Cadillac SRX Sport Luxury 3,0L V6
Die Stückzahlen sind überschaubar und die SRX-Fahrer damit unter sich.
 

Testbericht: Cadillac SRX 3,0 V6

SRX-Fahrer sind unter sich. Ein Brief an die zwei, die wir damit meinen.

03.10.2012 Online Redaktion

Sehr geehrter Hr. P.,
sehr geehrter Hr. M.,

Exklusivität ist ein teures Gut. Und Sie haben es. Glückwunsch. Denn Sie sind die einzigen beiden, die sich 2011 in Österreich für einen Cadillac SRX entschieden ­haben. Damit fahren Sie ein Auto, das hierzulande seltener ist als ein Ferrari 458 Italia (21 Stück, eine Allerweltskarre) oder ein Lambor­ghini Gallardo (neun Stück, diese Massenware).

Wundern Sie sich nicht.

Denn 2011 musste Cadillac noch die Restbestände aus Vor-Neustart-Zeiten verkaufen. Zu sehr günstigen Konditionen. Da kauft niemand einen nagel­neuen SRX (außer Ihnen). Kannibalisierung durch die Vor­gänger-Genera­tion. Aber machen Sie sich keine Sorgen, Cadillac hat durch die Pleite gelernt. Mit nur 600 verkauften Autos in ganz Europa haben die 2011 noch ein paar Euro verdient. Wenige Angestellte, realistische Ziele – 1000 Fahrzeuge sollen es 2012 werden.

Sie, meine beiden Herren, gehören zu jenen Menschen, für die ein Benzinmotor mit mehr als drei Zylindern noch keine Bedrohung darstellt. ­Cadillacs wurden eben nie für Hunger­leider gebaut. Und ein drei Liter großer Sechszylinder hat seine Vorteile. 270 um genau zu sein. Ihnen ist bestimmt schon aufgefallen, dass die Leistung spät anliegt. Ist auch egal. Drehzahl hoch und fertig. Ab 3000 Umdrehungen schiebt er einen dann auch höflich nach vorne. Bei 5500 Touren tritt er Sie in den Hintern.

An dieser Stelle ein kleiner Tipp: vermeiden Sie den Tempomat.

Dann bekommen Sie nicht das Gefühl, das Getriebe sei nervös. Mal ehrlich, ich hätte vor Verzweiflung fast ins Lenkrad gebissen, weil die Schaltbox bei vorgegebener Geschwindigkeit dauernd auf der Suche nach dem richtigen Gang ist. Der eigene Gasfuß erspart das Gejaule des Motors, wenn es mitten auf der Autobahn wegen einer leichten Steigung mal wieder zwei Gänge nach unten geht. Der SRX hat zwei Zylinder zu wenig, um diesem Vorgang eine dramatische Geräuschkulisse zu verleihen.

Das ist nicht unsere Art. Wir gleiten, sind überlegen und bügeln platt, was an Schlaglöchern kommt. Nach 500 Kilometern steigt man aus, als sei nichts gewesen. Zum Tanken beispielsweise. Mein Nachbar hat sich einen Japaner gekauft. Wegen der tollen Ausstattungspakete. Ha! Metallic-Lack! Sitzlüftung! Aber ohne Aufpreis, Herr Nachbar. Da hat er seinen Reiskocher gleich in der Garage verschwinden lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Seidel

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