Cadillac CTS-V dyn voli
Warum V8 auch sein darf. Und zwar mit Kompressor.
 

Vorstellung: Cadillac CTS-V

Man muss ja nicht immer die Welt retten.

19.11.2011 Autorevue Magazin

Der längste Apfelstrudel der Welt war 366,59 Meter lang und wurde in Wiener Neudorf in fünftägiger Arbeit gebacken. So einen Rekord kann man durchaus als typisch österreichisch bezeichnen. Wohingegen bei den wirklich wichtigen Dingen im Leben eher die USA für Superlative zuständig sind. Zum Beispiel halten sie nach eigener Definition den Welt­rekord bei den stärksten serienmäßigen Kombilimousinen. Der Cadillac CTS-V hat einen 6,2-Liter-Motor und bringt es mit Kompressor auf 564 PS. Wir wollen den Stolz der amerikanischen Ingenieure jetzt nicht mit der nüchternen Behauptung torpedieren, dass es ein Audi RS6 schon auf 580 PS brachte (BMW M5 derzeit 560 PS). Erbsenzählerei! Es geht um die Substanz, es geht um den Charakter.

Cadillac CTS-V: 6,2-Liter-V8-Kompressor!(!)

In Zeiten, da das Schlagwort Downsizing nicht nur Hoffnung auf weniger Spritverbrauch, sondern auch da und dort Beklemmung auslöst, erscheint es mitunter angebracht, die Vorzüge des klassischen Maschinenbaus zu preisen. Immer nur die Welt retten, das überlebt auch keiner lang. V8 muss zuweilen sein, und Kompressor erst recht. Autos dieser Art sind ohnehin nicht viel mehr als Orientierungspunkte im unendlich weiten Feld der Möglichkeiten, und als solche durchaus wichtig und kultureller Bestandteil – jetzt erst recht.

Du entkommst dem Klischee nicht – und das ist gut so. Du sitzt in dem Auto, und es brummelt unter der Motorhaube. Rund um dich eine ­Armaturenlandschaft, nicht gerade Design-Avantgarde, bei einer Verarbeitung, die hohen Ansprüchen genügt, aber auch keine Maßstäbe setzt. Und es brummelt noch immer unter der Motorhaube, und das berührt dich sowieso weit mehr als der ganze Tand, den uns bei einem deutschen Auto der so genannte Fortschritt gegen Aufpreis ins Innere spült.

Das Brummeln kommt direkt aus dem Kehlkopf

Mag ein Audi aus der Sport-Abteilung, ein Mercedes von AMG oder ein M-BMW noch so sehr von Sounddesignern durchgestylt blubbern, das Brummeln des Cadillac entspringt gewissermaßen direkt dem Kehlkopf und ist somit von hoher Authentizität. Wenn die unheimliche Kraft dann zupackt, überlagern vielerlei Botenstoffe den grauen Alltag mit guten Gefühlen. Irgendwelche Formen von Geschwindigkeitseskalation sind dafür nicht notwendig.

Und damit dieses mächtige Geschoß der Zweitonnen-Klasse die nötige Balance in möglichst vielen Lebenslagen beibehält, ist es mit dem bei Cadillac schon länger bekannten Magnetic-Ride-Fahrwerk ausgestattet, das eine breite Palette an teils automatischen Dämpfereinstellungen bereithält. Und wir wissen auch schon von früher, dass Cadillac Fahrwerke bauen kann, die diesen hohen Ansprüchen durchaus gerecht werden. Das Gleiche gilt für die Bremsen, die man beim High-Speed-Experten Brembo in Auftrag gegeben hat. Fast kurios erscheint die Tatsache, dass es dieses Auto auch mit Schaltgetriebe gibt.

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