham zu fahren: 41.845 Euro (Einstieg bei 30.29 Euro für die 120-PS-Version, in der auch niemandem fad wird), Toleranz gegenüber per Fahrtwind vom Kopf gezupften Kapperln (auch der Wechsel zur Wollmütze bringt nix, die hält nur marginal länger), Freude beim Balancieren am Gaspedal abseits elektronischer Fangnetze (kein ESP, kein ABS), einen begnadeten Körper beim Ein- und Aussteigen, wenn man doch das Verdeck montiert und brutalen Wind gegen zarte Zugluft tauscht.

Wer das Abenteuer schon vor dem Losfahren sucht: Es gibt den Caterham auch als Bausatz, fürs Basteln darf man sich selbst 3.000 Euro gutschreiben.

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